Essay

Die Entseelung der Gefolgschaft

Auf dem Weg der Kanzlerinnenwerdung hat Angela Merkel offenbar den Plan dafür verloren, was sie tun will, wenn sie Kanzlerin ist. Nun ähnelt ihre Ziellosigkeit schon jener des späten Helmut Kohl.
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Helmut Kohl und Angela Merkel: vieles gemeinsam? Quelle: ap

Helmut Kohl und Angela Merkel: vieles gemeinsam?

(Foto: ap)

Ist Angela Merkel eine Heldin? Dafür spricht nicht viel. Dabei hat ein Land es verdient, dass seine Berufspolitiker ein bisschen Heldenmut haben. Man muss nur bei dem Soziologen Max Weber nachschlagen, um zu sehen, wie wichtig das ist für eine Demokratie - und nur die Zeitung lesen, um zu sehen, wie Angela Merkel sich geradezu darum drückt, eine Heldin zu sein, nur um dranzubleiben an der Macht und nichts zu riskieren.

Zum Schluss seiner vor 92 Jahren veröffentlichten Abhandlung "Politik als Beruf" schreibt Max Weber von der Notwendigkeit politischer Führung, die mehr will, als sich mit dem Erreichbaren zufriedenzugeben: "Es ist ja durchaus richtig, (...) daß man das Mögliche nicht erreichte, wenn nicht immer wieder in der Welt nach dem Unmöglichen gegriffen worden wäre. Aber der, der das tun kann, muß ein Führer und nicht nur das, sondern auch - in einem sehr schlichten Wortsinn - ein Held sein."

So ein Held, schreibt Weber dann, müsse auch Verletzungen riskieren für seine Überzeugungen: "Nur wer sicher ist, daß er daran nicht zerbricht, wenn die Welt, von seinem Standpunkt aus gesehen, zu dumm oder zu gemein ist für das, was er ihr bieten will, daß er all dem gegenüber: ,dennoch!' zu sagen vermag, nur der hat den ,Beruf' zur Politik."

Die Geschichte der deutschen Kanzler ist tatsächlich eine Geschichte lauter Dennochs. Willy Brandt hat "dennoch!" gerufen, als er die Ostpolitik betrieb, Helmut Schmidt hat "dennoch!" gerufen, als er Raketen stationieren ließ, Helmut Kohl hat "dennoch!" gerufen, als er die Wiedervereinigung forderte, und Gerhard Schröder hat "dennoch!" gerufen, als er seine Sozialreformen durchsetzte.

Angela Merkel hat als Kanzlerin niemals "dennoch!" gerufen - und verliert nun Wähler an die Grünen. Die wollen seit 30 Jahren raus aus der Atomkraft. Sie haben länger als alle anderen "dennoch!" gerufen und die Verletzung des Scheiterns riskiert. Offenbar mögen viele Wähler das. Es zahlt sich nun aus.

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29 Kommentare zu "Essay: Die Entseelung der Gefolgschaft"

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  • Sehr geehrter Herr Pletter,
    Ihren Beitrag habe ich, weil er mir so gut gefiel, gleich zweimal gelesen. Es wird viel über die Motive gerätselt und nach den inneren Überzeugungen der Bundeskanzlerin gegraben. Sie sind, wie ich meine, ganz nah auf die Spur gekommen, wenn Sie von einer „emotionslose(n) und machttaktische(n) Politik ohne ideelle Ziele - man mag fast schon sagen: ohne Fundament“ schreiben. Und Sie kommen der Sache noch näher, indem Sie ihre „Erfahrung des Lebens in der DDR-Diktatur“ ansprechen und fragen, welche Motive sie für ihr politisches Handeln aus dieser Erfahrung ableitet.
    Hier sollte weiter gegraben werden. Ich vermute, das Fehlen ideeller Ziele lässt sich mit Angela Merkels Biografie erklären. Ihr Handeln ist mehr als nur Ergebnis machttaktischer Überlegungen, sondern Ausdruck einer Grundüberzeugung, nämlich dass es dieser gar nicht bedarf. Wer in der DDR aufgewachsen ist (egal ob überzeugter Anhänger des Marxismus-Leninismus oder nicht), hat beobachten können oder erleben müssen, dass Grundwerte, Überzeugungen und Glaubensgrundsätze jederzeit revidierbar waren. Ein Politbürobeschluss genügte. Grundwerte waren letzten Endes etwas Beliebiges, nichts, in das es sich lohnte viel Kraft zu investieren.
    Mir fällt auf, dass es viele Menschen im Osten Deutschlands gibt, die sich eindeutigen Bekenntnissen deshalb verweigern, weil ihnen diese beliebig erscheinen und jederzeit außer Kraft gesetzt werden können, es mithin gar keiner Überzeugungen bedarf, sondern ein pragmatisches, auf die Bewältigung des Tagesgeschehens konzentriertes Handeln genügt, um menschliches Zusammenleben zu organisieren - ohne Visionen, leider auch ohne erkennbares Ziel. Möglicherweise lässt sich damit das Verhalten der Bundeskanzlerin erklären.
    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Peter Strunk

