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Euro-Krise: Deutschlands Image, Merkels Beitrag

Merkel mit Hitler-Bärtchen, Merkel als Domina: Wie viel Schuld trägt die Kanzlerin daran, dass das Bild der Deutschen in den Euro-Krisenländern so schlecht ist?

von Carsten Luther und Alexandra Endres Quelle: Zeit Online
Merkel in einer Nazi-Uniform: So sehen die Zyprer die deutsche Kanzlerin. Quelle: dpa
Merkel in einer Nazi-Uniform: So sehen die Zyprer die deutsche Kanzlerin. Quelle: dpa

BerlinFür den spanischen Fernsehjournalisten Jordi Évole benimmt sich Angela Merkel wie eine Domina: Sie peitscht die Staaten der Euro-Zone aus, die sich schlecht benehmen. Es ist ein drastisches Bild, das Évole zeichnet. Er nutzte es schon im vergangenen Herbst. Damals gingen die Spanier gegen den Sparkurs ihrer Regierung auf die Straße; sie protestierten gegen Arbeitsmarktreformen nach deutschem Vorbild und gegen Steuererhöhungen. Heute, nach der Rettung Zyperns, ist das Domina-Image aktueller denn je.

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Dabei haben alle Euro-Staaten gemeinsam das Hilfspaket für Zypern beschlossen. Und dem Vernehmen nach war es gar nicht Angela Merkel, sondern der zyprische Regierungschef Nikos Anastasiades selbst, der im gescheiterten ersten Anlauf zur Rettung durchsetzte, auch die Kleinsparer zu belasten. Doch die Demonstranten in Nikosia interessiert das wenig. Ihre Wut richtet sich gegen die Bundeskanzlerin, die auf Transparenten erneut mit Hitler-Bärtchen und Hakenkreuz dargestellt wird. "Merkel, Du stiehlst unsere Ersparnisse", riefen sie auf den Straßen.

Proteste gegen die Sparauflagen Wie die Zyprer die Kanzlerin verunglimpfen

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Selbst seriöse Medien greifen in der Euro-Debatte gern zu Nazi-Vergleichen, seit griechische Zeitungen Angela Merkel vor einem Jahr als Nazifrau darstellten. Vor wenigen Tagen erst schrieb der spanische Ökonomieprofessor Juan Torres López in der Tageszeitung El País: "Wie Hitler hat Angela Merkel dem Rest des Kontinents den Krieg erklärt, diesmal, um sich wirtschaftlichen Lebensraum zu sichern." Online ist der Text inzwischen nicht mehr zu finden.

Eine Chronologie der Zypern-Krise

  • 25. Juni 2012:

    Zypern bittet die Eurozone um Hilfe, nachdem zwei große Banken im Fahrwasser der Griechenland-Krise Verluste von zusammen 4,5 Milliarden Euro erlitten.

  • 1. Juli:

    Ungeachtet der Krise übernimmt Zypern für ein halbes Jahr die EU-Ratspräsidentschaft.

  • 8. Oktober:

    Die EU drängt Zypern, einem Rettungsplan der Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) zuzustimmen. Dieser sieht Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst sowie eine Erhöhung der Mehrwertsteuer vor. Die Verhandlungen mit der regierenden Linkspartei Akel ziehen sich aber hin.

  • 3. November:

    Der "Spiegel" meldet unter Berufung auf einen Bericht des Bundesnachrichtendienstes, dass eine Rettungsaktion für Zypern vor allem Inhabern russischer Schwarzgeld-Konten nutzen würde. Russische Staatsbürger hätten bei zyprischen Banken 26 Milliarden Dollar (20,1 Milliarden Euro) gebunkert.

  • 22. November:

    Die zyprische Regierung beziffert den Finanzbedarf des Landes auf rund 17 Milliarden Euro.

  • 11. Januar 2013:

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drängt Zypern bei einem Besuch auf der Mittelmeerinsel zu Reformen.

  • 24. Februar:

    Der als Sparkurs-Befürworter geltende Konservative Nikos Anastasiades wird zum neuen Präsidenten Zyperns gewählt.

  • 4. März:

    Angesichts anhaltender Vorwürfe der Europartner, ein Paradies für Geldwäsche zu sein, stimmt Nikosia einer unabhängigen Prüfung der Finanzströme auf die Insel zu.

