Etwas weniger Lehrverträge
Schavan: Hohes Engagement für Ausbildung auch in der Krise

Die Zahl der in diesem Jahr neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen. Ende September waren 616 000 Azubis neu engagiert – gut 9 000 weniger als im Vorjahr. Bundesbildungsministerin Annette Schavan appelliert derweil an die Unternehmen, keinesfalls wegen der Krise weniger auszubilden.

BERLIN. Weil sich jedoch weniger Jugendliche beworben hatten, halbierte sich dennoch die Zahl derer, die zum Beginn des Ausbildungsjahres weder eine Lehrstelle noch eine Alternative hatten, auf gut 14 000. Diese Zahlen legte gestern das Bundesinstitut für Berufsbildung vor.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) appellierte an die Wirtschaft, keinesfalls wegen der Krise weniger auszubilden und so die Sicherung des Fachkräftenachwuchses zu vernachlässigen. Das gelte gerade für Unternehmen, die von neuen Konjunkturprogrammen profitieren. „Wer davon direkt oder indirekt profitiert, der muss auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, in ökonomisch angespannten Zeiten vorausschauend handeln sowie in Ausbildung und Qualifizierung investieren.“

Der Rückgang bei den Lehrstellen geht allerdings ausschließlich auf die Lage in Ostdeutschland zurück. Dort sank die Zahl der Neuverträge um gut 11 000, im Westen hingegen ergab sich noch ein Plus von 2 000. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt führte das Minus im Osten darauf zurück, dass dort deutlich weniger Jugendliche die Schulen verließen. „Das hat bei vielen Betrieben zu einem Mangel an geeigneten Bewerbern geführt“, sagte er dem Handelsblatt. „Ich appelliere an die Schulen, ihre Anstrengungen zu verstärken, damit alle Schulabgänger die nötige Ausbildungsreife erreichen.“ Die Quote der Schulabgänger liegt noch immer bei acht Prozent, die Kultusminister haben sich aber vorgenommen, diese zu halbieren.

Die Situation im Osten bietet einen Vorgeschmack darauf, dass die Wirtschaft anders als früher nicht mehr aus dem Vollen schöpfen kann, sondern sich auf eine stetig sinkende Zahl von Bewerbern einstellen muss. Damit wird es auch zunehmend schwerer, den Mangel an Fachkräften zu bekämpfen. Denn seit diesem Jahr geht die Zahl der Schulabgänger zurück. Nach der Prognose der Kultusminister dürften diesen Sommer 940 000 junge Menschen die Schulen verlassen haben – das waren bereits 34 000 weniger als im Vorjahr.

Das ist erst der Anfang: Schon 2010 werden es noch 60 000 weniger sein. 2020 sind es dann nur noch 780 000 Abgänger. Nur 2011 und 2013 steigt die Zahl kurzfristig, weil dann die durch die Verkürzung des Gymnasiums entstehenden doppelten Jahrgänge die Schule verlassen.

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