Erzieher-Mangel

Ungelernte sollen in Kitas aushelfen

Ab dem nächsten Jahr haben Eltern ein Recht auf einen Kita-Platz. Doch vielerorts fehlen die Erzieher. Städte und Gemeinden erwägen, ungelernte Hilfskräfte einzusetzen. Eine Katastrophe, meint der Kinderschutzbund.
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Frühstücken in der Kita: Vielerorts fehlt es an ausgebildeten Erziehern. Quelle: dpa

Frühstücken in der Kita: Vielerorts fehlt es an ausgebildeten Erziehern.

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EssenWegen des Mangels an Erziehern in Kitas erwägen die Kommunen übergangsweise auch ungelernte Kräfte einzusetzen. Der Präsident des Städte- und Gemeindebundes, Roland Schäfer, schlug in den Zeitungen der WAZ-Gruppe vor, „vorübergehend auch Hilfskräfte im Sozialen Jahr oder aus dem Bundesfreiwilligendienst zu beschäftigen“. Hintergrund ist der ab dem Kindergartenjahr 2013/14 geltende Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Schäfer äußerte die Erwartung, dass es danach „eine Übergangsphase von ein bis zwei Jahren" geben werde, die mit Ungelernten überbrückt werden könne.

Scharfe Kritik an dem Vorschlag kam vom Kinderschutzbund. Dies sei „ein katastrophaler Vorschlag, der zulasten der Kinder geht“, sagte Verbandspräsident Heinz Hilgers ebenfalls den Zeitungen der WAZ-Gruppe. Zurückhaltender äußerte sich der Präsident des Kinderhilfswerks, Thomas Krüger: „Für eine Übergangszeit wird man punktuell mit Provisorien leben können“, sagte er der WAZ-Gruppe. Der Einsatz von Hilfskräften dürfe aber nicht "Einstieg in eine Verschlechterung der Standards" sein.

Allein in Nordrhein-Westfalen fehlen den Zeitungen der WAZ-Gruppe zufolge immer noch 27.000 Kita-Plätze für Unter-Dreijährige, gemessen am durchschnittlichen Bedarf. Tatsächlich liege die Nachfrage in Großstädten aber deutlich höher als in ländlichen Gemeinden. „Um allen Eltern, die einen Platz brauchen, ein Angebot zu machen, müsste der Bund rund drei Milliarden Euro zusätzlich ausgeben“, verlangte daher Schäfer. Tatsächlich gibt es im Familienministerium nach Medienberichten Überlegungen, die Mittel für den Kita-Ausbau noch einmal um mehrere hundert Millionen Euro aufzustocken - auch um Gegner des umstrittenen Betreuungsgeldes zu beschwichtigen.

Die Bundesregierung hatte zuletzt angekündigt, den ins Stocken geratenen Kita-Ausbau mit einem Zehn-Punkte-Programm vorantreiben zu wollen. Angedacht sind unter anderem Subventionen für Betriebskindergärten, Hilfen bei Umschulung und Weiterbildung von Erzieherinnen und Tagesmüttern und auch eine befristete Absenkung von Baustandards. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) soll das Kita-Programm bis Ende Mai zusammen mit dem Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld für daheim erziehende Eltern vorlegen.

Mit den Ländern ist vereinbart, dass ab 2013 für 35 bis 40 Prozent der unter Dreijährigen Betreuungsangebote zur Verfügung stehen sollen. Während in den östlichen Bundesländern diese Quoten mit 44 bis 56 Prozent längst übererfüllt sind, hinkt der Westen hinterher.

  • afp
  • dpa
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12 Kommentare zu "Erzieher-Mangel: Kommunen wollen Ungelernte in Kitas einsetzen"

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  • Hallo so kann ja auch nur jemand schreiben, der keine Ahnung hat.Vielleicht sollten sie mal 1 Woche in einer Kita arbeiten dann würden sie nicht so ein Mist schreiben.Sie lassen ihr Auto ja auch nicht vom Bäcker reparieren.Vielleicht könnten die anderen die keine Kinder BESPASSEN wollen ihren Job mal eben so nebenher machen oder unsere Kinder unterrichten oder Herzen verpflanzen.Mal Infos einholen was eine Erzieherin für Aufgaben hat.