  • 16. März:

    Die Finanzminister der Eurozone und der IWF wollen Zypern mit bis zu zehn Milliarden Euro unterstützen. Die Differenz zu den ursprünglich verlangten rund 17 Milliarden Euro muss Nikosia durch höhere Staatseinnahmen aufbringen, etwa durch Privatisierungen und eine Anhebung der Unternehmenssteuer, vor allem aber durch eine Abgabe auf Bankeinlagen, die insgesamt 5,8 Milliarden Euro bringen soll.

  • 18. März:

    Unter öffentlichem Druck kündigt Nikosia an, das Rettungspaket zugunsten der Kleinanleger neu zu verhandeln. Die Banken bleiben vorerst geschlossen, um panikartige Abhebungen von den Konten zu verhindern. Die Eurozone fordert Nikosia am Abend auf, "Einlagen unter 100.000 Euro vollkommen zu garantieren".

  • 19. März:

    Die zyprische Regierung beschließt, Bankeinlagen von unter 20.000 Euro von der Zwangsabgabe auszunehmen. Dennoch fällt das Rettungspaket am Abend im Parlament durch - es gibt keine einzige Ja-Stimme. Vor dem Parlament jubeln tausende Menschen nach der Ablehnung.

  • 20. März:

    Zyperns Finanzminister Michalis Sarris verhandelt in Moskau über mögliche russische Hilfen, die Verhandlungen führen aber zu keinem Ergebnis. Die einflussreiche Orthodoxe Kirche auf Zypern bietet ihre Hilfe an: Sie will der Regierung ihr Vermögen zur Verfügung stellen.

  • 21. März:

    Zypern will anstelle der Zwangsabgabe auf Bankguthaben einen eigenen Rettungsfonds einrichten. Die EZB erhöht den Druck auf das Land: Sie erklärt, die zyprischen Banken ohne internationalen Rettungsplan nur noch bis zum 25. März mit Notkrediten zu stützen.

  • 22. März:

    Merkel warnt Zypern davor, die Geduld der Eurostaaten auszureizen. Am Abend stimmt das zyprische Parlament ersten Maßnahmen eines neuen Rettungsplans zu, darunter einem Gesetz zur Bankensanierung und der Einrichtung eines nationalen Solidaritätsfonds.

  • 23. März:

    Zyprische Medien berichten über eine Einigung zwischen zyprischer Regierung und Troika auf ein Konzept für die umstrittene Zwangsabgabe auf Bankguthaben.

  • 24. März:

    Der zyprische Präsident Anastasiades reist zu Verhandlungen nach Brüssel, wo auch die Euro-Finanzminister zusammenkommen. In der Nacht zum 25. März stimmen die Euro-Finanzminister dem Rettungspaket zu.

  • 25. März:

    Nach einem dramatischen Verhandlungsmarathon in Brüssel einigen sich Euro-Staaten, Internationaler Währungsfonds und Zyperns Regierung auf ein Hilfsprogramm von 10 Milliarden Euro. Großanleger müssen sich auf Verluste einstellen. Einlagen unter 100.000 Euro bleiben jedoch unangetastet.

  • 28. März:

    Erstmals seit fast zwei Wochen öffnen die Banken wieder. Allerdings gibt es für Abhebungen und den Zahlungsverkehr strenge Beschränkungen.

Für die deutsche Regierung ist das ein kaum aufzulösendes Dilemma: Zu Hause kritisierten die Wähler die Kanzlerin lange dafür, dass sie gegen anfänglichen Widerstand am Ende doch jedem Rettungspaket zustimmte. Im Ausland hingegen gilt sie als Eiserne Lady, die Europa mit viel zu harter Hand regiert. Viele Deutsche glauben, dass die Bundesregierung zu viel Steuergeld für riskante Rettungsmaßnahmen aufs Spiel setzt. In den Krisenländern finden dagegen viele, dass Deutschland großzügiger helfen sollte – schließlich hätten seine Exporteure in guten Zeiten auch vom schuldenfinanzierten Konsum des Südens profitiert. Dass beides nötig ist, Sparen und Hilfe, und dass es vor allem darum gehen sollte, die richtige Balance zwischen beidem zu finden, gerät zwischen den Fronten aus dem Blick.

