EU-Kommission
Ein Schwabe putzt Klinken in Brüssel

Günther Oettinger bereitet sich auf seine neue Aufgabe vor. Als EU-Kommissar braucht der baden-württembergisch Ministerpräsident exzellente Kontakte, in die Kommission wie auch zu Konzernchefs: Auf Oettinger wartet ein Wirtschaftsressort. Auch um Klimaschutz will sich der Schwabe kümmern - wie die Chancen dafür stehen.
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BRÜSSEL. Eigentlich hat Günther Oettinger noch viel Zeit. Voraussichtlich erst im Januar muss er dem Europaparlament als neuer EU-Kommissar Rede und Antwort stehen. Die Anhörung will aber gut vorbereitet sein. Denn wenn die Abgeordneten von der Kompetenz eines Kandidaten nicht überzeugt sind, können sie sehr unangenehm werden und ihn durchfallen lassen. Das weiß Oettinger und hat deshalb damit begonnen, in Brüssel die Klinken zu putzen.

Zwar reiste er schon als Ministerpräsident von Zeit zu Zeit in die Europa-Hauptstadt, um dort regionale Interessen geltend zu machen. Bei EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes zum Beispiel war er zuletzt häufiger zu Gast, um die Beihilfen für seine Landesbank zu verteidigen.

Doch das politische Milieu in Brüssel ist dem Schwaben völlig fremd geblieben. Es kam es ihm nie in den Sinn, seinen politischen Schwerpunkt nach Brüssel zu verlagern - bis am Morgen des 8. Oktober, fünf Tage vor seinem 56. Geburtstag, das Telefon klingelte. Bundeskanzlerin Angela Merkel war am Apparat und bot ihm das Amt des EU-Kommissars an. Tags darauf akzeptierte Oettinger den Posten, der in seiner Lebensplanung bis dahin keine Rolle gespielt hatte.

Fremdeln mit den Grünen

Um sich auf die neue Rolle vorzubereiten, ist es mit Kurzbesuchen in Brüssel nicht mehr getan. Oettinger muss das komplizierte Beziehungsgeflecht zwischen den europäischen Institutionen verstehen und sich dort Akzeptanz verschaffen.

Mit den Vorsitzenden der größten Parlamentsfraktionen Joseph Daul (EVP), Martin Schulz (Sozialisten) und Guy Verhofstadt (Liberale) hat er bereits gesprochen. "Nur bei den Grünen ziert er sich noch", sagt ein Parlamentarier.

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  • Der Artikel ist hervoragend formuliert und skizziert
    die Herausforderungen an Herrn Oettinger. Er wurde
    gewaltig zu "seinem 56- jährigen Geburtstag" mit dieser Aufgabe "beschenkt". Mit könnnnnet Alles außer Hochdeutsch, reicht für diese Aufgabe nicht.
    Etwas polyglott, charmantes übersichliches Auftreten sowie einen guten Kontakt zu Verheugen kann da nicht schaden. Gut in diesem Alter ist man
    allerdings noch lernfähig. Viel Glück in der neuen
    Position!

    Horst balonier, Pfungstadt

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