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Euro-Krise: Merkel lässt Haftungsfrage bei Bankenhilfen offen

Bundeskanzlerin Merkel lässt offen, wer bei künftigen Bankenhilfen aus dem Rettungsschirm ESM haftet. Die Hilfen seien ohnehin erst möglich, wenn eine gemeinsame europäische Bankenaufsicht eingeführt worden sei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel lächelt in Berlin während einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt. Quelle: dapd
Bundeskanzlerin Angela Merkel lächelt in Berlin während einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt. Quelle: dapd

Berlin Auch künftig wird es nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Eurozone nur Hilfen geben, wenn zuvor Kontrollen und Bedingungen vereinbart wurden. Im ZDF widersprach sie zudem am Sonntag, dass bereits eine Entscheidung gefallen sei, wer bei künftigen direkten Bankenkrediten aus dem Euro-Rettungsschirm ESM hafte. "Dazu haben wir uns überhaupt abschließend nicht geäußert." Ohnehin seien direkte Bankenhilfen erst möglich, wenn eine europäische Bankenaufsicht eingeführt worden sei, die direkte Eingriffsrechte in nationale Institute habe. Dann sei eine ganz andere Kontrolle möglich. Dies sei eine Zukunftsaufgabe, über die auch der Bundestag zuvor entscheiden werde.

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So viel kostet Europa

  • Rettungsfonds EFSM

    Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

  • 1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

    Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

  • Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

    Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

  • EZB-Staatsanleihenkäufe

    Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

  • IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

    Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

  • Geplanter ESM

    Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

  • Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

    Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

  • Target-Verbindlichkeiten

    Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Hintergrund sind widersprüchliche Aussagen von Finanzminister Wolfgang Schäuble und dem EFSF-Chef Klaus Regling darüber, ob bei künftigen Hilfen durch den ESM der Rettungsschirm oder die betroffenen Staaten haften. Der Euroregierungen hatten dies in ihrer Erklärung auf dem Gipfel Ende Juni offengelassen. Merkel wies alle Versuche südlicher Euroregierungen zurück, Hilfen ohne Bedingungen durchsetzen zu wollen. "Alle Versuche (...) zu sagen, ach, lasst uns doch Solidarität üben und trotzdem keine Kontrolle machen, trotzdem keine Auflagen machen, alle diese Versuche werden mit mir, mit Deutschland keine Chance haben", betonte die Kanzlerin. Auch Deutschland dürfe nicht überfordert werden. Die Bundesrepublik stehe im weltweiten Wettbewerb und müsse sich dort behaupten.

Die Beschlüsse des Euro-Gipfels im Überblick

  • Direkte Bankenhilfe

    Um den Teufelskreis zwischen angeschlagenen Banken und Staatsfinanzen zu durchbrechen, sollen Geldhäuser direkt aus dem Rettungsfonds ESM rekapitalisiert werden, heißt es in der Gipfelerklärung. Durch die Notkredite wird sich dann die öffentliche Verschuldung nicht mehr erhöhen - und die Zinsen könnten sinken. Mit dem Beschluss wird eine Kernforderung Spaniens erfüllt. Aber auch Irland wird in Aussicht gestellt, davon Gebrauch machen zu können, um die Schuldentragfähigkeit zu erhöhen. Die Hilfe soll an „angemessene Bedingungen" geknüpft werden.

  • Bankenaufsicht

    Voraussetzung für die direkte Bankenhilfe ist eine effiziente Aufsicht auf der Euro-Ebene. Die Kommission wurde beauftragt, in Kürze einen Vorschlag für einen entsprechenden Mechanismus zu präsentieren, an dem die Europäische Zentralbank beteiligt sein soll. Die Mitgliedsstaaten werden aufgerufen, den Gesetzesvorschlag vordringlich bis Ende des Jahres zu prüfen.

  • Rettung für spanische Banken

    Das bereits zugesagte Rettungsprogramm für die spanischen Banken soll so schnell wie möglich beschlossen werden. Anders als bislang vorgesehen, sollen die Kredite der Europartner keinen Vorrang vor Krediten der Privatgläubiger haben, wenn das Geld aus dem ESM kommt. Im Falle einer Pleite müssten die öffentlichen Geldgeber also genauso verzichten wie die Privatwirtschaft.

  • Spar- und Reformverpflichtungen

    Länder, die den Brüsseler Spar- und Reformverpflichtungen nachgehen, erhalten einen erleichterten Zugang zu den Rettungsschirmen. Wenn sie die Instrumente - etwa den Aufkauf von Staatsanleihen durch den Fonds - nutzen, müssen sie sich keinem zusätzlichen Anpassungsprogramm unterwerfen. Sie müssen lediglich eine Vereinbarung unterzeichnen, dass sie die Vorgaben aus dem Stabilitäts- und Wachstumspakt und die Hausaufgaben der Kommission fristgerecht erfüllen. Das ist ein großes Entgegenkommen an Italien, das bislang aus Sorge vor den strengen Konditionen vor dem Griff zum Eurotropf zurückgeschreckt war.

  • Zeitplan

    Die Eurogruppe soll die Beschlüsse bis zum 9. Juli umsetzen.

