Essay
Der Kampf der Geschlechter

Das traditionelle Bild der Mutter am Herd hat sich längst überlebt. Kinderkrippen sind eine notwendige, sich volkswirtschaftlich höchst lohnende Investition sind.

DÜSSELDORF. Mit Deutschlands Frauen stimmt etwas nicht: Sie wollen nicht mehr dem traditionellen Rollenbild entsprechen. Kinder, Küche, Kirche genügen nicht mehr für ein erfülltes Leben. Sie haben die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis genossen, wollen nun wie ihre Männer Bestätigung durch beruflichen Erfolg erfahren. Das wäre nicht schlimm, würden sie dabei nicht das Kinderkriegen vernachlässigen. Deutschland altert schnell. Bald können wir Renten und soziale Absicherung nicht mehr nach bisherigem Standard finanzieren.

Die Frauen reiben sich auf bei dem Versuch, Karriere, Haushalt und Kinder zu vereinbaren. Um dies zu vermeiden, bekommen sie später, weniger oder gar keine Kinder. Manche stellen ihre beruflichen Ambitionen schweren Herzens zurück, begnügen sich mit minderqualifizierter und schlecht bezahlter Teilzeitarbeit. Unzufrieden sind sie fast alle.

Dafür, dass sie vom Baum der Erkenntnis genascht haben, wurden die deutschen Frauen aus dem Paradies des unbeschwerten Mutter- und Hausfrauenglücks vertrieben. Der katholisch konservative Lösungsansatz ist bestechend klar und einfach: Holt euch Befriedigung in der Ausfüllung eurer angestammten Mutterrolle! Aus dieser Sicht sind die zusätzlichen Krippenplätze, die Familienministerin Ursula von der Leyen anbieten will, genau der falsche Weg.

Gegen diesen Lösungsentwurf muss man nicht einmal einwenden, dass sogar Frauen das Recht haben, über ihren eigenen Lebensentwurf zu entscheiden. Selbst wenn sie es wollten, sie können es nicht mehr wirklich. Mädchen werden heute nur noch in Ausnahmefällen auf ein Leben als Hausfrau und Mutter vorbereitet. Spätestens in der Grundschule beginnt die Vorbereitung auf das Berufsleben. Mehr als die Hälfte der Abiturientinnen sind heute Frauen. Es wäre pervers, Frauen durch Schule und Studium auf einen anspruchsvollen Beruf vorzubereiten, um ihnen dann zu sagen, dass sie ihrer Bestimmung nur gerecht werden, wenn sie sich um möglichst viele eigene Kinder kümmern und ihre Karriere dafür hintanstellen.

Und doch geschieht genau das. Eine verheiratete Frau, die auf eigene Berufstätigkeit verzichtet, erhält dafür vom Staat in Form des Ehegattensplittings, beitragsfreier Mitversicherung und Elterngeld eine Subvention, die in die Zehntausende Euro gehen kann. Will sie dennoch arbeiten und hat kleine Kinder, ist es schwierig und oft teuer, eine Betreuung zu organisieren. Selbst Frauen mit hoher Qualifikation würden nach Abzug entgangener Subventionen und Kosten für Kinderbetreuung zu minimalen Stundenlöhnen arbeiten, wenn sie sich doch dafür entscheiden würden. Im Ergebnis ist die Erwerbsbeteiligung aller verheirateten Frauen in Deutschland niedriger als bei Frauen mit kleinen Kindern in den USA. Gleichzeitig gehört Deutschland bei der Geburtenrate zu den Schlusslichtern.

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