Etatkürzungen gefährden Erfolge der Förderpolitik
Industrieunternehmen im Osten bauen Forschungspersonal ab

Der Ausbau der industriellen Forschung in Ostdeutschland droht nach ersten Erfolgen wieder an Schubkraft zu verlieren.

dc BERLIN. Die Hauptgefahr gehe dabei von Kürzungen bei der staatlichen Förderung für die Industrieforschung aus, die sich verglichen mit üblichen Subventionen als sehr erfolgreich erwiesen habe, warnte Hilmar Fuchs, Vorsitzender des Verbands Innovativer Unternehmen (VIU), gestern in Berlin.

Nach einer von Fuchs vorgestellten Studie fördern Bund und Länder die Industrieforschung im Osten derzeit mit rund 800 Mill. Euro pro Jahr, wobei das Volumen neuerdings rückläufig ist. „Bei weiteren Kürzungen sind im Osten bis zu 30 Prozent der Arbeitsplätze in Forschung und Entwicklung gefährdet“, gab sich Fuchs überzeugt. Der 1992 gegründete VIU versteht sich als Sprachrohr für 3 000 forschungsintensive Ost- Unternehmen. Fuchs gehört auch dem von der Regierung berufenen „Gesprächskreis Ost“ um den früheren SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi an.

Fuchs stützt seine Warnung auf eine Firmenbefragung durch die Forschungsagentur Euronorm, die auch Projektträger für ein Förderprogramm des Wirtschaftsministeriums ist. Danach war die Zahl der Forschungsmitarbeiter bei Industrieunternehmen im Osten Ende 2003 mit insgesamt 22 000 bereits ein Zehntel geringer als noch zwei Jahre zuvor. Auch beim enger abgegrenzten Kreis kontinuierlich forschender Unternehmen verzeichnet die Studie einen Abbau von Forschungspersonal – bei steigender Gesamtmitarbeiterzahl. Dieses Ergebnis ist für Fuchs einerseits Indiz dafür, dass die staatliche Forschungsförderung die Unternehmen durchaus vorangebracht hat. Andererseits aber gebe die Entwicklung Anlass zur Sorge. Denn der Anteil der Forscher in der ostdeutschen Industrie sei im Durchschnitt noch immer gut zwei Drittel geringer als im Westen. Gerade die noch labile Industrie im Osten benötige intensive Forschung als Basis für künftiges Wachstum.

Ein Problem sieht Fuchs darin, dass die Industrieforschung weniger im innovationspolitischen Fokus der Regierung liegt als Grundlagenforschung: Erstere ist nicht beim Forschungs-, sondern beim Wirtschaftsressort angesiedelt und weniger vor Sparvorgaben durch Finanzminister Hans Eichel geschützt. Daher wurde ein zuvor mit 100 Mill. Euro dotiertes Programm im laufenden Jahr um zehn Prozent gekürzt, während die Fördermittel für wirtschaftsfernere Forschung noch zulegten. Ob die Industrieforschung Ost für 2005 ein geplantes Zusatzbudget von zehn Mill. Euro erhält, hängt nach Angaben aus dem Ministerium davon ab, ob Rot-Grün im Bundesrat die Kürzung der Eigenheimzulage durchsetzen kann.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%