Erste Streiks
Metaller warnen Arbeitgeber

Mit ersten Warnstreiks haben die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie den Druck auf die Arbeitgeber verstärkt. Kurz nach Mitternacht kam es mit Ablauf der Friedenspflicht am Sonntag in mehreren Bundesländern zu ersten Arbeitsniederlegungen. Sie sollen der Auftakt für eine große Warnstreikwelle in dieser Woche sein.

dpa-afx HAMBURG. Die IG Metall droht mit "harten und heftigen Auseinandersetzungen". Der Höhepunkt soll am Mittwoch erreicht werden, denn am Donnerstag (3. Mai) ist im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg die fünfte Verhandlungsrunde angesetzt. Gewerkschafter und Arbeitgeber erhoffen sich dann einen Durchbruch in der laufenden Tarifauseinandersetzung.

Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Geld für die bundesweit rund 3,4 Mill. Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie. Die Arbeitgeber bieten indes bisher 2,5 Prozent mehr Entgelt und einen Konjunkturbonus von 0,5 Prozent. Über einen befristeten Konjunkturbonus werde die Gewerkschaft nicht verhandeln, bekräftigte IG-Metall-Chef Jürgen Peters in der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag). "Bevor wir über die Sahne reden, müssen wir uns erst über den Kuchen, also die dauerhafte Lohnerhöhung, einig werden", sagte Baden- Würtembergs IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann, in der "Welt" (Montag). Die IG Metall will der Zeitung zufolge verstärkt über die Laufzeit des Tarifvertrags verhandeln, das könnte eine Schlüsselrolle spielen.

Am frühen Sonntagmorgen traten nach Angaben der IG Metall etliche hundert Beschäftigte zeitweise in den Ausstand. In Niedersachsen legten um Punkt 0.01 Uhr am Sonntag rund 230 Beschäftigte des Autozulieferers Bosch in Hildesheim und Salzgitter sowie von MAN Nutzfahrzeuge in Salzgitter ihre Arbeit nieder. In Berlin-Spandau traten rund 150 Mitarbeiter des Osram-Werks etwa eine Stunde in einen Warnstreik. Im rheinland-pfälzischen Andernach verlangten kurz nach Mitternacht mehrere hundert Beschäftigte vor den Toren des Weißblechherstellers Rasselstein 6,5 Prozent mehr Geld. Ihre Forderung untermauerten sie mit lauten Pfiffen und Transparenten.

Die bayerische IG Metall stimmte sich mit einer Protestaktion bei MAN Diesel in Augsburg in der Nacht zum Sonntag auf die geplanten Warnstreiks in der kommenden Woche ein. Punkt Mitternacht leuchtete vor den Werkstoren die 6,5-Prozent-Forderung der Gewerkschaft in Form eines Standfeuerwerks auf. Die Friedenspflicht sei bundesweit abgelaufen, sagte Bezirkschef Werner Neugebauer vor 400 Betriebsräten und Vertrauensleuten. "Damit stehen wir vor einer harten und heftigen Auseinandersetzung." Bis Ende der Woche sollen in Bayern in über 100 Betrieben mehr als 100 000 Beschäftigte an Protestaktionen teilnehmen.

In Andernach sagte der IG-Metall-Vize Berthold Huber, wenn die Arbeitgeber kein vernünftiges Angebot vorlegten, werde es "massive, ausgedehnte Warnstreikaktionen" und - wenn es nicht anders gehe - auch einen Arbeitskampf geben. "Die IG Metall ist dann kampfbereit. Sie wird diesen Konflikt dann führen", sagte Huber.

Er bekräftigte, das bislang vorgelegte Angebot sei zu niedrig. "Das ist keine faire Beteiligung und wird der hervorragenden wirtschaftlichen Lage, vor allem in der Metall- und Elektroindustrie, nicht gerecht." Ob es zu einem Arbeitskampf komme, werde sich bis Mitte Mai entscheiden, erklärte Huber am Sonntag. "Selbstverständlich sind wir auch weiterhin zu Verhandlungen bereit", sagte er. "Aber wir wollen eine faire, eine anständige Lösung."

Für den Verlauf der kommenden Woche droht die IG Metall auch im Südwesten mit einer massiven Ausweitung. "In mehr als 400 Betrieben allein im Südwesten wird es Aktionen geben", sagte der dortige IG- Metall-Bezirksleiter, Jörg Hofmann, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Dennoch sagte er optimistisch der "Welt": "Wir suchen am kommenden Donnerstag nach einer letzten Lösung in freien Verhandlungen, und ich glaube, wir können sie finden."

Hofmann schlug vor, über die Dauer des Tarifvertrags zu verhandeln. Dies hatte auch Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser angeregt, der jüngst einen zweistufigen Tarifvertrag mit 18 Monaten Laufzeit vorgeschlagen hatte. Hofmann bekräftigte die Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn, sagte aber zugleich, "wir können uns aber über eine Laufzeit von unter 19 Monaten unterhalten". "Einen Abschluss von beispielsweise 18 Monaten muss man deshalb - so denke ich - in zwei Zahlen teilen."

Kannegiesser warnte unterdessen eindringlich vor einem Arbeitskampf. "In der derzeitigen konjunkturellen Lage würden Streiks viele Betriebe der Metall- und Elektroindustrie erheblich treffen", sagte Kannegiesser der dpa. Es bestehe die Gefahr, dass Kundenbeziehungen beschädigt und die Auswirkungen auf alle zurückfielen. Er forderte erneut eine schnelle Einigung.

SPD-Chef Kurt Beck rechnet trotz der Warnstreiks mit einer Lösung am Verhandlungstisch. "Ich bin überzeugt, dass sich bei Metall beide Seiten ihrer Verantwortung bewusst sind und setze darauf, dass eine Lösung am Verhandlungstisch gefunden wird", sagte er der "Bild am Sonntag". Er forderte in der Metall-Industrie "angemessene Lohnsteigerungen" und mit Blick auf den 1. Mai die Beteiligung aller Arbeitnehmer am Aufschwung.

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