Euro-Hilfen
Ökonomen-Streit geht in nächste Runde

Der Aufruf deutscher Ökonomen gegen die jüngsten EU-Gipfelbeschlüsse hat eine heftige Debatte losgetreten. Am Wochenende legte der Freiburger Ökonom Bernd Raffelhüschen nach. Er fordert ein Ende aller Finanzhilfen.
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BerlinDeutschlands Top-Ökonomen sind bei der Suche nach Wegen aus der Euro-Krise weiter uneins. Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen fordert einen Stopp für weitere Hilfen an die Defizitländer: „Keinen Schritt weiter, solange es kein vernünftiges Regelwerk gibt. Solange darf es keine gemeinsame Haftung und keine neuen Schulden über Maastricht hinaus geben“, sagte er der Tageszeitung „Die Welt“ (Samstag).

Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, widersprach entschieden. Das könne sich Europa mitten in der Krise nicht leisten. „Ja, wir müssen an gemeinsamen Regeln arbeiten, aber wir müssen gleichzeitig auch stabilisieren.“

Die Wirtschaftswissenschaft befindet sich in Aufruhr, seit gut 200 Ökonomen um den Münchner ifo-Chef Hans-Werner Sinn vor gut einer Woche einen Brandbrief über die jüngsten EU-Gipfelbeschlüsse verfassten. Raffelhüschen gehörte zu den Unterzeichnern dieses Aufrufs, Snower zu den Initiatoren einer Replik.

Der Chef des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, gewinnt der Debatte auch gute Seiten ab: „Der Öffentlichkeit ist vielleicht klarer geworden, dass auch Ökonomen nur Menschen sind und keine Hellseher oder der Welt entrückte Akademiker“, sagte er dem Bremer „Weser-Kurier“. „Wir können nicht mehr als beraten, aufzeigen, Erkenntnisse liefern“. Die Entscheidungen müssten dann die Politik oder der Unternehmer fällen.

Einer der größten Streitpunkte bleibt der Umgang mit maroden Banken. „Wir brauchen eine einheitliche EU-Finanzmarktregulierung, einen Abwicklungsprozess für insolvente Banken und einen Rekapitalisierungsfonds für solche, die eine Perspektive haben“, forderte Snower. Dazu sollte sich der Rettungsschirm ESM auch an Banken beteiligen können. Raffelhüschen warnte dagegen davor, „wie bei der Euro-Einführung den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen“. Bevor man sich auf eine Haftungsunion einlasse, müssten die notwendigen Bedingungen für eine gemeinsame Haftung erfüllt sein. „Bezahlt wird erst, wenn es die Regulierung gibt, nicht umgekehrt.“

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Ifo-Chef Sinn legt nach

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  • @Ludwig500

    Wenn das BVerfG den ESM, EGAL in mit welchem Fingerzeig, durcgehen läßt. Wissen wir endgültig das der Faschismus, die Antidemokratie und der Unrechtsstaat da ist. Dann haben wir keine andere Wahl mehr.

    Zitat:
    "Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zu Pflicht!"

  • Was also will uns Raffelhüschen mtteilen, dass er sich jetzt quasi auf die Seite von Prof. Sinn schlägt?
    Oder hat auch er jettz so lagsam Angst was mit seinem Geld passiert?

  • Raffelhüschen ist außrdem mit verantwortlich für die Rentenkürzungen die Schröder vorgenommen hat zum Vorteil der Riesterrente
    Raffelhüschen ist ganhz stramm neoliberal

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