Erziehermangel in der Kita

Arbeitslose sind „letzte Reserve an der Front“

Der Fachkräftemangel macht sich besonders in den Kindertagestätten bemerkbar. Sozialökonomen beziffern den aktuellen Bedarf auf mehr als 25.000 Erzieher – und sehen für das Kita-Versprechen der Bundesregierung schwarz.
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Ein Erzieher liest in einer Kita vor. Quelle: dpa

Ein Erzieher liest in einer Kita vor.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/NürnbergAb Sommer 2013 kann jede Mutter und jeder Vater ihr Kind zur Kita bringen und sorgenfrei zur Arbeit fahren – so zumindest der Plan der Bundesregierung. Denn ab diesem Zeitpunkt besteht der verbindlicher Rechtsanspruch für einen Kitaplatz für jedes Kind im Alter von Eins bis Drei. Doch die Realität sieht anders aus – der Fachkräftemangel in Bereich Erziehung ist verheerend. Sozialökonomen gehen davon aus, dass in Deutschland bereits jetzt weit über 25.000 Erzieher fehlen – und sogar noch deutlich mehr Tagesmütter.

Die Bundesagentur für Arbeit will mit einem Umschulungsprogramm gegen diesen Notstand vorgehen. „Unter den Arbeitslosen haben wir etwa 800.000 Menschen, die zumindest die schulischen Voraussetzungen dafür erfüllen“, sagte das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA), Heinrich Alt. „Durch intensive Beratung können wir vielleicht rund 5000 Arbeitslose für den Beruf der Erzieherin oder des Erziehers gewinnen“, fügte Alt hinzu.

Experten bezweifeln jedoch, dass die Qualität der Schulungsmaßnahmen mit der umfassenden Ausbildung der Erzieher mithalten kann. Angesichts des Fachkräftemangels werfe man jetzt „die letzte Reserve an die Front“, sagte Sozialökonom Stefan Sell, Professor an der FH Koblenz, dem Deutschlandfunk. Man könne nicht einfach die Ausbildungszeit verkürzen und dabei die gleiche Qualität aufrechterhalten.

Zudem stellt die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Beweggründe des neuen Personals in Frage. „Gerade der Beruf der Erzieherin erfordert eine hohe innere Motivation“, sagte Jochen Nagel, Vorsitzender der GEW Hessen, dem ZDF. Die pädagogische Arbeit mit Kindern erfordere ein starkes Bewusstsein darüber, dass man den Beruf auch wirklich ergreifen will. Druck vom Arbeitsamt sei da nicht zielführend.

Die Arbeitsagentur wolle nur diejenigen für den Erzieher-Job ausbilden, die das ausdrücklich wünschten. Von diesem Angebot seien alle Jobsuchenden angesprochen, nicht nur Langzeitarbeitslose, sagte die Sprecherin der Bundesagentur. Darunter könnten auch ehemalige Beschäftigte der insolventen Drogerie-Kette Schlecker sein. „Wer sich für die Ausbildung entscheidet, hat danach sehr gute Beschäftigungschancen.“

Die Ausbildung zum Erzieher wird an staatlichen Schulen vollzogen und könnte im Herbst beginnen. Voraussetzung dafür ist die Mittlere Reife. Je nach Bundesland dauert die Ausbildung zwischen zwei und drei Jahren, anschließend folgt ein Praxisjahr. Während dieser Zeit erhalten die Auszubildenden weiterhin staatliche Leistungen.

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat die Bundesregierung dennoch vor „Affekthandlungen“ gewarnt. Eilige Umschulungen lösten weder die Personalprobleme noch die Engpässe bei den Betreuungsplätzen in Krippen und Kitas, sagte Kinderhilfswerks-Geschäftsführer Holger Hofmann. Vielmehr müssten die Fortbildungs- und Qualifizierungsprogramme für Erzieherinnen und für die Träger ausgebaut werden, „statt halbgelernte Kräfte in die Kitas zu schicken“. Sonst bestehe die Gefahr, „dass Kindertageseinrichtungen zu reinen Verwahranstalten verkümmern, statt dass die Potenziale der Kinder gefördert werden“, sagte Hofmann weiter.

