"Es ist eine verkehrte Welt"
Leysen kritisiert Mitbestimmung in Deutschland

André Leysen, Ehrenvorsitzender des Vorstandes der Gevaert N.V. und früheres Mitglied des Aufsichtsrats zahlreicher großer deutscher Unternehmen, übt vehemente Kritik am deutschen System der Unternehmenskontrolle und der Mitbestimmung.

HB DÜSSELDORF. Die Struktur der Kontrollorgane in Deutschland führe zu vielen Interessenkonflikten, schreibt Leysen im "Handelsblatt" (Mittwochausgabe). Vor allem für die Manager aus der Finanzbranche, die Mitglieder von Aufsichtsräten sind, sei es unmöglich, ihre gegensätzlichen Interessen zu trennen: "Der deutsche Zustand ist im Grunde unhaltbar", schreibt Leysen. Die Ereignisse beim Börsengang der Postbank hätten wieder gezeigt, welch negative Folgen eine unklare Definition und Abgrenzung des Begriffes "Interessenkonflikt" haben kann.

Der belgische Unternehmer, der auch der Führung der Treuhandanstalt angehörte, hält die deutsche Mitbestimmung für eine weitere gravierende Schwäche der hiesigen Unternehmensverfassung. Sie habe zu moralisch unvertretbaren Folgen geführt: "Indem die Mitbestimmung ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretern geschaffen hat, ist sie die Ursache einer möglichen Verfilzung der Interessen beider Sozialpartner." Es sei deshalb nicht verwunderlich, "dass man beiderseits gelegentlich sehr großzügig zueinander ist. Aber die Tatsache, dass alle Vorstandsgehälter, auch die überzogenen, von den Arbeitnehmervertretern im Präsidium gutgeheißen werden, ist bisher niemand aufgefallen. Auch die Feststellung, dass bisweilen große Kapitalvernichter die höchsten Einkommen in Deutschland beziehen, ist nicht mit der ursprünglich gewollten Logik des Systems in Einklang zu bringen", schreibt Leysen weiter.

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