EU-Kommissionspräsident an der Uni

Anekdötchen vom netten Herrn Barroso

Redegewandt und sympathisch: Düsseldorfer Studenten haben den obersten Bürokraten der EU hautnah erlebt. Kommissionspräsident Barroso spricht im Hörsaal über eine schwere Entscheidung: Deutsch lernen oder Krise managen.
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Der Präsident der EU-Kommission Barroso begrüßte die Rund 900 Studenten der HHU auf deutsch.

Der Präsident der EU-Kommission Barroso begrüßte die Rund 900 Studenten der HHU auf deutsch.

DüsseldorfDer Hörsaal ist voll, gemurmelt wird nicht, keiner spielt Sodoku oder nickt weg. Der Mann vorne am Rednerpult hat die volle Aufmerksamkeit der Studenten der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf – und das auch noch in den Semesterferien. Der Mann, der die Studierenden so zu fesseln vermag, ist José Manuel Barroso. Der Präsident der EU-Kommission hält die Universitätsrede 2014.

Europas oberster Bürokrat trägt Anzug und Krawatte in gedeckten Farben. Er versucht, einen lockeren Eindruck zu machen, immer wieder den Hauch von Bürokratielastigkeit, die Europa anhaftet, mit einer Anekdote zu zerstreuen. Barroso begrüßt die Zuhörer auf Deutsch – und vergisst auch nicht jene, die seine Rede per Video-Übertragung sehen. Es sei nicht seine erste Reise nach Nordrhein-Westfalen.

In diesem Schmelztiegel aus Innovationen und kulturellem Erbe sei es naheliegend über Europa zu sprechen: „Aber ich will die Sprache Heinrich Heines nicht weiter strapazieren“, sagt Barroso und wechselt für den Rest der Rede ins Englische. Dabei habe er als Kommissionspräsident Deutsch besser lernen wollen, erzählt Barroso: „Doch dann kam die Krise und ich musste mich entscheiden: Deutsch oder Krisenmanagement.“

Eben diese Finanzkrise spielt auch eine große Rolle in seiner Rede zu den Wahlmöglichkeiten und Herausforderungen Europas („Europe’s choices and challenges“). „Ich wurde oft gefragt: Glauben Sie, dass der Euro die Krise überstehen wird? Und ich antwortete: Ja, ich bin sicher, dass der Euro überleben wird. Mittlerweile muss ich diese Frage nicht mehr beantworten.“ Denn der Höhepunkt der Finanzkrise sei überwunden, Europa auf dem Weg der Besserung.

Wie es sich für den obersten Bürokraten der EU gehört, hat er auch ein paar Zahlen parat: BIP-Wachstumsraten, Budgetdefizite und Investitionen. Doch die hohen Jugendarbeitslosenquoten besonders im Süden Europas kann Barroso nicht schön reden – und erwähnt sie vielleicht deshalb nur am Rande.

Er zeichnet ein optimistisches Bild der Europäischen Union an diesem Freitag – auch oder gerade weil Pessimismus so populär sei. Die Ukraine-Krise erinnere daran, wie wichtig die EU für den Frieden sei. Ihn zu wahren, rechtfertige schon ihre Existenz. „Garantierter Frieden zwischen Ländern und Völkern wird immer der Hauptgrund für unser Fortbestehen sein.“

Barroso erzählt lieber von Reisen als Dublin II zu hinterfragen
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