Erwartete Belebung der Wohnungsbau-Konjunktur
Bauindustrie lobt Wohn-Riester

Die Bauwirtschaft erwartet, dass die Förderung von Wohneigentum als Altersvorsorgeprodukt die Wohnungsbau-Konjunktur beleben wird. Die Branchenverbände und die Immobilienwirtschaft wollen aber während der Beratungen des Eigenheimrentengesetzes („Wohn-Riester“) im Bundestag weitere Verbesserungen zu ihren Gunsten erreichen.

BERLIN. Als Kompensation für die seit 2006 für Neufälle abgeschaffte Eigenheimzulage wirke der Wohn-Riester nicht, bemängeln fünf Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft – vom Handwerk über DIHK und BDI bis zum Handel – in ihren Stellungnahmen zum Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums. Das Kabinett will den Entwurf am 7. April beschließen, der Bundestag soll das Gesetz bis zur Sommerpause verabschieden. Die Versicherungen und die Fondsbranche lehnen den Wohn-Riester weiter ab.

Union und SPD hatten sich nach zweieinhalb Jahren Verhandlungen darauf verständigt, wie die Eigenheimförderung in die Riesterrente eingebaut werden kann. Die staatlich geförderten Sparbeiträge sollen künftig auch für den Kauf einer selbst genutzten Wohnung oder die Tilgung des Darlehens eingesetzt werden können. Das geförderte Vermögen wird auf einem fiktiven Wohnförderkonto plus zwei Prozent Zinsen festgehalten.

Wie bei anderen Riester-Verträgen muss das Ersparte bei Renteneintritt versteuert werden: Entweder über 17 bis 23 Jahre, oder auf einen Schlag: Dann würden 30 Prozent erlassen. Wird das Eigenheim jedoch innerhalb der ersten zehn Jahre nach Renteneintritt verkauft, muss der doppelte Betrag des Wohnförderkontos versteuert werden. Diese „Strafsteuer“ stößt bei der Immobilienwirtschaft auf heftige Ablehnung: Sie sei viel zu hoch.

„Wir halten die Förderung aus Gründen der Gleichbehandlung der Wohnimmobilie generell für notwendig“, sagte ein Sprecher des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. „Viele Familien können nämlich nicht gleichzeitig einen Riester-Sparvertrag und Wohneigentum finanzieren.“ Dies habe neben dem Wegfall der Eigenheimzulage und höherer Mobilität derjenigen, die sich ohne Förderung Wohneigentum leisten können, zum Einbruch beim Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern beigetragen. Darunter leide besonders das arbeitsintensive Bauhandwerk.

Ob die Zahl der Neubauten jemals wieder den Stand der 1990er-Jahre erreicht, ist allerdings auch in der Baubranche umstritten: Die demografische Entwicklung in Deutschland spreche dafür, dass künftig Wohneigentum eher gekauft als neu gebaut werde. „Für den Wohnungsbau brauchen wir daher ein neues umfassendes Förderkonzept“, forderte Matthias Lefarth vom Handwerksverband ZDH. Und weil Arbeitnehmer heute sehr viel öfter berufsbedingt umziehen, verlangen die Wirtschaftsverbände, dass auch vermietete Wohnungen gefördert werden. Das allerdings lehnt die SPD, die dem Wohn-Riester ohnehin skeptisch gegenüber steht, strikt ab.

Die Anbieter von Riester-Sparverträgen und Versicherungen halten die Vermischung von Altersvorsorge und Wohneigentumsförderung grundsätzlich für den falschen Weg. „Beim Immobilienerwerb fließen im Alter keine sicheren Leistungen“, kritisiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherer. Allenfalls werde Miete gespart, es gebe aber immer das Risiko teurer Reparaturen. Der Wohn-Riester sei zudem gegenüber heutigen Sparverträgen privilegiert: Anders als die Riester-Rente, die mit dem Tod endet, kann Wohneigentum vererbt werden.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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