Doch selbst wenn der Plan der Bundesagentur aufgeht und 5000 zusätzlichen Erzieher ausgebildet werden, bleibt der Fachkräftemangel weiterhin sehr groß. Zumal die neuen Kräfte angesichts der Ausbildungszeit frühesten 2015 in den Beruf einsteigen könnten. Auch trotz der geplanten Anreize für eine häusliche Erziehung – wie dem mindestens ebenso umstrittenen Betreuungsgeld – wird es fast unmöglich, den Rechtsanspruch im nächsten Jahr einlösen zu können. Im Prinzip könne man den Regierungsplan nur retten, wenn die Kitas für unterwertige Beschäftigung – etwas für Bundesfreiwillige – geöffnet werden, sagte Sell dem Deutschlandfunk. Das sei jedoch ein „ ganz schlechter Vorschlag.“

  • dkl
  • dpa
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14 Kommentare zu "Erziehermangel in der Kita: Arbeitslose sind „letzte Reserve an der Front“"

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  • Ich hätte meinen Beruf als Tagesmutter gerne weiter gemacht, nur leider bin ich nicht mehr handzahm genug für das Jugendamt!!!!!!!!
    So ist es dann, dass man vom Amt abeschoben wird und von jetzt auf gleich Arbeitslos ist, innerhalb kurzer Zeit.

    Hier verstehe ich nicht das unsere Regierung, dem Jugendamt immer noch die alleinige Entscheidungsgewalt überlässt und denen nicht Auflagen erlegt. Tagesmütter wären die Alternative für Eltern die in einem KIGA keinen Platz bekommen und in diesem Bereich arbeiten Mütter die selbst Erfahrung mit der Kindererziehung haben und sich intensiver mit den Kindern beschäftigen können. Bei uns in der Gemeinde wurden direkt 3 Tagesmütter vor die Tür gesetzt und der Ablauf des Rausschmiss war lächerlich!

    Da fragt man sich, wo das Jugendamt ihre Pädagogen her hat!
    Und jetzt soll das Arbeitsamt Ausbildungen vor nehmen, um die U3 Plätze zu sichern? Ich möchte nicht wissen, wieviele Personen ohne wenn und aber in die Ausbildungsmaßnahme gesetzt werden!!!!! Aber wir erzielen damit bestimmt qualitativere Erzieherinnen!!!!!!!
    Als eine Tagesmutter die vom Amt raus geschmissen wird und ihren Job mit viel Herz und Spaß gemacht hat.

  • Was soll schlecht daran sein??? Diese Menschen können genauso gut für Kinder sein... Habt ihr mal gesehen was da an angeblichen Erziehern in Kitas rum laufen? Es werden ja schließlich die Menschen nicht wie Monster auf die gehetzt. Die die den Beruf erlernen fangen meist mit viel weniger Erfahrungshintergrung an. Eine Mutter weis weit mehr als ein Erzieher ohne Kind!!! ...

  • ... gelobe ich, Schaden vom Volke abzuwenden. Auswahlkriterien ähneln denen unserer VolksvertreterINnen der politischen Kaste. Letztere mit einem kleinen, aber umso feineren Unterschied, sie werden per Erscheinung bezahlt. Gleichgestellt, ob männlich oder weibich.

  • Jede Person,in der Regel immer noch Mütter,die durch
    die Kinderkrankheiten ihrer eigenen Brut gegangen ist.
    Sich die fiebrigen Nächte voller Sorge um die Ohren schlug,
    sich selber beurlauben oder krank schreiben lassen
    mußte,um anwesend zu sein.Meist den Arbeitsplatz damit
    riskierte,ist in puncto Kinder eine Fachkraft.
    Stellt diese ein und wenn sie Kinder haben,laßt sie diese
    mit in die Betreuung mitnehmen..

  • Und diese KITA-Aufzucht soll für die Kleinkinder eine bessere Förderung bringen als die eigene Mutter zuhause? Geht es noch armseliger? Das ist noch schlimmer als in der ehemaligen DDR.

  • Meine Tochter ist in der Ausbildung, erst Kinderpflegerin, dann Erzieherin.
    Ich verstehe sehr gut warum dieser Mangel da ist, da man kein Lehrgeld bekommt. Ich finde es eine bodenlose Frechheit, dass nun Arbeitslose viel bessere Ausbildungs Möglichkeiten bekommen. Und natürlich auch bezahlt werden.

  • Weil manchen nichts anderes bleibt und wenn man einmal in dieser Mühle ist, ist es unglaublich schwer den wieder zu entkommen gerade weil es oft Hilfskräfte oder gering Qualifizierte sind.
    Um eine höhrer Qualifikation zu erreichen fehlen einfach die finanziellen Mittel und damit schliest der Kreis sich.

    Als junger Mensch habe ich mich auch mit solchen Jobs herumgeschlagen, aber ich habe das große Glück gehabt das mir ein paar Menschen über den Weg gelaufen sind die mir eine Chance zum bweisen gegeben haben und etwas Glück.

