EU-Abkommen
Flüchtlinge kommen legal mit dem Flieger aus der Türkei

Sechs syrische Familien treffen per Flugzeug legal in Deutschland ein. Möglich macht dies das Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei. Die erschöpften Familien kommen zunächst ins niedersächsische Friedland.

Friedland/HannoverEs läutet von der St. Norbert-Kirche in Friedland - wie jeden Mittag. Dennoch wirkt es so, als habe jemand die Glocken zur Begrüßung extra angestellt. Kurz vor zwölf Uhr ist im Grenzdurchgangslager bei Göttingen ein Bus mit den ersten syrischen Flüchtlingen angekommen, die vom umstrittenen Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei profitieren.

Als die sieben Erwachsenen und neun Kinder aussteigen, wirken sie erleichtert, aber auch sehr mitgenommen. „Sie sind völlig erschöpft von der Reise. Sie haben die ganze Nacht nicht geschlafen“, sagt Dolmetscher Samal Osman, der die Flüchtlinge im Auftrag des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) begleitet.

Mit den vielen internationalen Journalisten, die auf die Ankunft des Busses gewartet haben, wollen die Flüchtlinge nicht reden. Verschleierte Frauen gehen mit gesenktem Blick an den Wartenden vorbei. Ein Mann, der nicht fotografiert werden will, versteckt sein Gesicht hinter einer Jacke. Nur für die Kleinsten scheint die Reise eher ein Abenteuer zu sein. Zwei Jungen im Vorschulalter mustern neugierig die Umgebung. Ein etwa drei Jahre alter Knirps lugt lächelnd hinter einem großen Koffer hervor und winkt zurück.

Wenig später werden die Ankömmlinge unter Ausschluss der Öffentlichkeit von Leiter Heinrich Hörnschemeyer in Friedland willkommen geheißen. Man müsse verstehen, dass sie keine Kameras und Mikrofone dabei haben wollen, sagt Hannah Buschmann von der niedersächsischen Landesaufnahmebehörde. „Nach allem, was sie in den vergangenen Monaten durchgemacht haben.“

Die Syrer waren am Morgen mit der frühen Linienmaschine aus Istanbul auf dem Flughafen Hannover gelandet. Erst vor einer Woche hatten sie erfahren, dass sie aus der Türkei legal nach Deutschland einreisen dürfen. „Sie sind alle sehr aufgeregt und ein bisschen verängstigt“, sagt Corinna Wicher vom Bundesamt. Im Lager Friedland könnten sie jetzt erst einmal zur Ruhe kommen. Die Syrer wurden vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) als besonders hilfsbedürftig ausgewählt, einige von ihnen haben gesundheitliche Probleme.

Während sie im Flughafengebäude von Bundespolizisten und Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks zum Bus begleitet werden, taucht plötzlich ein Mann mit einem gelben Plakat auf. „Refugees not welcome“ steht darauf. Der Flughafen prüft jetzt, ob solche Aktionen künftig unterbunden werden können. Dies sei rechtlich nicht ganz einfach, weil der „einsame Demonstrant“ ja nicht aggressiv Stimmung gemacht habe, sagt Flughafensprecher Sönke Jacobsen. In einer zweiten Maschine trafen am Montagmittag drei weitere syrische Familien mit ihren Kindern in Hannover ein.

Im Grenzdurchgangslager, in dem in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt rund 4,5 Millionen Menschen aufgenommen wurden, gibt es für die syrischen Flüchtlinge derzeit viel Platz. „Das Lager ist wegen der zuletzt deutlich gesunkenen Flüchtlingszahlen momentan mit rund 350 Bewohnern nur zur Hälfte belegt“, sagt Leiter Hörnschemeyer.

Die neu eingetroffenen Syrer sollen zwei Wochen bleiben. „Nach den Aufnahmeformalitäten und einem Gesundheitscheck werden die Flüchtlinge dann an einem sogenannten Wegweiser-Kurs teilnehmen“, sagt Hörnschemeyer. „Es gibt dabei etwas Sprachunterricht und Informationen über das Leben in Deutschland.“ Anschließend werden sie niedersächsischen Kommunen zugewiesen. 

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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