Erstes Halbjahr
Krankenkassen schreiben rote Zahlen

Trotz des milliardenschweren Tabaksteuerzuschusses dürften die Krankenkassen das erste Halbjahr mit einem Defizit abgeschlossen haben. Dies deuten erste Zwischenergebnisse an, die dem Handelsblatt vorliegen.

BERLIN. „Die Ausgaben wuchsen deutlich stärker als die Einnahmen“, hieß es am gestrigen Dienstag bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK). Die Techniker-Krankenkasse (TK) erwartet auch für das Gesamtjahr rote Zahlen. „Der Finanzdruck baut sich auf“, sagte IKK-Vorstand Gernot Kiefer.

Die Krankenkassen und die Bundesregierung liegen derzeit im Clinch. Das Gesundheitsministerium lässt sich über den aktuellen Schuldenstand informieren und zweifelt Berechnungen der Kassen an, denen zufolge der durchschnittliche Beitragssatz von 14,2 Prozent im nächsten Jahr auf 15,2 Prozent steigen dürfte. Ministerin Ulla Schmidt (SPD) hält eine Anhebung um 0,5 Punkte für ausreichend. Deshalb kommt dem Halbjahresergebnis politische Bedeutung zu.

Die TK als drittgrößte Ersatzkasse hat in den ersten sechs Monaten einen Verlust von 127 Mill. Euro eingefahren. Im Vorjahreszeitraum war ein Überschuss von 31 Mill. Euro erwirtschaftet worden. Grund für das aktuelle Defizit ist ein Anstieg der Leistungen je Mitglied um 3,1 Prozent bei praktisch stagnierenden Einnahmen (minus 0,1 Prozent). Zwar konnte die Techniker ihr im ersten Quartal eingefahrenes Defizit von 181 Mill. Euro reduzieren. Doch schlägt sich in den besseren Zahlen des zweiten Quartals vor allem die Überweisung des Bundeszuschusses nieder.

Die Krankenkassen erhalten in diesem Jahr letztmalig 4,2 Mrd. Euro aus der Tabaksteuer. Der Zuschuss wurde zur Hälfte im Mai überwiesen. Die zweite Tranche fließt im November. Im kommenden Jahr wird der Zuschuss auf 1,7 Mrd. Euro reduziert.

Die Innungskrankenkassen (IKK) konnten das erste Halbjahr zwar mit einem leichten Überschuss von 55 bis 60 Mill. Euro abschließen. Doch flachte sich der Trend im zweiten Vierteljahr deutlich ab: „Ohne die Tabaksteuer wird es eng“, sagte Vorstand Kiefer. Beim AOK-Bundesverband erwartet man für das erste Halbjahr ein Defizit. Die KKH hatte Dienstag ein Minus von zehn Mill. Euro gemeldet. Die übrigen Kassen wollen ihre Zahlen bis Ende der Woche vorlegen.

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