Euro-Krise
IG-Metallchef Huber plädiert für europäische Wirtschaftsregierung

Die Forderung von IG-Metallchef Berthold Huber ist in Deutschland nicht sehr populär. Er will eine einheitliche und demokratisch legitimierte europäische Wirtschaftsregierung.
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BerlinIG-Metall-Chef Berthold Huber nennt in einem Gastkommentar für das Handelsblatt die "mangelnde Fantasie und damit verbundene mangelnde Entschlossenheit einer überwiegend technokratischen Politiker-Elite" als größte Gefahr für Europa. Die EU stecke in ihrer tiefsten Krise, die lasse sich aber mit Mut und politischem Willen überwinden: "Ich kann James K. Galbraith nur zustimmen: Eine einheitliche europäische Struktur wäre größer und mächtiger als die Finanzmärkte."

Konkret schlägt Huber vor, eine "einheitlich agierende, demokratisch legitimierte und mit Weisungsrecht ausgestattete europäische Wirtschaftsregierung" zu schaffen. Es reiche nicht aus, europaweit eine strikte Schuldengrenze durchzusetzen. Europa müsse gleichzeitig die Staatsfinanzen konsolidieren und sinnvolle europäische Investitionsprojekte anschieben.

Als weitere europäische Aufgabe nennt der Gewerkschaftschef die Energiewende: "Sie bietet die große Chance, ein politisch verbindendes und ökonomisch erfolgreiches Europa-Projekt zu initiieren, ein großes Investitionsvorhaben, das wirtschaftliche Dynamik entwickelt und sich am Ende rechnet." Was die Finanzierung angeht, hält Huber es für sinnvoll, Vermögende zu beteiligen: über eine fest verzinsliche "Zukunftsanleihe".

Huber wendet sich gegen chauvinistische Töne in der Debatte wie das "Märchen von arbeitsfaulen und früh verrenteten Südeuropäern." Mittlerweile verlaufe die Debatte anders, nämlich entlang der Linie: keine deutschen Steuergelder für die verfehlte Schuldenpolitik der anderen. Darin entdeckt der IG-Metallchef sowohl einen richtigen Kern - die Konsolidierung - als auch eine Aufforderung zum nationalen Alleingang, den er klar ablehnt.

Für Huber sollte das überwölbende Motto immer noch Willy Brandts Wort von 1979 sein: "Es gehört uns allen, dieses Europa!"

 

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " Euro-Krise: IG-Metallchef Huber plädiert für europäische Wirtschaftsregierung"

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  • Tja, wo man hinschaut nur Flaschen und Idioten. Wir bekommen halt das, was wir verd.... ähmmmm gewählt haben. Demokratie und Markwirtschaft funktionieren prächtig.

  • Woher nimmt der IG-Metallchef Huber sich das Recht eine europäische Wirtschaftsregierung zu fordern???
    Wurde diese Aussage mit den IGM-Mitgliedern jemals diskutiert?
    Seit seinem Amtsantritt, hat die IGM-einen Mitgliederschwund im Land zu verzeichnen, möchte er die fehlenden Mitglieder nun in Europa rekrutieren???
    Glaubt er denn wirklich, diese europäische Wirtschaftsregierung wäre besser (wo ist der Beweis)???
    Gehört er auch schon zu den Abwicklern der BRD???
    Bis zum heutigen Tag, hat man von ihm zu allen aktuellen Problemen nichts gehört.
    Es drängt sich mir die Frage auf, stehen Wahlen bei der IGM an???
    Oder läuft er sich für die Bundestagswahlen schon warm???
    Ich möchte nur an seinen Kollegen Riester erinnern, der war auch mal Minister, leider mit sehr wenig Erfolg.
    Herr Huber sollte lieber bei seinem Leisten bleiben, als Politiker ist er nicht gerade erste Sahne.
    Er soll/muß seine ganze Kraft für die Arbeitnehmer/Mitglieder in der BRD einsetzen, sonst nichts.
    Danke

  • Nun ja, als "Naturkräfte" kann man die Auswüchse der Märkte wohl eher nicht bezeichnen. I die Finanzpolitik gehört,wie in anderen Politikbereichen üblich, eine solide Ordnungskomponente. D.h., wenn bestimmte Benchmarks überschritten werden muß der Staat oder die EU (je nachdem wie dies politisch gewollt ist) einen Riegel vorschieben. Aus Gründen des Gemeinwohls! (Dies hat nichts mit Gemeinheit zu tun und darf sich auch nicht, wie das Wort schon zeigt, auf Partikularinteressen reduzieren.)

    Ansonsten sollten alle Eurosceptics mal daran denken, wie sich die Deutschen fühlen , wenn der wildgewordene "Börsenderwisch" auf die Idee kommt gegen Deutschland zu wetten! Wetten dass dann alle rufen: Wo ist Europa? Wer hilft jetzt uns? Die Thatcher´sche Devise "I want my money back" funktionierte nicht in UK (die langfristigen Folgen sind gerade zu beobachten), wird in D´land nicht funktionieren und eben auch nicht in der EU.
    MfG A.K.

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