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Erster Oberpirat : „Piraten sind nicht von einer einzelnen Wahl abhängig“

Christof Leng war der erste Parteichef. Im Interview spricht er über die Bedeutung der Piraten, beklagt eine verbissene Basiskultur und schlägt einen Musiker und einen Anwalt als neue Aushängeschilder der Partei vor.

Christof Leng leitete die Gründungsversammlung der Piratenpartei. Quelle: TU Darmstadt
Christof Leng leitete die Gründungsversammlung der Piratenpartei. Quelle: TU Darmstadt

DüsseldorfChristof Leng ist ein Pirat der ersten Stunde. Der Informatiker leitete die Gründungsversammlung der Partei am 10. September 2006. Dort wurde er auch zum ersten Bundesvorsitzenden gewählt. Im Jahr darauf löste ihn Jens Seipenbusch als Parteichef ab. Zurzeit beobachtet der 38-Jährige, der Vizepräsident der deutschen Gesellschaft für Informatik ist, die Arbeit seiner Parteikollegen aus der Ferne – in Kalifornien arbeitet Leng derzeit als Gastwissenschaftler am International Computer Science Institute in Berkeley.

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Handelsblatt Online: Am 10. September 2006 wurden Sie zum ersten Bundesvorstandsvorsitzenden der gerade neu gegründeten Piratenpartei gewählt. Wie haben Sie die Anfänge erlebt?

Christof Leng: Wir waren damals vollkommen damit beschäftigt, die Strukturen aufzubauen und neue Mitglieder zu integrieren. Aufgrund der überschaubaren Größe von einigen hundert Mitgliedern konnte man recht flexibel agieren, hatte aber andererseits längst nicht die heutigen Möglichkeiten.

Wie sehen Sie die Piratenpartei heute, was hat seit ihrer Zeit als Bundesvorsitzender geändert?
Die Piratenpartei hat ja, gemessen an den Mitgliederzahlen, längst die Gefilde der Splitterparteien verlassen und sich nahe an die etablierten Parteien heran gearbeitet. Das zeigt sich zum Beispiel an der kontinuierlichen Themenerweiterung, beispielsweise in Richtung moderner Sozialpolitik. Das ist eine bemerkenswerte Basis für die Zukunft und war zur Parteigründung in dieser Form überhaupt nicht abzusehen.

Parteitag der Piraten Bundestag rückt in weite Ferne

Die Piraten präsentieren sich als Partei der Streithansel. Das muss sich ändern. Im Wahlkampf brauchen sie neue Themen und prominente Gesichter, die dafür stehen. Doch die Basis stutzt die Führung regelmäßig zurück.

Parteitag der Piraten: Bundestag rückt in weite Ferne

Vor einem Jahr lagen die Umfragewerte konstant im zweistelligen Bereich, die Piraten zogen souverän in den Düsseldorfer Landtag ein – und nun dümpelt die Partei bei zwei, drei Prozent. Was ist zuletzt schief gelaufen?

Das Zusammenspiel mit den Medien funktioniert nicht besonders gut. Manche Piraten sind nicht besonders gut darin, die Ziele und Inhalte der Partei zu kommunizieren, und manche Journalisten interessieren sich mehr für nebensächliche Skandälchen als für die Sacharbeit. Mich stört vor allen Dingen der verschobene Fokus der Partei in der öffentlichen Wahrnehmung. Die verbissene Basiskultur lenkt unnötig von den traditionellen Kernanliegen digitalisierter Gesellschaft und offener Kultur ab.

Wie meinen Sie mit verbissen, sind die Piraten zu ideologisch?

Nein, vielleicht manchmal ein bisschen übereifrig. Das wird sich mit wachsender Routine sicherlich noch abschleifen. Kurzfristig ist das hilfreich, langfristig führt es aber vermutlich zur üblichen strukturellen Erstarrung. Persönlich bin ich ohnehin mehr an Sachthemen als an Verfahrensfragen interessiert.

Was hat Sie an der Piratenpartei überrascht?

Dass die Piraten auch abseits ihr ursprünglichen Themen sich mit großen Mehrheiten auf wegweisende Forderungen einigen konnten. Und das wir auch gestandene Politikveteranen wie die ehemalige Grünen-Vorsitzende Angelika Beer für uns gewinnen konnten.

  • 12.05.2013, 01:43 UhrRevolucion

    Was soll dieses Interview anders bezwecken, als die Piraten hoch zuschreiben.

    Denen wird wieder eine Plattform gegeben, um ihre überflüssigen Schwachsinnsforderungen zu verbreiten.

    Das Interview im Handelsblatt verleiht ihnen Seriosität, wie sie ihren parteipolitischen Positionen fehlt.

  • 10.05.2013, 14:14 UhrTabu

    wir konnten auch gestandene Politikveteranen wie die ehemalige Grünen-Vorsitzende Angelika Beer für uns gewinnen.
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    Angelika Beer ein Gewinn..prust
    Der Stern nannte sie den Rudolf Scharping der Grünen.
    http://www.stern.de/politik/deutschland/angelika-beer-ui-puh-nee-ja-nun-ui-iiih-511009.html
    Zahlt sie denn noch ihre Mitgliedsbeiträge,oder
    muß sie wie unterdessen 2/3 nach dem ersten
    pubertärem Hype angemahnt werden.



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