Euro-Krise
Die EZB als Allzweckwaffe

Die Erleichterung ist groß: EZB-Chef Draghi will alles tun, um den Euro zu retten. Dafür bekommt er Rückendeckung von Kanzlerin Merkel. Experten warnen jedoch vor den Folgen: Inflation und einer schwachen Währung.
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BerlinSo viel Rückendeckung lässt aufhorchen: "Die EZB ist trotz ihrer Unabhängigkeit in einer völlig gemeinsamen Linie", unterstrich Kanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in Ottawa. Gemeint war das Versprechen von EZB-Chef Mario Draghi, "alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten". Dies sei genau das Ziel, dem sich auch die EU-Regierungen verpflichtet fühlten, betonte Merkel. Sie hat Anlass zur Freude, denn damit hat die Politik die EZB mit ihren theoretisch unbegrenzten Finanzmitteln da, wo sie sie haben will: als Allzweckwaffe im Zentrum des Sturms an den Märkten, der zunehmend Italien und Spanien bedroht. Das muss nicht die schlechteste aller Lösungen sein, vielleicht ist es sogar die einzige, die funktioniert. Aber es belegt auch, dass die Politiker die Krise nicht alleine lösen können oder wollen.

Monatelang wurde in der Euro-Zone gestritten über ein Mittel gegen die immer höher steigenden Zinsen. Aber nichts ließ sich - vor allem gegen Merkel - durchsetzen oder versprach ernsthaft Aussicht auf Erfolg: Weder eine "Hebelung" der Rettungsschirm-Milliarden, noch eine "Banklizenz", geschweige denn "Euro-Bonds" oder ein Altschuldentilgungsfonds. Es ist wie bei Monopoly: Nach einer langen teuren Runde kommen die Regierungen zurück auf Los und freuen sich nun auf frisches Geld von der (Zentral)-Bank.

Wer sich in Koalition und Bundesregierung zu Draghi umhört, sieht derzeit viele zufriedene Gesichter. Natürlich sei die EZB völlig unabhängig, wird Stein und Bein geschworen - Hand auf's Herz! Aber es sei doch schön, dass sie das Richtige tue oder? Merkel drückte das dann in Kanada so aus: "Was der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, gesagt hat, haben wir vielfach politisch wiederholt." Fakt ist aber: Ohne die EZB hätte die Kanzlerin wegen Italien und Spanien wohl irgendwann vor der Wahl gestanden, den Rettungsschirm erneut aufzustocken oder doch noch bei den Euro-Bonds einzuknicken. Beides wäre in der schwarz-gelben Koalition aber kaum durchsetzbar gewesen.

Bei so viel Erleichterung, auch an den Börsen, wird schnell übersehen, welche Folgen es haben kann, dass Draghis EZB die abgekämpften Euro-Regierungen huckepack nimmt. "Damit gibt die deutsche Kanzlerin de facto einer Euro-Inflationierungspolitik - denn darauf läuft der EZB-Plan hinaus - ihren Segen", sagt Degussa-Volkswirt Thorsten Polleit. Das Feigenblättchen sei der Verweis auf "Konditionalität", Bedingungen also: Die EZB kaufe ja nur dann auch Anleihen, so Draghi, wenn sich die Staaten zu Reformen verpflichtet hätten und der Rettungsschirm zuvor selbst Anleihen angeschlagener Staaten gekauft habe - also im Notfall.

Kommentare zu " Euro-Krise: Die EZB als Allzweckwaffe"

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  • EZB soll unbegrenzt Anleihen kaufen

    Die Begründung der Befürworter ist, dass es der hohe Marktzins den Schuldnerstaaten unmöglich machen würde, ihre Wirtschaft zu reformieren.
    Hier werden Ursache und Wirkung verwechselt.
    Es ist genügend Geld vorhanden, das händeringend nach sicheren Anlagen sucht. Nun wird behauptet, besonders Spanien und Italien hätten schon viel zur Haushaltssanierung und zur Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit getan. Unglücklicherweise glauben nur unsere Politiker an den Erfolg dieser Maßnahmen, Politiker, die nicht ihr eigenes Geld riskieren. Diejenigen jedoch, die diesen Ländern ihr eigenes Geld anvertrauen sollen, glauben nicht an den Erfolg. Das ist der Grund für die hohen Zinssätze. Also, Spanien und Italien kommen nur aus der Klemme zwischen hohen Zinsen und Wirtschaftsreformen, wenn sie Maßnahmen ergreifen, die auch für die Investoren glaubhaft sind. Dann werden sie, ähnlich wie Deutschland, Geld zu niedrigen Zinsen nachgeworfen bekommen.

  • wenn einer sein Haus 23x so hoch verschuldet hat als es Wert hat, der ist Megapleite. nun will uns die verlogene politik einreden dass das Haus, die EZB in ihrer Megapleite nun unbegrenzt loslegen kann? kommt das aus dem Märchenbuch?

  • Die deutsche Politik ist zu feige, für deutsche Interessen einzutreten. Also bekommen wir erstmal Esperanto-Geld. So tuts nicht gleich weh, sondern langsam. Ein gigantischer Vermögenstransfer von Sparern zu Schuldnern wird in Gang gesetzt. Die folgenden Generationen werden dann für verarmte Rentner aufkommen müssen. Europa und der Euro ist nur noch negativ besetzt. So kann man eine große Idee kaputtregieren. Merkel und Schäuble werden ihren Platz neben Kohl bekommen. Es wird kein guter sein.

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