  • 1)Man muß nicht aus allem eine Wissenschaft machen. Kinder brauche Aufmerksamkeit und Ablenkung. Wer geduldig und herzlich ist, kann mit Kindern umgehen. Da brauche ich kein Pädagigikstudium.

    2)Und es werden bestimmt auch nicht ausschließlich Laien angestellt/beschätigt.

    Fazit: Die Kirche mal im Dorf lassen und bei dem Thema den Puls wieder runterbringen.

  • @Margritt

    diese Schülerinnen wollen nachher größtenteils Frühpädagogik studieren, deshalb machen sie ein kombiniertes Abitur mit Erzieherausbildung. Das ist der Hintergrund.

    Frühpädagogik ist in vielen Ländern grundsätzlich ein Studium.

  • im Bereich Frühpädagogik hat Deutschland zusammen mit Malta die niedrigsten Standards in Europa und das schon jetzt. In DE gibt es eine Tendenz in der Bildung alles immer nach unten anzupassen an das niedrigste Vorbildungsniveau, deshalb hat man Krankenpflege das Eingangsniveau auch wieder auf Hauptschulabschluss festgelegt, also nach 9 Jahren Schulbildung. Im Ausland passt man alles ans längere Vorbildungsniveau mit den gestiegenen Ansprüchen nach oben an, nämlich an das Abitur/12-13 Jahre Schulbildung und dem entsprechend ist es ein Studium mit mehr Theorie und erweiterten Kompetenzen.

    es war eigentlich geplant, dass die KITA ja mehr Bildung bieten sollte, z.B. naturwissenschaftliche Experimente, Sprachförderung, Diagnose motorischer oder von Verhaltensproblemen etc.... wie soll das mit Ungelernten gehen? In den meisten OECD Ländern ist das ein Studium der Frühpädagogik, wo genau solche Dinge mit vollzogen werden.

    in DE werden wohl nachher EinEuroJobber und Minijobber ohne Qualifikation rekrutiert werden, wie da Bildung und Diagnose stattfinden sollen bleibt ein Geheimnis.

    die HartzIV-Mütter, die man hier also belächelt, denen man Bildungsschwäche vorwirft und die deshalb ihre Kinder zusammen mit Migrantenkindern unbedingt in die KITA senden sollen zwecks Bildung werden also dort nachher ihre eigenen Kinder betreuen.

    Sprachförderung kann dort nur stattfinden, wenn sich die Mütter intensiv mit dem Medium Sprache auseinandersetzen und wissen wie man z.B. Sprachdefizite erkennt und kompensiert.

    eine pädagogische Fachkraft sollte natürlich mehr können als die Eltern - es geht um Diagnose, Mithilfe bei der Therapie, Kenntnisse von Pädagogik und Entwicklungspsychologie. Schließlich sind dort viele Kinder mit ganz unterschiedlichen Hintergrund. Angeblich ist jeder 4. Grundschüler mittlerweile auffällig im Verhalten oder hat z.B. motorische Defizite.

    DE versteht es grandios alles immer nach unten anzupassen: an die Hauptschule.

  • ging da was an mir vorbei?
    Wie konnten eigentlich all die Mütter, früher, Ihre Kinder erziehen, waren ja alle "ungelernt"!
    Und in der Regel, ist aus diesen Kinder sogar etwas anständiges geworden.
    Man sollte, bei einigen Tätigkeiten, nicht nur auf die Ausbildung achten, sondern mal den gesunden Menschenverstand einschalten!
    Aber dieser scheint immer mehr Politikern abhanden zu kommen.

  • Ich kann mich dunkel daran erinnern, daß diese Kitas als Fortschritt für die kinder gepriesen worden sind. Ja, daß die Erziehung durch die eigenen Mütter deutlich schlechter sein solle als das, was die Kitas leisten können.
    Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man über diesen neuerlichen Treppenwitz herzhaft lachen.

    Für die Kinder wird diese Betreuung bestenfalls Langzeitschäden hervorrufen. Aber das läßt sich mit höheren Mengen Ritalin und psychologischer Betreuung wieder korrigieren. Nur die sozialen Fähigkeiten, die werden für alle Zeiten fehlen.

