Euro-Krise „Die EZB wird zum Systemrisiko“

Die Zusicherung von EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass die Zentralbank bei den geplanten Anleihenkäufen nur in engen Grenzen agieren werde, überzeugt die Politik nicht. In Berlin ist man skeptischer denn je.
Update: 29.08.2012 - 12:30 Uhr 53 Kommentare
Das Euro-Zeichen vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main Quelle: dapd

Das Euro-Zeichen vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main

(Foto: dapd)

BerlinDie Kritik an der Europäischen Zentralbank (EZB) und ihren Plänen für den Ankauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder wird schärfer. Finanzpolitiker von CDU und FDP gingen mit der Krisenpolitik hart ins Gericht. Die SPD verlangt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Klarstellung über die Haltung der Bundesregierung zu den geplanten Staatsanleihenkäufen der Zentralbank.

Der neuerlichen Kritik vorausgegangene waren Einlassungen von Ex-EZB-Chefökonom Jürgen Stark im Handelsblatt. Sein Anliegen: Solidarität mit Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Dieser kämpft seit Wochen gegen die wundersame Geldvermehrung der Europäischen Zentralbank – zuletzt in der „Spiegel“-Titelgeschichte vom Montag. Stark pflichtet ihm nun bei. Die EZB sei in die "verbotene Finanzierung von Staatshaushalten" eingestiegen, habe mehrere "rote Linien überschritten", heize die Inflationsgefahr an und strebe eine "andere Geldordnung" in Europa an - "eine Geldordnung, für die die Bundesbank nicht stand, nicht stehen kann und nicht stehen darf".

Starks Kritik bezieht sich auf EZB-Chef Mario Draghi. Der hatte angekündigt, im Rahmen seines Mandats alles zum Erhalt des Euro zu tun. Trotz Vorbehalten der Bundesbank lässt Draghi derzeit ein neues Anleihenprogramm ausarbeiten, mit dem Staaten nach einem Antrag auf europäische Rettungshilfe auf Stützungskäufe der EZB am Geldmarkt hoffen können.

Die Pläne sieht auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, kritisch. Er warnte die EZB eindringlich davor, Krisenländern bei der Bewältigung ihrer Reformbemühungen durch Markteingriffe zu helfen. Bundesbankpräsident Weidmann habe völlig Recht, wenn er betone, dass die Anpassungsaufgaben in den Krisenländern erfüllt werden müssen. Daran führe kein Weg vorbei. „Jeder Intervention der Notenbank – ob durch Interventionen am Anleihemarkt oder großzügige Liquiditätsbereitstellung – kann strukturelle Probleme in Volkswirtschaften nicht lösen“, sagte Hüther Handelsblatt Online.

Wer jetzt zudem fordere, die EZB solle strategisch Staatsanleihen kaufen, der verändere letztlich das Mandat der Notenbank. „Geldpolitik und Finanzpolitik werden eng verwoben, die Autonomie der Notenbank gerät in Gefahr“, warnte der IW-Chef. „Ganz fatal wäre es, wenn noch Zinsgrenzen als Interventionsschwellen bekannt gegeben würden“, fügte Hüther hinzu.

"Bitter, dass Asmussen Weidmann in die Kniekehle tritt"
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53 Kommentare zu "Euro-Krise: „ EZB wird zum eigentlichen Systemrisiko“"

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  • It is becoming obvious that the German government doesn't want to solve the Euro-crisis. All possible solutions (from bonds to an active ECB) are being rejected.

    In the short term this is very profitable for Germany; it is the only country that actually makes money due to the crisis. An historic low rent enables Merkel to pretend all is well with the German economy because she vcan borrow cheaper than the rest of the EU.

    But this low interest is artificial; it is the result of fleeing capital from Spain, Italy and Greece. But when all capital has left these countries the interest rates of Germany will rise and rise and rise. Until Germany pays as much as the rest of Europe.

  • Solange die Menschen nicht wissen, wie das Geld und die Wurst gemacht werden, können sie besser schlafen.

    Würde der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,
    müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

    Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt. Ein einzigartiges Betrugssystem. Der ESM hat nahezu die gleichen Strukturen wie die FED. Die Versklavung wird damit auf EU Ebene hochgefahren.

