EU-Energiekommissar
Oettinger will umfassende Atom-Stresstests

EU-Energiekommissar Günther Oettinger will doch noch umfassende Stresstests der 143 europäischen Atommeiler durchzusetzen. Bisher waren die großen Atomnationen Frankreich und Großbritannien dagegen.
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BrüsselEU-Energiekommissar Günther Oettinger sieht gute Chancen dafür, doch noch umfassende Stresstests der 143 europäischen Atommeiler durchzusetzen. Die Tests sollten nun doch das Risiko von Flugzeugabstürzen, Terroranschlägen und menschlichem Versagen umfassen, sagte Oettinger dem Handelsblatt (Freitagausgabe). Er sehe dafür "tendenziell eine Mehrheit" in der EU, sagte der Kommissar nach Beratungen des Ausschusses der europäischen Atomaufseher (Ensreg) in Brüssel. 

Die großen Atomnationen Frankreich und Großbritannien hatten zunächst darauf bestanden, nur das Risiko von Naturkatastrophen wie Erdbeben und Hochwasser zu untersuchen. Frankreich sei von dieser Haltung bei den heutigen Beratungen aber abgerückt und habe sich "konstruktiv eingebracht", sagte Oettinger. Von Großbritannien seien zwar erneut "Vorbehalte" gegen die Prüfung menschlicher Risikofaktoren gekommen, jedoch "keine förmliche Ablehnung"

Oettinger wies ferner darauf hin, dass die Ergebnisse der Atomstresstests nicht vollständig veröffentlicht werden könnten. Er plädiere zwar für maximale Transparenz. Bestimmte sensible Daten im Zusammenhang mit der Terrror- und Verbrechensbekämpfung müssten aber vertraulich behandelt werden. Nach Angaben des Kommissars sind die Atomkraftwerksbetreiber nicht allein für die Durchführung der Stresstests verantwortlich. Neben den nationalen Atomaufsehern würden auch internationale Expertenteams beteiligt. "Experten aus verschiedenen Mitgliedstaaten werden die Berichte prüfen und auch selbst in die Kernkraftwerke hineingehen", sagte der Kommissar.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

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