Erste Reaktionen von Analysten
Volkswirte zeigen sich enttäuscht

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im August saisonbereinigt um 24 000 zum Vormonat gestiegen. Die unbereinigte Zahl sank um 13 400 auf 4,347 Millionen. Die Erwerbstätigenzahl ging im Juni - dem letzten verfügbaren Monat - allerdings nur noch um 1 000 zum Vormonat zurück.

HB BERLIN. Volkswirte hatten im Schnitt einen Anstieg der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl um 10 000 prognostiziert und sagten zu den August-Daten in ersten Reaktionen:

Peter Meister, ING BHF-Bank:
„Das ist ein bisschen enttäuschend, denn ich hatte unbereinigt einen Rückgang von 45 000 erwartet. Durch das Ferienende in einigen ostdeutschen Ländern hatte ich einen etwas positiveren Effekt erwartet, da nach den Ferien eigentlich immer ein bisschen eingestellt wird. Die Binnennachfrage ist derzeit nicht so stark, vor allem die Investitionen sind noch schwach. Dazu kommt der Kostendruck von der Energieseite; das alles wirkt belastend auf den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenzahlen sind aber nach wie vor sehr schwer interpretierbar. Interessant ist allerdings die Erwerbstätigenzahl von Juni. Mit einem Minus von 1000 ist der Stellenabbau fast zum Stillstand gekommen. Das ist ein positives Zeichen und ein gewisser Hoffnungsschimmer. Aber deswegen ist mit keiner besonderen Dynamik zu rechnen. Eigentlich erwarte ich nicht, dass die Vier-Millionen-Marke im Herbst noch erreicht wird. Insgesamt dürfte die Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt nicht nennenswert unter dem Vorjahresniveau liegen. Das wird aber auch nur erreicht, weil Trainingsteilnehmer seit Jahresanfang aus der Statistik rausgerechnet werden. Sonst hätten wir ein Plus.“

Klaus Schrüfer, SEB:
„Das ist ein ganzes Stück mehr als wir erwartet haben. Es zeigt, wie schwierig der Arbeitsmarkt bleibt. Die Schulferien haben sich dieses Jahr sehr auf Juli und August konzentriert, daher kann es sein, dass die Firmen planen, von September an neue Mitarbeiter einzustellen. Aber alles in allem bleibt der Arbeitsmarkt noch schlecht.“

Ralph Solveen, Commerzbank:
„Die Erwerbstätigenzahlen stabilisieren sich in den letzten Monaten. Das ist im Prinzip positiv. Entscheidend ist für die Volkswirtschaft, ob Beschäftigung geschaffen wird, und nicht wie viele Menschen sich arbeitslos melden. Das Problem bei der Erwerbstätigenstatistik ist, dass hier Köpfe gezählt werden, das heißt, das können Vollzeit- oder Mini-Jobs sein. Die Zahl sagt nichts, wie sich das Arbeitsvolumen ändert. Die Wende am Arbeitsmarkt ist das garantiert nicht. Ich denke aber schon, dass wir eine Stabilisierung sehen werden. Das zeigte auch der Einkaufsmanagerindex in der Industrie. Möglicherweise werden wir gegen Ende des Jahres oder Anfang 2005 eine leichte Besserung am Arbeitsmarkt bekommen. Die Arbeitsmarktreformen werden durch den höheren Druck sicherlich die Statistik beeinflussen. Dass sie tatsächlich zu einer höheren Beschäftigung führen, damit sollte man nicht all zu schnell rechnen. Das wird eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen.“

Andreas Rees, Hypo-Vereinsbank:
„Der Beschäftigungsabbau ist in den letzten Monaten geringer geworden. Das ist aber nur auf den ersten Blick eine erfreuliche Nachricht. Nach meiner Einschätzung handelt es sich dabei nicht um eine wirklich Trendwende am Arbeitsmarkt, sondern vor allem um einen statistischen Effekt. Die Erwerbstätigenzahlen erfassen auch die Mini- und Midi-Jobs, die in den letzten eineinhalb Jahren sprunghaft angestiegen sind. Es ist zu befürchten, dass Vollzeitstellen vermehrt durch Teilzeitstellen ersetzt wurden und damit die Erwerbstätigenzahlen aus konjunktureller Sicht zu positiv ausgewiesen werden. Diese Einschätzung wird durch das trotz vieler Überstunden gesunkene Arbeitsvolumen im zweiten Quartal bestätigt. Bei den Arbeitslosenzahlen sah es zuletzt auch so aus, dass der Anstieg der saisonbereinigten Zahlen sich abschwächt. Die jüngste Zahl zeigt aber, dass es in diesem Jahr keine Besserung am Arbeitsmarkt geben wird. Die Schlussfolgerung ist, dass der private Verbrauch im zweiten Halbjahr und auch im kommenden Jahr nicht so stark zulegen wird wie vielerorts angenommen.“

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