  • Zeitzeuge schreibt eindeutig ein besseres Deutsch als morchel. Eine klare Sprache deutet hin auf ein klares Denken.Trotzdem bin ich der Meinung das Morchel und Zeitzeuge gar nicht soweit in ihrer Analyse des politischen Zeitgeistes auseinanderliegen, wie sie vielleicht vermuten.
    Zeitgeist formuliert besser, morchel ist eine "ehrliche Haut" was ebenfalls ehrenwert ist.

  • Pass auf du gehst nach Rammstein zu den Amerikanern und sagst haut ab wo ich aber was dagegen hätte. An dir merkt man sehr deutlich du stehst neben Realitäten. Der Russe ist einfach gegangen Scheckheftmässig. WO ist DE souverän wo bitte ? Du kannst bestimmen was du willst nur hört keiner auf Dich, weil bedeutungslos was du sagst. Was ist eine Verfassung ? Wollte Volk der Deutschen in die EU ? Wolltet ihr die Grichen Retten ja fragen wir die Deutschen. Verantwortungsbewustsein frag mal Kohl nach den edlen Spendern, Schäuble, wo her die Kohle, erkläre der Kassiererin mal was an den Bon verkehrt war. das sind billige fragen wenden wir uns lieber nicht der finanzindustrie zu das überfordert dich. DE ist ein konstruckt wie palestina nicht mehr und nicht weniger.

  • Vermutlich haben hier einige zu viele Liköreier vertilgt. Helmut Kohl war für den Friedensnobelpreis nominiert, ganz im Gegensatz zu einer Frau Thatcher, eine Herrn Blair oder einem Herrn Putin. Zum Glück findet solche linke Propaganda bei unseren an sich relativ kleinmütigen und geistig eher armen Wählern keine Resonanz und sie paßt zur gesamten ost- und westdeutschen Linken, die in ideologischen Kategorien hetzt, ohne überhaupt noch einen nachvollziehbaren Reailitätsbezug verantwortlich formulieren zu können.

    Es liegt inzwischen ganz allein bei den Deutschen, ihre nationale Identität zu definieren und aufzurichten und ihr Staatswesen zu reformieren, niemand, außer sie selber kann sie daran hindern! Dazu gehören Einsicht, Verantwortungsbewußtsein für die Gesamtheit aller Deutschen, Sinn für Gerechtigkeit, Mut und die Fähigkeit zur stabilen und wirksamen Selbstorganisation - und natürlich ein paar brauchbare Geschichtskentnisse, die von umfassenderen Kenntissen geprägt sind, als denen der Klassenkampfideologen!

    Frau Merkel selbst ist leider inzwischen ein äußerst negatives Beispiel, ihr Handeln in Krisensitutionen ist unzweifelhaft von systemerhaltender marxistisch-stalinistischer Staats- und Führungstheorie bestimmt, daß bei Menschen mit differnzierten Wahrnehmungsfähigkeiten und Kenntnis der Historie von Diktaturen und Blocksystemen die Alarmglocken schrillen.

  • "...aber die Wiederherstellung der deutschen staatlichen Einheit ... ist und bleibet sein unbestrittenes persönliches Verdienst..."

