Euro-Krise
Ökonomen drängen Merkel zu Führungsrolle

Führende Ökonomen in Deutschland sehen in der Stabilisierung der Euro-Zone die zentrale Herausforderung für die Politik im kommenden Jahr. Aus Sicht der Experten kommt dabei der Bundesregierung unter Kanzlerin Merkel die entscheidende Rolle zu.
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DÜSSELDORF. Deutschland mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse für die Stabilisierung der Europäischen Währungsunion in die Vorlage gehen. "Uns kommt in Europa die Führungsrolle zu", sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, Handelsblatt Online. Auch für Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE, bleibt die Stabilität des Euro das wichtigste Thema. Deutschland habe der Euro viele Vorteile gebracht, sagte Heise Handelsblatt Online. "Die aktuell gute wirtschaftliche Lage in Deutschland wäre ohne ihn so nicht gegeben." Deutschland habe daher eine Führungsrolle im Hinblick auf die Stabilisierung der Gemeinschaftswährung.

Nach Ansicht Heises sollte die Bundesregierung mehrere Prioritäten bei der Euro-Rettung setzen: Nötig sei eine rasche Einführung des neuen Defizitverfahrens der EU mit schnelleren Sanktionsmechanismen bei finanzpolitischen Verfehlungen, eine rasche Konkretisierung des geplanten Frühwarnsystems für makroökonomische Ungleichgewichte, klare Kommunikation der Euro-Gruppe an die Finanzmärkte, dass die Eurozone keinesfalls gefährdet sei, so dass staatliche Insolvenzen keine Rechtfertigung haben. Die Eurozone werde auch eine Phase erhöhter Spreads für Länder wie Spanien oder Italien durchstehen, fügte der Allianz-Chefökonom hinzu. "Neue Hilfsgelder in Aussicht zu stellen, wäre zum jetzigen Zeitpunkt kontraproduktiv."

Für zügige Reformen auf EU-Ebene plädiert auch Wolfgang Franz, Deutschlands oberster Wirtschaftsweiser und Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. "Um künftig finanzpolitisches Fehlverhalten von Euro-Ländern möglichst zu verhindern, sollte zum einen der Stabilitäts- und Wachstumspakt wieder gehärtet werden", sagte Franz Handelsblatt Online. "Zum anderen ist nach Auslaufen des derzeitigen Rettungsschirms ein funktionstüchtiger Krisenmechanismus für von Zahlungsunfähigkeit bedrohte Staaten vorzusehen, der eine Beteiligung der privaten Gläubiger einschließt."

Das fordern auch Kai Carstensen, Konjunkturchef des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) und Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). "Aus ökonomischer Sicht ist es notwendig, dass das Haftungsprinzip - ein Grundprinzip jeder funktionierenden marktwirtschaftlichen Ordnung - auch für Gläubiger eines Staates Gültigkeit besitzen muss", sagte Carstensen Handelsblatt Online. "Dies bedeutet, dass Forderungsausfälle nicht auf die Allgemeinheit abgeschoben werden dürfen." Essentiell sei daher, das Prinzip "Haircut vor Hilfe" durchzusetzen. "Es besagt, dass die privaten Gläubiger an der Lösung des Problems einer übermäßigen Staatsverschuldung beteiligt werden müssen", erklärte der Ifo-Ökonom und fügte hinzu: "Ich hoffe, dass die deutsche Politik sich mit Nachdruck dafür einsetzt und auch dann nicht einknickt, wenn der Gegenwind heftig ist."

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  • "Defizitverfahrens der EU mit schnelleren Sanktionsmechanismen bei finanzpolitischen Verfehlungen"
    Diese Sanktionen würden die Lage der im Not geratenen Ländern nur verschlechtern, besser wäre einfach die Verfehlungen zu verhindern.
    Es könnte sogar so sein dass eine neue, bessere Regierung für die Verfehlungen der alten Regierung sanktioniert wird. Und das wäre bestimmt nicht hilfreich für die neue Regierung.
    Aber ohne anderen zu bestrafen kommt man in Deutschland anscheinend nicht klar. Ewige besserwisser!

  • @[28] Morchel,
    mein Vorschlag kann ich nur wiederholen; Deutschland raus aus der EU und EURO.
    Die Deutsche sind unreif für Europa.
    Die ganze europäische Geschichte beweist es.
    Der Deutsche sucht nur seinen Materiellen Vorteil.
    Schon damals als die Teutonen ins Römischen Reich eingefallen sind um zu plündern.
    Konstruktiv für Europa waren die Deutsche nie.
    Warum sollte sich das jetzt ändern?
    Schauen Sie doch nur wie sie sich jetzt verhalten!
    Europa sollte zuerst ohne Deutschland zusammen kommen, danach darf Deutschland wenn gewünscht aufgenommen werden.

  • @ Poilu Du schwadronierst zu viel Unsinn, Aurichtigkeit steht Dir besser zu gesicht das Grosskapital ist international. Das wir wie alle anderen nicht nur saubere Geschäfte durchziehen ist klarrr, nur solltest Du als Wadenbeisser versuchen konstruktiv positiv auf Veränderungen hinarbeiten.

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