EU-Hilfe
Frontex soll Tunesien-Flüchtlinge stoppen

Was tun mit den Tausenden tunesischen Flüchtlingen auf Lampedusa? Im Lager auf der Mittelmeerinsel sind noch 2.000 Menschen eingepfercht. Die EU verspricht Italien Hilfe. In Deutschland wird über die Aufnahme von Flüchtlingen gestritten.
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Lampedusa/KairoTausende Flüchtlinge aus Tunesien stellen Italien und auch die EU vor eine neue Herausforderung. Auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa bleibt die Lage gespannt, auch wenn am Dienstag zunächst keine weiteren Boote mit Verzweifelten aus dem knapp 130 Kilometer entfernten Tunesien anlegten. Das Auffanglager ist mit 2.000 Menschen völlig überfüllt, konzipiert wurde es für 800. Auf Sizilien kamen erste Immigranten aus Ägypten an. Während die EU Hilfe für Italien ankündigte, entbrannte in Deutschland eine Debatte über die Verteilung von Asylbewerbern innerhalb der EU.

Die Behörden auf Lampedusa vergleichen die Lage mit einem Pulverfass. Die Immigranten werden langsam auf andere Flüchtlingszentren auf Sizilien und dem italienischen Festland verteilt. 200 sollten noch am Dienstag über eine eigens für den Notstand eingerichtete Luftbrücke ausgeflogen werden. Mehr als 5.000 Tunesier hatten in den vergangenen Tagen Lampedusa auf der Flucht vor Unruhe und Armut überrannt. Die nur 20 Quadratkilometer große Insel zählt selbst nur 4500 Einwohner. Der Bürgermeister der Insel, Dino de Rubeis, habe ein Alkohol-Ausgabe-Verbot für Immigranten verhängt, um Unruhen vorzubeugen, hieß es in Medienberichten.

Der italienische Innenminister Roberto Maroni rechnet mit weiteren Flüchtlingen. Vor allem das „institutionelle Erdbeben“ in Ägypten sei ein Risiko, erklärte der Minister der ausländerfeindlichen Regierungspartei Lega Nord auf einer Sondersitzung in Catania auf Sizilien. Ein Boot mit Immigranten aus Ägypten landete am Dienstag an der Küste Siziliens. Wie italienische Medien berichteten, fing die italienische Küstenwache den Fischerkahn mit 32 Ägyptern vor Ragusa ab. Einem Teil der Insassen gelang die Flucht.

Illegale Einwanderer, die per Boot versuchen, von der ägyptischen Nordküste nach Europa zu gelangen, hat es immer wieder gegeben. Wenn die Einreise misslang, wurden sie von den Italienern meist postwendend per Flugzeug zurück in ihre Heimat geschickt. Im Gegensatz zu Tunesien hat Ägypten die Grenzkontrollen offenbar nicht gelockert, sondern sogar verschärft. Zahlreiche Drogenschmuggler sollen so festgenommen worden sein. Die ägyptische Küstenwache gehört nicht zur Polizei, sondern zur Armee.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR berichtete, mindestens vier Menschen seien bei der Flucht aus Tunesien nach Lampedusa ertrunken. Es werde befürchtet, dass Menschenhändler gerade junge Leute in Tunesien dazu überredeten, ein besseres Leben in Europa zu suchen. UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming erklärte am Dienstag in Genf, die meisten der mehr als 5.000 Flüchtlinge seien junge Männer. Allerdings seien auch mindestens 20 20 Frauen und mehr als 200 Minderjährige, meist ohne Begleitung, dabei.

Die EU reagierte am Dienstag auf die italienischen Hilfsforderungen. „Wir wollen Italien finanzielle Hilfe gewähren und bereiten einen Einsatz der EU-Agentur Frontex vor“, sagte ein Kommissionssprecher in Brüssel. Die Notfallhilfe könne „sehr rasch“ erfolgen und aus dem europäischen Flüchtlingsfonds kommen. Italien habe ein entsprechendes Hilfegesuch gestellt.

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