Essen im Kanzleramt
Bundesregierung auf Distanz zu Ackermann

Vor dem Hintergrund des heftigen Disputs über das Abendessen im Kanzleramt mit Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat sich nun auch die Bundesregierung zu Wort gemeldet. Bundeskanzlerin Merkel verteidigte den Termin gegen Kritik, relativierte aber den Charakter des Essens. Deutlicher wurde ihr Sprecher: Er widersprach der Darstellung von Ackermann.

HB BERLIN. Die Bundesregierung hat der Darstellung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann widersprochen, er selbst habe anlässlich seines 60. Geburtstages 30 Freunde ins Kanzleramt einladen dürfen. Der stellvertretende Regierungssprecher Klaus Vater sagte am Mittwoch in Berlin zu Ackermanns Version: „Ich würde in aller Demut sagen, sie ist so nicht zutreffend.“ Es sei die Bundeskanzlerin, die interessante Menschen im Kanzleramt zusammenbringe.

Ackermann selbst hatte in der ZDF-Dokumentation „Kanzlerin Merkel“ vor knapp zwei Wochen erklärt: „Sie (Merkel) hat mir damals gesagt, sie würde gerne etwas für mich tun. Ich soll doch einmal etwa 30 Freunde und Freundinnen einladen aus Deutschland oder der Welt, mit denen ich gerne einen Abend zusammen sein würde - im Kanzleramt.“

Merkel selbst betonte, es habe sich bei der Veranstaltung im April 2008 nicht um eine Geburtstagsfeier gehandelt, sondern um ein Abendessen „im Umfeld“ des Geburtstags. Es sei darum gegangen, Vertreter aus Wirtschaft, Kultur, Bildung und Forschung ins Gespräch zu bringen. „Ich bin jemand, der immer versucht, auch Gruppen, die normalerweise nicht zusammenkommen, zusammenzubringen“, sagte die Kanzlerin in einem N24-Interview

Ungewöhnliche Rückendeckung für Merkel kommt von Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), der die Einladung Ackermanns ins Kanzleramt verteidigte. Schröder sagte "Spiegel Online" am Rande eines Auftrittes in Sachsen: "Mit der Veranstaltung für Herrn Ackermann habe ich kein Problem." Schröder hält auch die gestiegenen Ausgaben für außergewöhnliche Aufwendungen im Etat des Kanzleramtes unter Merkel nicht für problematisch. "Die Erhöhung ist in Ordnung. Schließlich leben wir nicht in einer Bananenrepublik und man sollte seine Gäste ordentlich bewirten."

Zugleich bekräftigte Schröder bei dem Auftritt im sächsischen Lommatzsch seine Kritik an der Berichterstattung der "Bild"-Zeitung. Das Blatt hatte ihm vorgeworfen, in zwei Jahren 533.000 Euro Spesen gemacht zu haben. Dazu sagte Schröder: "Es ist eine allgemeine Erfahrung, dass sich die 'Bild'-Zeitung in Wahlkampf-Zeiten vor den Karren der Union spannen lässt. Das ist ein durchsichtiges Manöver."

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sprang Merkel ebenso beiseite und nannte die Diskussion um das Abendessen „kleinkariert“. Die Kanzlerin dürfe einladen, wen sie möchte, sagte er im ZDF.

Merkel äußerte indes Verständnis für Sorgen über eine zu große Nähe zwischen Politik und Wirtschaft. „Da muss man sensibel sein, deshalb verstehe ich auch die Nachfragen“, sagte die CDU-Chefin. Aus ihrer Sicht sei die Distanz jedoch durchaus gewahrt. Das könne man auch an ihren kritischen Äußerungen zu Ackermann ablesen.

Am Nachmittag befasst sich der Haushaltausschuss mit dem Thema. Für das Kanzleramt wird Staatsminister Hermann Gröhe Stellung nehmen. Doch scheint sich die Aufregung zu legen. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn sah in der Beschäftigung der Parteien mit „Klein-Klein“ eine Folge der „systematischen Entpolitisierung des Wahlkampfs“.

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