Erste Spitzengespräch
Schweigen in Berlin

Auch beim ersten Spitzengespräch zwischen Union und SPD zeichnet sich keine Lösung der K-Frage ab. Über den Inhalt der Vierer-Runde drang bis zum späten Abend nichts nach außen. Frühestens am Sonntag wollen beide Lager ihr Schweigegelübte brechen. Dabei wird offenbar längst über den Preis für einen Schröder-Rückzug beraten.

HB BERLIN. In der Union soll demnach im Gespräch sein, dass die SPD als Gegenleistung für den Verzicht Gerhard Schröders gleich sieben Ministerien erhalten könnte. Dies erfuhr das Handelsblatt (Freitagausgabe) aus Unionskreisen. "Ich hätte kein Problem damit, der SPD in einem Kabinett Merkel den ein oder anderen zusätzlichen Minister- oder Staatssekretärsposten zuzubilligen", sagte auch Unions-Fraktionsvize Wolfgang Zöller der Zeitung. Die Union würde sich demnach mit nur fünf Ministerposten zufrieden geben.

Auch in der SPD-Spitze wird eine Wahl von CDU-Chefin Angela Merkel zur Kanzlerin trotz verbreiteten Unbehagens in der Partei nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. Teilnehmern zufolge war Fraktionsvize Ludwig Stiegler in der Vorstandssitzung am Montag mit seiner Position isoliert, wonach für ihn eine Wahl Merkels nicht in Frage kommt. Stiegler habe für diese mehrfach geäußerte Position, die er in der Sitzung vorgetragen habe, von anderen Führungsmitgliedern Contra bekommen, berichteten Teilnehmer, ohne Details zu nennen.

Angela Merkel rechnet jedoch nicht vor Sonntag mit einem Ergebnis der Spitzengespräche von Union und SPD über die Kanzlerfrage. Dies sagte sie am Donnerstag nach einer Sitzung der CDU-Spitze in Berlin. "Wir brauchen uns unter keinerlei Zeitdruck zu setzen." Für Montag seien sowohl das Präsidium als auch der Bundesvorstands der CDU einberufen worden. Merkel forderte von der SPD zudem erneut ein "ganz klares Bekenntnis", ihre Kanzlerschaft anzuerkennen.

Das Spitzengespräch zwischen Union und Sozialdemokraten, das heute in der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin begann, soll nach den Worten von SPD-Chef Franz Müntefering Klarheit in der Kanzlerfrage bringen. "Es soll in diesem Spitzengespräch versucht werden zu erreichen, dass auch diese Frage definitiv beantwortet wird", sagte Müntefering. Auch sollten "fixierte Ergebnisse" über die Arbeitsweise und den Zuschnitt der künftigen Regierung vereinbart werden. Der Parteichef bekräftigte zugleich das Ziel der SPD, dass Kanzler Gerhard Schröder an der Spitze einer großen Koalition stehen solle.

Müntefering betonte wie Merkel, für die Spitzenrunde zur Klärung der Personalfragen hätten beide Seiten bis Sonntagabend oder sogar Sonntagnacht Zeit. Ziel sei es zu prüfen, ob die Voraussetzungen für Koalitionsgespräche vorlägen. Am Montagmorgen wollten die Teilnehmer dann das Ergebnis des Spitzengesprächs berichten. Dazu seien erneut Gremiensitzungen anberaumt.

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