Erstes Düsseldorfer Terrassengespräch
„Zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben“

Wohin steuert Deutschlands Wirtschaft? Darüber diskutierten die Experten Clemens Fuest und Bert Rürup. Was ein Grexit bedeuten würde und warum Deutschland nicht mehr lange auf einer „politischen Wohlfühlwelle surft“.
  • 7

DüsseldorfDie Dachterrasse im fünften Stock der Verlagsgruppe Handelsblatt ist wahrscheinlich eine der schönsten Plätze in der ganzen Stadt. Davon sind zumindest die Mitarbeiter des Hauses überzeugt. Eine immerhin 250 Quadratmeter große Oase, die mehr an Urlaub als an Arbeit erinnert, inmitten der Innenstadt. Und den wollten Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart und Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs mit gut 100 Gästen beim ersten Düsseldorfer Terrassengespräch teilen. Doch leider spielte das Wetter nicht mit. „Das Wort Terrasse hat im Rheinländischen zwei Bedeutungen, die zweite heißt Foyer“, witzelte Steingart bei der Begrüßung in eben jenem Eingangsbereich.

Doch der neue Ort tat dem Terrassengespräch keinen Abbruch. Das Foyer war in eine Art Lounge mit weißen Sesseln und Hocker umfunktioniert und auf der Bühne nahmen – gemeinsam mit Chefredakteur Jakobs – zwei renommierte Professoren Platz: Clemens Fuest, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), und Bert Rürup, ehemaliger Vorsitzender der Wirtschaftsweisen und Präsident des Handelsblatt Research Institutes. Ihr Thema: Wohin steuert Deutschlands Wirtschaft?

Schnell war klar, dass Deutschlands Schicksal eng mit dem der Europäischen Union und vor allem der Eurozone zusammenhängt. Und so drehten sich weite Teile der angeregten, mitunter auch kontroversen Diskussion um Griechenland, dessen Rettung und den noch immer drohenden Austritt des Landes aus der Eurozone.

Brauchen wir einen Grexit“, wollte Jakobs wissen. Fuest gab sich überzeugt, dass ein Grexit „aus wirtschaftlicher Sicht die bessere Alternative“ wäre. Griechenland habe nur eine Chance, wenn es sich an seine wirtschaftlichen Gegebenheiten anpassen könne. Also: Löhne runter, Produktionskosten runter, Währung abwerten. „Im Euro können die Griechen nur bleiben, wenn die geforderten und teilweise schon beschlossenen Reformen auch wirklich durchgeführt werden“, sagte der ZEW-Präsident. Doch er bezweifelt, dass das wirklich passiert. Der Vertrauensverlust sei hoch: „Wir geben Griechenland zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben.“

Doch Rürup meldete Zweifel an. „Wir Ökonomen wissen doch gar nicht, ob der Grexit wirklich die bessere Lösung ist“, sagte er. „Da müssen wir fehlendes Wissen durch Meinungsstärke ersetzen.“ Die ganze Diskussion darüber sei falsch. „Einen Grexit macht man, aber man redet nicht darüber. Wenn wir ständig darüber reden, dann investiert niemand mehr in Griechenland.“

Seite 1:

„Zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben“

Seite 2:

„Wir sind gedopt vom billigen Geld der Notenbank“

Kommentare zu " Erstes Düsseldorfer Terrassengespräch: „Zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Frage an die Redaktion:
    "Hat es einen besonderen Grund die Fortsetzung der Düsseldofer Terrassengespräche als 'Premium' hier einzustellen?"
    Ich habe festgestellt, dass in Premium Artikeln keine Kommentare erscheinen obwohl diese möglich wären.

  • Naja, ob diese zei nund wirklich solche Top-Ökonomen sind, da bestehen doch bei mir Zweifel
    Inzwischen hat Deutschland so viele Top-Ökonomen und Experten, dass man damit die Straßen flastern könnte.
    Jeder VWLer der mal einen schlauen Satz sagt, ist sofort ein Experte

  • @ Paul Rimmele,
    "...und die demographische
    Delle kann man durchaus auch unter einem anderen Blickwinkel und als Segen betrachten."
    Die "Delle" ist das Ergebnis eines betrügerischen Raubzuges gegen einen Teil der Bürger durch die Politik. Diesen Betrug kann man "natürlich" unter einem anderen Blickwinkel als Segen (für die Nichtbetroffenen) bewerten.
    Details s. gerne www.seniorenaufstand.de mit Zahlen aus offiziellen Quellen (sind angegeben) und betreffen keineswegs NUR Senioren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%