    Ist der Kreislauf einmal durchbrochen, und man verdient Geld wo man auch mal etwas Sparen kann und in die eigene Bildung Investieren schaut die Welt ganz anders aus.

    Fakt ist von unten nach oben zu kommen ist kein Spaß wenn nicht unmöglich.

  • „Die erste Reserve“ gibts hier bei mir um die Ecke als Personalserviceagentur, welche Leiharbeitssklaven vermittelt > 7 € brutto die Stunde.
    Icjh verstehe einfach nicht, warum sich die Leiharbeiter/innen nicht gegen dieses System der Ausbeutung wehren. Das ist doch würdelos, unter Wert entlohnt zu werden.
    Arbeit hat keinen finanziellen Wert mehr, wenn sie nicht einer durch den Markt definierten Knappheit unterliegt. Arbeit hat nur noch einen Anerkennungswert, wenn sie der Gesellschaft dient. Wer nicht widerspricht, akzeptiert die gesellschaftlichen Verhältnisse und macht sich mitschuldig an den herrschenden Zuständen!

  • Das ist wieder mal ganz typisch: Kopflose MinisterInnen kreieren ein Gesetz welches von Kopflosen PolitikerInnen durchgewunken wird - und zäumen das Pferd damit von hinten auf!!! Einen gesetzlichen Anspruch auf einen KITA-Platz zu beschliessen ist etwa so wie für Hamburg täglich garantierter Sonnenschein im Juli. Aber damit lässt sich ein Zwang ableiten: Arbeitlose Schlecker MA werden im Crash-Kurs "umgeschult zu "Dummies-ErzieherInnen" und die Zukunft Deutschlands ist gerettet.... Es müsste eine persönliche Haftung eingeführt werden für die ganze Ministerriege der Exkutive in Bund und Ländern, sodass diese Minister für ihre Dummheit persönlich haftbar gemacht werden könnten. Aber Verdummung ist wohl angesagtes Ziel in diesem Staat; denn mit Dummheit lässt sich ein verdummtes Volk besser Ver-führen. Das war vor dem 2.WK genau so!

  • "Erziehermangel in der Kita:
    Arbeitslose sind „letzte Reserve an der Front“"

    Wie lange und in welcher Potenz dummdreister Verlogenheit will uns die Politik eigentlich noch das Märchen vom Fachkräftemangel vorgaukeln?
    Heute "Erziehermangel in der Kita", vor kurzem "Von der Leyen will arbeitslose junge Spanier und Griechen holen", 'Schavan wirbt um Spanier' und so weiter.
    Dieses Drecksgelabere ist nicht mehr zum Übergeben, nein es ist - Verzeihung - ZUM KOTZEN !

    Mit dem Begriff »Facharbeiter-/-kräftemangel« sollen der Bevölkerung die zugeströmten "Kulturbereicherer" und damit die weitere Zerstörung der deutschen Kultur angedreht werden. Es gibt – laut Ministerium – gar keinen »Fachkräftemangel« - nur liegen unsere Fachkräfte auf der Straße und keiner will sie haben. Siehe:
    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/eva-herman-und-jens-romba/arbeitsministerium-gibt-in-brief-zu-es-gibt-keinen-facharbeitermangel.html
    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/jens-romba/fachkraeftemangel-die-guten-liegen-auf-dem-markt-aber-keiner-will-sie-haben.html

    Die Arbeitslosen bzw. Hartz-ler hier kann man mit Drohung von Kürzung "ruhigstellen" (wie lange noch wird sich zeigen, siehe Spanien, Griechenland usw.), und die neu zugereisten kann man mit Billigstlöhnen erpressen. Das ist dann "Soziale Ganovenwirtschaft".

    Mein vor Jahrzehnten verstorbener Vater hat eines immer wieder behauptet: Wenn ein Politiker das Maul aufmacht, lügt er. Damals habe ich meinem Alten Herrn nicht geglaubt, heute schon.

    Wollen diese Volkszertreter bewußt den Explosionspunkt in der Bevölkerung austesten? Man könnte es meinen, denn an ein "Erwachen" kann ich bei denen nicht mehr glauben. Weitere "Nebensächlichkeiten" sind: Geheimdienst-, EnBW-, Meldegesetz-, Fiskalunion-/ESM-Skandal usw. Hoffentlich schließen sich der Strafanzeige gegen alle 2/3-"JA"-Sager genau so viele, oder besser: noch mehr Bürger an wie bei den Klagen gegen den Fiskal-/ESM-Betrug.

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