  • meine Tante war Leiterin bei der AWO..eine Kollegin,
    Kinderkrankenschwester,eine andere Türkin für die
    Übersetzung und der Betreuung zuständig..Alle drei
    wurden wegen Nichtigkeiten,nach 25 jähriger Tätigkeit
    regelrecht rausgemobbt.Man hatte im Zuge der Wiedervereinigung zwei 19 j.junge DDRlerinnen eingestellt.
    Für billich..Die zwei meldeten nun jeden Pippifax nach oben.Zehn min.Mittagspause überzogen,wegen Privateinkaufs,
    zwischendurch Arzttermin wahrgenommen.(die türkische Kollegin war gerade an Krebs erkrankt) ..lange Rede kurzer
    Sinn,es kam zu Entlassungen von allen dreien.
    Vor dem Arbeitsgericht,hatten sie das Recht auf ihrer Seite,es kam zu lächerlichen Abfindungen aber nicht wieder zur Neueinstellung.Alle drei waren Mitte 40 und in der letzten zur erreichenden Gehaltsgruppe,ohne jemals wieder
    in diesem Bereich eine Anstellung zu finden,es sei denn mit jeder Menge Abstrichen.
    So erging zu der Zeit vielen.Zwei zu einem Preis,war die
    Devise...Kinder brauchen auch Mutterersatz in diesen Einrichtungen..Auch ungelernten.Es geht um diese Erfahrung,
    der Fürsorge,der Verantwortung nichts drüber.Auch in Altenheime,sollten es stabile ältere sein,die eine Betreuungsaufgabe wahrnehmen könnten.
    Da ist mehr Verlaß drauf,das die Hilfbedürftigen auch
    ausreichend zu trinken bekommen und sich nicht wund liegen,
    was erschreckender Weise Usus ist.

  • Als erstes mal die ganzen Arbeitsämter, ARGEN, Leiharbeitsunternehmen, Callcenter etc. durchforsten.
    Wir haben nämlich arbeitslose Erzieherinnen, die keinen Job finden, weil nämlich Kirchen und Gemeinden nicht einstellen und sich in berufsfremden Arbeiten tummeln müssen
    Seit der Reform des Arbeitsamtes durch Rot-Grünm sind Arbeitslose berufsbezogen gar nicht mehr wirklich zu erfassen, denn so wie Arbeitslose beim Amt reinkommen, reichen die sofort weiter an o. g. Unternehmen
    Außerdem wird es Zeit, dass die Qualität der Erzieherinnen endlich verbessert wird, was da heute so rumläuft, ist auch z. T. nicht 1. Wahl.
    Schnellausbildung in Berufsvolleges für Realschüler die das Gymn. nicht geschafft haben. Da lernt man dann in zwei Jahren Erzieherin udn Fach-Abi.
    Also nichts Halbes und nichts Ganzes.
    Im übrigen könne für die ganz Kleinen auch besser Kinderpflegerinnen eingestellt werden
    Aber Hilfskräfte? Armes Deutschland.
    heute rächt sich usnere Kuschelpädagogik in de Schulen, die Schüler hervorbringt, die zu nichts merh in der Lage sind und Hartz IV beziehen

  • Man sollte sich vorher mit dem Ausbildungssystem bzw. Förderungssystem beschäftigen, bevor man laut rum schreit das keine Erzieher da sind.

    Wer eine Technische- oder Kaufmännischeberufsausbildung erfolgreich absolviert hat.
    Hat das Hinderniss, dass er erst einen "minderwertigeren" Sozialberuf(z.b. Sozialassis.) für die Ausbildung Erzieher lernen muss. Sprich,die Vorausbildung ist zu 99,9% eine rein schulische Ausbildung was unter die Bäfög-Förderung laufen würde. Problem hierbei, es wäre eine 2. Ausbildung die nicht auf die erste aufbaut und schon fördert das Bäfög-Amt 0 cent. Die ARGE-Fördert nichts, wofür das Bafög zuständig ist. Und schon haben wir das große Problem.

    Wenn sich die Leute nicht von Anfang an in einen Sozialenberuf ausbilden lassen, gibt es kaum eine Chance das irgend jemand in diese Richtung gehen kann.

  • 20 fremde Kinder zu betreuen ist eine andere Wiese, als zwei eigene!

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