Euro in der Krise
Wie kommen wir da raus?

Die Deutschen ringen um die Zukunft des Euro. Und keiner gibt zu, wie wenig er weiß.
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Berlin/BrüsselDie jüngste Niederlage hat ihn siegessicher gemacht. Frank Schäffler, 42 Jahre, Finanzexperte der FDP, Euro-Gegner und Parteirebell: Ginge es nach ihm, bekämen die Griechen schon lange kein Geld mehr aus Deutschland. Die deutschen Steuerzahler müssten auch nicht für Irland oder Portugal bürgen. 22 Milliarden Euro soll Deutschland vom Herbst an für den europäischen Rettungsfonds aufbringen. Für einen wie Schäffler sind das 22 Milliarden Euro zu viel.

Am vergangenen Wochenende, beim Landesparteitag der FDP Nordrhein-Westfalen, brachte er seine Forderungen als Antrag ein – und scheiterte knapp. Am kommenden Wochenende, beim Bundesparteitag in Rostock, werde die Abstimmung anders ausgehen, daran glaubt Schäffler fest. »Die Basis tobt«, sagt er. »Viele Delegierte wollen sich nicht länger hinhalten lassen.«

750 Milliarden Euro nahmen die Regierungen Europas vor genau einem Jahr in die Hand, um die Probleme der Krisenstaaten zu lösen. Nun ist das Geld fast weg, die Probleme aber sind immer noch da. Griechenland steht vor der Pleite, Portugal und Irland wackeln. Europaweit rebellieren Bürger und Parlamentarier. In Deutschland, in den Niederlanden, in Finnland, wo die Euro-Skeptiker bei den jüngsten Wahlen 22 Prozent der Stimmen abräumten.

Es hat sich eingebürgert, von Europa als »Schicksalsgemeinschaft« zu sprechen. Doch nun erlebt dieses Europa seine Schicksalstage. In der kommenden Woche treffen sich die Finanzminister der 17 Euro-Staaten, um zu beraten, ob man den Griechen überhaupt noch helfen kann – und wie. Möglich, dass die FDP zu diesem Zeitpunkt beschlossen haben wird, dass Deutschland nicht mehr mitmacht. Verweigert die Regierungspartei der eigenen Regierung die Gefolgschaft, wäre das ein dreifacher Schaden – für die Partei, für die Koalition, für Europa.

All das ist typisch für die Krise des Euro: Internationale Entscheidungen haben nationale Folgen, das Nationale drückt aufs Internationale. Die Regierungen agieren unter enormem Zeitdruck. Und mit jedem Versuch, das Problem zu lösen, erschaffen sie zig neue. Es ist wie in einer antiken Tragödie: Es mag zwar Alternativen geben – aber alle erscheinen sie schrecklich.

1. Drama, Baby, Drama

Wenn Frank Schäffler redet, klingt es, als könne man die Probleme Europas mit der Präzision eines Chirurgen lösen. Ein einziger Schnitt, und alles wäre vorbei. Die Griechen haben zu viele Schulden angehäuft? Dann werfen wir sie aus der Währungsunion! Oder lassen sie pleitegehen! Deutschland wäre nicht länger Zahlmeister, die Griechen könnten frei von Spardiktaten agieren. Statt mühsam die Löhne zu senken, um wieder konkurrenzfähig zu werden, könnten sie die Drachme wieder einführen. Der Vorteil für Griechenland: Man könnte die eigene Währung beliebig abwerten, damit würden griechische Waren im Ausland billiger. Die Abkehr vom Euro verspräche ein Exportwunder ohne Schmerzen.

Diese Option klingt so verlockend, dass sie auch in der Bundesregierung erörtert wird. In verschiedenen Ministerien beschäftigen sich Regierungsbeamte mit den Details. Und sie rechnen. Das Ergebnis: Verließe Griechenland die Euro-Zone, käme das Deutschland teuer zu stehen.

Die Griechen haben ihre Schulden in Euro aufgenommen. Diese blieben auch nach Wiedereinführung der Drachme bestehen. Würde die Drachme dann gegenüber dem Euro deutlich abgewertet, könnten die Griechen ihre Euro-Schulden erst recht nicht mehr bezahlen. Die Staatspleite wäre perfekt.