  • Europäische Integration

    Die Vertiefung der Eurozone wird vorangetrieben. Die Euro-Chefs einigten sich auf die Baustellen: Den Aufbau einer Banken-Union, einer Fiskal-Union und einer politischen Union. Im Arbeitspapier der Vierergruppe um EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy findet sich weiterhin der Unterpunkt einer schrittweisen Ausgabe von Gemeinschaftsanleihen. Die Bundesregierung wies die Mutmaßung von Italiens Ministerpräsident Mario Monti zurück, damit sei die Tür zu Euro-Bonds geöffnet. Über die Inhalte soll erst auf dem nächsten Gipfel im Oktober gesprochen werden.

SPD-Fraktionsvize Joachim Poß verlangte eine eindeutige Aussage der Bundesregierung. "Schäuble muss umgehend Klarheit schaffen, ob es im Falle der direkten Bankenhilfe zukünftig bei der staatlichen Haftung bleibt oder nicht", sagte er der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. Der Widerspruch zwischen Schäubles Äußerungen einerseits und den Aussagen Reglings, Junckers und Rehns andererseits "belastet schon die anstehenden Entscheidungen im Bundestag", warnte der Sozialdemokrat mit Blick auf die Sondersitzung am Donnerstag, bei der über die Hilfe für Spaniens Banken abgestimmt wird. Merkel betonte, dass für diese geplante Unterstützung der spanische Staat hafte. "Das sind unsere Maßstäbe", sagte sie in dem ZDF-Interview, das am Sonntagabend ausgestrahlt werden sollte.Aus Diplomatenkreisen in Brüssel verlautete, es sei noch offen, ob der ESM bei einer Rekapitalisierung von Banken einen Teil der Anteile übernehme, der spanische Staat aber ebenfalls einen Teil. So würde Madrid mithaften, jedoch nicht für die ESM-Anteile.

Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte für die Sondersitzung des Bundestages eine eigene schwarz-gelbe Mehrheit, aber keine Kanzlermehrheit voraus. "Es geht nicht um die Wahl eines Kanzlers. Wir werden die erforderliche Mehrheit bringen", sagte der CDU-Politiker der "Welt am Sonntag". Die Opposition sieht die Frage der Kanzlermehrheit wie üblich ganz anders. "Alles andere als die Kanzlermehrheit ist eine Niederlage und ein Zeichen für die Erosion der Macht der Kanzlerin", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann. "Wenn Volker Kauder die Kanzlermehrheit als Ziel aufgibt, ist das eine Kapitulationserklärung." Ähnlich äußerte sich Oppermanns Amtskollege bei den Grünen, Volker Beck. Die Führung der Unionsfraktion sei sich bei der Hilfe für Spanien nicht der Unterstützung in den eigenen Reihen sicher. Deshalb senke Kauder mit Absicht die Erwartungen an das Abstimmungsverhalten der Koalition. "Die Koalition ist europapolitisch nicht mehr gestaltungsfähig", resümierte Beck.

Auch zu einem weiteren Sorgenkind in der Eurozone hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel geäußert. Sie hat Griechenland zur Einhaltung von Absprachen aufgefordert, will aber vor einem Urteil über weitere Hilfszahlungen erst den Bericht der internationalen Gläubigertroika abwarten. "Ich halte die Verbindlichkeit von Absprachen schon für ein hohes Gut", sagte Merkel am Sonntag im ZDF. Erst die Verletzung von Verträgen habe die Europäer in eine schwierige Krise gebracht, in der sie jetzt seien. Allerdings müsse man zunächst das Urteil von Europäischer Zentralbank, EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfonds abwarten. Erst auf dieser Grundlage seien Entscheidungen möglich. "Deshalb müssen wir noch ein paar Wochen warten."



  • 16.07.2012, 15:50 Uhrmargrit117888

    Hier läuft exakt eine Hinsendung zu einem 2. 1033 ab.
    Hitler wäre nie an die Maht gekommen, wenn nicht Großkonzerne und Banken ihn finanz. getützt hätten, denn Hitlers Partei, die NSDAP war bettelarm und hätte nichts erreichen können
    Und wer stützt Merkel in ihrem Deutschland-Vernihtugns-Treiben? die Groß- und Finanzindustrie

    Was die Erfahrung aber und die Geschichte lehren, ist dieses, dass Völker und Regierungen niemals etwas aus der Geschichte gelernt und nach Lehren, die aus derselben zu ziehen gewesen wären, gehandelt haben.
    Georg Wilhelm Friedrich Hegel

  • 16.07.2012, 15:29 Uhrmargrit117888

    Tabu
    ja, daran erinnere ich mich auch noch.
    Man hat seit der EWG den Fehler gemacht, dass von jedem Land Geld nach Brüssel gezahlt wurde, Brüssel dann die EU quasi zur Planwirtschaft machte, den Bauern vorschreibt, was und wie viele sie zu produzeiren haben usw., das haben wir bis heute und das muß abgeschafft werden

  • 16.07.2012, 15:25 Uhrmargrit117888

    Bair
    dem kann ich zustimemn.
    Wir können doch längst eine große Verostung unseres Landes festellen.
    Das Gespräch gestern mit Merkel auf ZDF war derart hohl. Sie legte sich doch in nichts mal wirklich fest. Sie machte keine klaren Aussagen
    Ich ahbe fast das Gefühl,. Deutschlands Ende ist längst eingeläutet und zwar von den eigenen Politikern, das ist das, was eigentlich so verwundert.
    Wir werden uns noch wundern, was demnächst hier noch alles kommt

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