  • Merkel und Schäuble sind Europas größtes Lügen-Duo:

    Rückblickend gewinntd er Satz von Merkel, "ss wird keine Eurobonds geben solange ich lebe" eine ganz andere Bedeutung. Oder vielmehr, es wird ganz klar warum sie das gesagt hat:

    Sie wusste ganz genau, dass die Eurobonds bzw. das was der normale Bürger unter Eurobonds versteht gar nicht nötig ist. Denn wie wir sehen kommt die Haftungs- und Schuldenunion über die EZB zustande. Den Weidmann braucht die Merkel doch nur, um den blöden Deutschen noch das Gefühlt zu geben, dass die Bundesregierung alles richtig macht!!
    Es ist ein Skandal!!! Merkel bentzt/missbraucht Weidmann für ihre Zwecke. Nicht nur, dass die Haftungs- und Schuldenunion droht, NEIN es droht die Lügen- und Vertragsbruchs-UNION.

    Euopa, Euro: Was für eine glorreiche Idee.

    Nicht nur, dass wir in Deutschland effektiv arbeiten müssen für unser täglich Brott, nein wir verdienen weniger dafür, und in Zukunft müssen wir von dem "WENIGER" noch etwas an die dreisten PIIGS füttern.

    Ich sage ganz klar: Wer den EURO in eine LIRA oder in PESETEN umwandeln will, der soll das tun. Aber voher lasst uns bitte aussteigen und im Norden den ursrpünglichne Euro weiterplfegen.

    Weichwährungen passen einfach nicht zu ein Land, das auf Zuverlässigkeit und Innovation setzt. Das muss man klar sehen.

  • 'Rainer_J' sagt
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    Wenn das so weitergeht, wird es Dollar-Läden geben, in denen man Sachen für Dollar kaufen kann, die man für Euro nicht bekommt. Mit "Benzin" ist es ja fast schon so.
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    Ihre Sozialisation in der Ostzone scheint Ihnen doch arg Probleme zu machen.

    Eingebauter Loser-Komplex?

    ...

    Versuchen Sie doch 'mal, an Ihrer Tankstelle mit US-Dollars zu bezahlen.

    Und bericheten Sie hier bitte über das Resultat ihrer Bemühungen.

  • 'Toller_Beitrag' sagt
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    Erstaunlich wie in diesem Forum Leute als per se "kompetent" bezeichnet werden, nur weil sie eine bestimmte, wie sich gerade zeigt, zum Scheitern verurteilte Sparwahnpolitik propagiert.
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    Das Sparpolitik nicht zum Scheitern verurteilt ist, sondern zu nachhaltigem Wachstum und einem ausgeglichenen Haushalt führen kann können Sie in Deutschland beobachten.

    Und auch in ein paar anderen Ländern.

  • 'Wuest' sagt
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    Wieder werden die Zinsen massiv manipuliert. Nun von der EZB, indem sie einen Zinskorridor definiert, den sie für das Begeben von Staatsanleihen garantiert. Für mich ist das systematische Ausschaltung aller Gesetzmäßigkeiten eines Marktes. Da kann auch gleich ein simpler Schuldenschnitt auf Kosen der Steuerzahler durchgezogen werden. Der wäre wenigstens ehrlich!
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    Und auch wesentlich teurer - wegen der systemischen Effekte eines Schocks.

    Konnte man beim Lehmann-Schnitt doch schön beobachten, nicht wahr?

    Abgesehen davon sind - soweit ich der Diskussion folge, nur Eingriffe bei Marktstörungen geplant.

    Der Markt wird also nicht ausgeschaltet, sondern eingeschaltet wenn er sich selbst ausschaltet.

    +++

    'Wuest' sagt
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    Das permanente Verlagern von astronomischen Schulden auf Schatten-Konten löst kein Problem, es verschärft die Probleme, weil in jeder dadurch gekauften Stunde weitere Schulden gemacht werden.
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    Was sollen das für "Schattenkonten" sein, bitte?

    Vin was für "astronomischen Schulden" belieben Sie zu schwadronieren?

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    'Wuest' sagt
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    Seit der Lehman-Pleite 2008 hat Europa sage und schreibe eine weitere Billion € Schulden gemacht. Brava - Europa!
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    Während wir in ein paar Tagen den USA zur sechzehnsten vollendeten Schuldenbillionen gratulieren können.

    Immerhin sechs Billionen mehr als im Jahre Lehmann. Zwar bloß Dollar, und nicht Euro. Aber trotzdem - ein Haufen Holz.

    Und über eine Billion mehr jedes Jahr.

    Romney will die Unternehmenssteuern senken.

    Soll durch den Verkauf arbeitsfähiger Kranker an China finanziert werden (unbestätigtes Gerücht).