Weil deutsche Banken sehr viel Geld in Griechenland verliehen haben – geschätzte 17 Milliarden Euro allein an den griechischen Staat–, müsste die deutsche Regierung bei einer Staatspleite erst einmal einige deutsche Banken retten. Auch die Europäische Zentralbank ist in Griechenland engagiert – angeblich mit 153 Milliarden Euro. Auch sie bräuchte wohl eine Kapitalspritze. Und der europäische Rettungsfonds hat 37,9 Milliarden Euro verliehen, ein Drittel der Verluste müsste Deutschland tragen.

All das wären freilich nur die direkten Kosten. Die indirekten wären weitaus größer – für die Deutschen und für die Griechen. Wie hoch sie genau wären, ist unkalkulierbar.

In Griechenland würden die Bürger die Banken stürmen, aus Angst vor der Zwangsumstellung und dem Wertverlust ihrer Sparguthaben. Das Bankensystem würde kollabieren, der Zahlungsverkehr zusammenbrechen. Das würde auch in Irland, Portugal oder Spanien drohen. Auch dort müssten Bürger und Investoren um ihr Geld fürchten. Panik wäre die Folge. Ein Land nach dem anderen könnte aus dem Währungsverbund herausbrechen. Für Deutschlands Steuerzahler hieße das: noch mehr Verluste, noch höhere Kosten. Das Ende der Währungsunion würde auf dem ganzen Kontinent eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

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Kommentare zu " Euro in der Krise: Wie kommen wir da raus?"

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  • Curley :

    Die ganzen Hilfen sind doch ein abgekartetes Spiel der weltweiten bzw. europaweiten Politiker und der Finanzwelt. Sie haben Ländern wie Griechenland Geld geliehen und fordern jetzt, dass diese Länder Staatsbesitz verkaufen sollen (Grundstücke, Immobilien - und das zu niedrigen Preisen).
    Mit der Finanzhilfe, die die Deutschen leisten sollen, nimmt man die Deutschen bewußt mit ins Boot. Da wir selbst ca. 2 Billionen Euro Schulden haben und die Rettungsschirme nun nochmals ungeheuere Summe kosten, wird folgendes passieren. Ein Land nach dem andern wird Pleite gehen und am Schluss auch Deutschland, dass nun seine geleistete Schuldenhilfe selbst nich mehr zurückzahlen kann.

    Nun hat man einen bequemen Weg gefunden eine Währungsreform einzuführen mit dem Hinweis darauf, dass Deutschland das ja nicht so gewollt habe und dass am ganten Debakel die verschuldetetn Südländer schuld seien.

    Eine Währugsreform ist dann eben wieder einmal alternativlos. Eine ganz lange eingefädelte Aktion des internationalen Bankenkartells. Diese ist dann den wertlosen Euro/Dollar los und besitzt nach er Währungsreform nun Flughäfen, Grundstücke, Immobilen etc.
    zum Nulltarif.

    Ihnen gehören dann sozuagen die Euroländer selbst. Das internationale Bankenkartell hat das sagen und bestimmt, was gemacht wird. Deswegen werden auch private Gläubiger (Banken) nicht an den Hilfen beteiligt. Die Banken wissen das, spekulieren weiter auf die Staatsbankrotte und verdienen dort fleissig Geld.

    Wer anderes glaubt ist ein Träumer !

  • Der Euro ist nicht in einer Krise. Er muß da auch nicht herausgeholt werden. Griechenland ist in einer Krise, weil sie weniger erwirtschaften, als sie verbrauchen. Und die Gläubiger von Griechenland sind in einer Krise, weil sie nicht das erhalten, was Griechenland ihnen zugesagt hat bzw. was Griechenland ihnen schuldet.

    Also werden sich die Gläubiger mit Griechenland darüber einigen müssen, ob sie länger auf Zahlungen warten und ob sie auf Teile der Zahlungen ganz verzichten. Dabei werden möglicherweise einiger Gläubiger selbst untergehen. Dann gibt es eben einige Banken weniger.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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