Euro-Krise
Ex-Kohl-Berater kritisiert deutschen Europakurs

Ex-Kohl Berater Horst Teltschik sieht finanzielle Transfers innerhalb Europas als selbstverständlich an. In der jetzigen Verschuldungskrise gehe es nicht nur um ökonomische, sondern vor allem um politische Fragen.
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Düsseldorf"Solidarität in und für Europa scheint zu einem Fremdwort geworden zu sein", schreibt Horst Teltschik, ehemaliger außenpolitischer Berater von Ex-Kanzler Helmut Kohl und Ex-Chef der Münchener Sicherheitskonferenz, in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. "Solidarität war aber von Anfang an innerhalb der Europäischen Gemeinschaft selbstverständlich. Sie war gewissermaßen das Bindemittel, das die Mitgliedstaaten zusammengefügt hat."

Finanzielle Transfers innerhalb der Gemeinschaft seien bis heute selbstverständlich. Davon habe auch Deutschland vor allem nach der Wiedervereinigung profitiert. Dass die wirtschaftlich starken Mitglieder mehr leisten müssen und die schwächeren mehr erhalten, sei am Ende selbst von Margaret Thatcher bei all ihrem britischen Eigensinn niemals grundsätzlich infrage gestellt worden. Heute gelten wir Deutsche als „Anführer der EU-Intoleranz“, so der neue italienische Ministerpräsident Mario Monti.

"Viele der Ratgeber aus Wissenschaft und Wirtschaft vergessen, dass es in der jetzigen Verschuldungskrise nicht ausschließlich um ökonomische Fragen geht.", schreibt Teltschik. "Die Integration Europas war von Anfang an zuallererst ein politisches Ziel und ist es bis heute." Die Einführung des Euros als gemeinsamer Währung sei für Bundeskanzler Helmut Kohl eine Frage von Krieg und Frieden gewesen. Er wollte mit diesem Schritt die europäische Integration „irreversibel“ machen und damit den Frieden in Europa dauerhaft sichern. "Das scheinen viele öffentlichen Ratgeber nicht wahrhaben zu wollen. Bundeskanzlerin Merkel habe deshalb recht, wenn sie immer wieder mit Nachdruck sage: „Wenn der Euro scheitert, scheitert die Europäische Union.“

Viele Verantwortliche in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft seien heute dabei, die Solidarität mit unseren europäischen Partnern aufzukündigen. Das alles spiele sich in einem Augenblick ab, in dem die Zukunft der Euro-Zone und damit das Schicksal der Europäischen Union maßgeblich von der Politik Deutschlands abhängen. "Unsere Partner erwarten gerade auch heute von der deutschen Politik konzeptionelle Beiträge zur Lösung der anstehenden Probleme", so Teltschik. 

Kommentare zu " Euro-Krise: Ex-Kohl-Berater kritisiert deutschen Europakurs"

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  • Was kriechen die denn jetzt alle aus ihren Löchern?
    Auftrag von Kohl?
    Diese Bande hat diesen Euro konstruiert, sie sind Schuld am heutigen Desaster.
    Nun sollen sie die Klappe halten

  • Horst Teltischiks gute Absichten in allen Ehren, aber er geht von einer falschen Voraussetzung aus: Die europäische Solidarität gibt es nicht und es hat sie auch früher nicht gegeben. Dass Deutchland Zahlmeister des Kontinents wurde, war kein Akt der Solidarität, sondern erkaufte uns die Duldung als Mitglied. Und wie wenig solidarisch die anderen sind, trat bei der Wiedervereinigung offen zutage. Es sollte doch eigentlich für jedes Land das natürlichste Recht sein, eine widernatürliche Teilung zu überwinden. Eine Gemeinschaft solidarischer Freundesnationen hätte sich darüber gefreut. Nicht so unsere EU-Partner: Sie forderten und erhielten die Aufgabe der D-Mark und jetzt die fortlaufende Alimentierung als Bedingung dafür, sich mit unserer Wiedervereinigung abzufinden. Lieber Herr Teltschik: Solidarität sieht anders aus.

  • Nach allem kann man sich nur noch wünschen, daß der EURO-Raum mitsamt dem sozialistischen EU-Politbüro möglichst bald untergeht. Die Anführer der bundesdeutschen Blockparteien und die vielen Teltschiks in den öfftl.-rechtlichen Medien gehören vor Gericht wegen Beihilfe zur Veruntreuung von Steuergeldern und Enteignung deutschen Volksvernmögens.

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