    ...

    Deshalb mußte ja auch zu Ablenkungszwecken die "Eurokrise" erfunden werden.

    Damit die Asiaten nicht ihr Geld abziehen.

    Und die Schuldenparty noch ein bißchen weiter gehen kann.

  • 'berkmann' sagt
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    Dass Südeuropäer und Nordeuropäer unterschiedliche Vorstellungen von Geldpolitik und Inflation haben, ist ja schon länger bekannt.
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    Allerdings ist das Primat der Geldwertstabilität in den eruropäischen Verträgen als Mandat der EZB festgelegt worden.

    Weshalb sich jetzt niemand plötzlich auf "unterschiedliche Vorstellungen" berufen kann.

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    'berkmann' sagt
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    Das ist ja einer der Gründe, warum der Euro auf Dauer nicht funktionieren kann.
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    Wer meint, daß die Verträge nicht mehr gelten, muß sich eine andere Währungsunion suchen.

    Und schon funktioniert es wieder. Und zwar auf Dauer.

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    'berkmann' sagt
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    Jetzt spielen plötzlich allen in Berlin überrascht, weil Herr Draghi angekündigt hat, unbegrenzt Geld drucken zu wollen.
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    Das hat Herr Draghi nicht angekündigt.

    Bitte bei der Wahrheit bleiben!

    Und nicht auf die Lügenmärchen der Anti-ESM-Euro-Alles-Fundamentalisten 'reinfallen.

  • 'Ernst' sagt
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    Merkel seit 2005 und Schäuble seit 2009 haben seelenruhig bei der riskanten Finanzpolitik einiger Euroländer, speziell GR, zugeschaut und sie damit indirekt noch gefördert.
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    Was hätten diese Länder denn Merkel im Jahr 2005 gesagt, wenn die sie zu weniger Schuldenmachen aufgefordert hätte?

    Sie hätten sich die unverschämte deutsche Einmischung in ihre Angelegenheiten verbeten.

    Denn das tun sie ja selbst jetzt, obwohl sie mittlerweile in offenkundigen Schwierigkeiten stecken.

    Und sie hätten mit großer Geste auf die "Märkte" (=bekiffte Dummzocker in London, Paris und Frankfurt) verwiesen, die ihnen mit Kußhand so viele Kredite zu billigsten Zinsen geben wie sie wollen.

    ...

    Jetzt soll also Deutschland auch noch an der Schuldenorgie der PIGS Schuld sein.

    Haben Sie vielleicht zu viele Propagandafilme über deutsche Greueltaten gesehen, und leiden jetzt unter einem Schuldkomplex?

  • 'Widerstand' sagt
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    Das zentrale Problem ist nicht die EZB, sondern der Euro.

    Die Fehlbewertung des Euro im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung der beteiligten Staaten führt für die unter diesen Bedingungen (=keine Abwertung möglich) nicht wettbewerbsfähigen Südstaaten direkt in die Arbeitslosigkeit und Verelendung. Der Euro vernichtet im Süden in ganz großem Stil Produktionspotenzial, d.h. der Süden verarmt systematisch.
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    Es ist nicht der Euro, der das Produktionspotential des Südens vernichtet.

    Sondern die maßlosen Lohn- und Preiserhöhungen in diesen Ländern.

    Lohnsumme/Preisindex 2001 - 2011

    Deutschland 16,1% - 18,1%
    Portugal 29,6% - 26,3%
    Italien 35,1% - 25,5%
    Frankreich 36,2% - 20,8%
    Irland 48,7% - 21,4%
    Spanien 49,8% - 32,4%
    Griechenland 53,7% - 39,1%

    It's not the currency, stupid.

  • O-Ton Handelsblatt
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    Dieser kämpft seit Wochen gegen die wundersame Geldvermehrung der Europäischen Zentralbank – zuletzt in der „Spiegel“-Titelgeschichte vom Montag.
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    Wundersam ist diese "Geldvermehrung der Europäischen Zentralbank" in der Tat.

    Denn Juli war die Geldmenge gerade 'mal 3,2% höher als ein Jahr zuvor.

    Und seit 2010 ist die Geldmenge mit einer durchschnittlichen Jahresrate von 2,5% gestiegen.

    ...

    Das seit Jahren von Goldspekulanten und Crashpropheten, zu denen sich jetzt anscheinend das Handelsblatt gesellt hat, prophezeite "massive Gelddruckerei" ist das doch nicht gerade.

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