    Wie fertig muss man sein, um diesen Schwachsinn auch noch selbst zu glauben. Mag die Kohlbirne auch noch noch so hühnenmäßig dagestanden haben, bei der Wiedervereinigung war er nur ein winziges Würstchen. Da haben einzig und allein die Russen und die Allierten die Entscheidungen getroffen. Kohl konnte nur froh darüber sein, dass er zu dieser Zeit gerade der Bundeskanzler gewesen ist. Verdienst? Dass ich nicht lache. Kohl kann nicht einen einzigen Verdienst auf seinem Konto der "Guten Taten" verbuchen. Deshalb ist Merkel auch die würdige Nachfolgerin der Kohl-Ära. Sie kann auch nichts und schreibt sich trotzdem alles zu, was angeblich so toll läuft in Deutschland. Merkel ist eine Schande für Deutschland. Kohl war nur geringfügig besser.

  • Deutschland ist weder ein Staat noch ein Staatsgebilde. Es besteht so am Rande der grossen Politik glaub daran das es duch seine Wirtschaft glänzen kann. Ein Staat beginnt mit einer Verfassung und endet bei mündigen Bürger was ich sehe ist genau das Gegenteil. Keine Eigenständige Politik,weder Aussen noch innen keine Bürger die mutig genug sind Verantwortung zu übernehmen gerne aber Sozialterrorismus ausleben. Der Typische Radfahrer nach unten treten nach oben ducken. Sorry diese Deutschland lebt im Kriegszustand und alle die da oben handeln schauen immer erst nach osten und Westen bevor sie entscheiden,was auch immer. Putin sagt er Rüstet auf was ich sehr gut finde und DE wo ist DE keine Ahnung Zeitarbeiter ausnehmen.

  • Zeitzeuge du hast kene Ahnung der Kohl hat mit seinen Gewicht die Russischen Panzer niedergewalzt, dann is er nach Moskau geflogen und hat denen erst mal die Leviten gelesen, und nur weil er das alles so erkannt hat sind ihn nicht die kugeln einer Makarowwww um die Ohren geflogen sondern nur eier. Srry träum weiter. Ein Befehl und ein parr klare Ansagen und der puck wäre aus und vorbei gewesen. Comprende. Der Anschluss war dann ziemlich egal es war nur ne preisfrage. Was natürlich bei den Franzosen/Polen/Engländern ganz anders ausgesehen hat.Sie wollten den Fortbestand der DDR und wie sich herraustellt zu recht nun haben wir einen Freizeitpark also ein Aschlussgebiet.

  • @ Morchel :

    Schlimmes "Gewäsch", was Sie da von sich geben, nicht mal "medientauglich". Man mag geteilter Meinung über Helmut Kohls Person und Politik sein, aber die Wiederherstellung der deutschen staatlichen Einheit aus den nach 1945 verbliebenen Teilen unter den gegebenen damaligen Verhältnissen ist und bleibet sein unbestrittenes persönliches Verdienst. Damit ist nicht gesagt, daß Kohle mit Recht als "Kanzler der deutschen Einheit" bezeichnet werden kann. Die Einheit der Deutschen ist bis heute nicht erreicht. Vaterlandslosigkeit, Selbstverachtung und das Fehlen nationalen Selbstverständnisses bestimmen das Erscheinungsbild der Deutschen als ganzes und bilden den schlüpfrigen Untergrund, auf dem die inzwischen untragbaren Verhältnisse sich aufgetürmt haben, die den politisch-wirtschaftlichen Krebsschaden in unserem Lande bilden. Leider sind ca. 70% der Wähler nicht in der Lage, diese zu erkennen, 95% sind nicht in der Lage, dagegen etwas zu unternehmen.

  • 100% Verständnis für Ihre Position!

  • Diesem hier exemplarisch vorgetragenen Ansichten-Wirrwarr verdanken wir die politischen Verhältnisse in Deutschland und all den Schaden, den Politiker bisher ungestraft anrichten konnten! Ähnlichen "Käse" geben viele Wähler aller Parteien in Bezug auf die von ihnen präfererte ab.

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