  • 31.03.2013, 11:41 Uhrgünther schemutat

    Es ist gewollt das Angela Merkel bis hin zur Großaufnahme mit Naziuniform in allen Medien gezeigt wird. Die Leute
    die hier Kommentare entfernen lassen sind nicht die Redakteure vom Handelsblatt, dann hätten diese schon bei Schröder die Meinungsfreiheit abgeben können. Es sind
    die Mächte in Deutschland die alle Printmedien sowie Fernsehen und Radio jeden Tag kontrollieren. China ist dagegen ein freiheitliches Land gegen diese Leute die jeder Freiheitlicher Mensch kennt und bekämpft. Dümmliche Talkshows wo der Bürger indirekt vor dem Fernseher geschult wird und rund um die Uhr auf Linie gebracht wird,
    runden das Bild zusammen mit Vollblöd-Sendungen im Fernsehen ab. Gerechtigkeit der SPD und Grünen ist die Gerechtigkeit die sie bestimmen und die dann zählt.
    Hier mal ein Beispiel:

    Als der kleine Jakop von Gäfgen entführt und in einer Erdhöhle versteckt wurde, wurde ihm vom Polizeipräsidenten
    Daschner in Frankfurt nach seiner Verhaftung Folter angedroht um das Kind zu retten. Ein Protessturm ausgelöst von der SPD und Grünen kam über Daschner, bis zu seinen Rauswurf. Ein Kind mit allen Mitteln retten, dass in Todesangst in einem Erdloch sitzt, ist nicht Gerecht gegenüber dem Täter. Wir haben Gesetze.

    Das NSU Gericht wird von Özemir beleidigt weil es das Gesetz der Vergabe eingehalten hat und Özdemir spricht dem Gericht gesunden Menschenverstand ab. Wenn die Türken
    vorher ein wenig Energie in die Anmeldungen gesteckt hätten, dann würden Plätze warten. Aber man wollte das ganze in Wahrheit noch verschärfen und nun schlagen Türkei
    und Türkische Medien auf das Gericht ein mit viel Energie.
    Muss ich jetzt eine Uniform anziehen? Alle da draußen
    die auf Wache stehen sofort zum Telefon greifen.

  • 31.03.2013, 09:54 UhrMonotaur

    hallo Redaktion, wieso kann ich nicht mehr die Kommentare des meistkommentierten Artikels, Berliner Freie Wähler wechseln zur AfD, lesen? Das kann doch nicht wahr sein!

  • 30.03.2013, 13:21 UhrDrust

    Merkel hat Deutschland im Ausland beschädigt. Und im Inland hat Merkel keine Lösungen für die dringenden Probleme: Spitzenstrompreise, Rentenbetrug der Westrentner, kein Inflationsausgleich für diese Rentner und auch die meisten Arbeitnehmer, explodierende Kommunalabgaben, Verteuerung der wichtigsten Lebensmittel, Untergrabung der sozialen Sicherungsmaßnahmen, unnötige Privatsierungen in der Renten- und Pflegeversicherung mit höherem Risiko für die Bürger, Verpfändung der deutschen Bürger an EU-Rettungsschirme, die nicht dem EU-Recht entsprechen (keiner haftet für fremde Pleiteländer!), mehrfache Überschreitung von roten Linien in der Schuldenbekämfung etc., man könnte diese Liste unendlich fortsetzen. Und wegen Merkels Alternativlosigkeit ist nun die neue Partei "Alternative für Deutschland" enststanden, mit einem guten Grundsatzprogramm und einem gehörigen Stück Anti-Euro. Die EU muss gestutzt werden und auf den Teppich zurückehren. Gelder müssen gekürzt und der Bevormundungswasserkopf muss massiv schrumpfen und die Rechtskompetenzen gehören zurück in die Länder vor Ort, die näher am Bürger sind. Jetzt haben viele Millionen deutsche Bürger endlich eine gute Alternative, und die sollten sie im September gut nutzen, denn wer den Euro-Irrsinn, der immer teurer wird, aufkündigen will, muss mit Änderungen schnell beginnen. Die AfD kommt zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Programm, somit können sich alle Altparteien bis September noch warm anziehen. Es wird sich viel bewegen, weil die Bürger den Euro-Wahnsinn satt haben.

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