Euro-Krise
Rating-Riese warnt Bundestag vor Ausweitung des Rettungsschirms

Ratingagenturen spielen Schiedsrichter: Der Bundestag laufe Gefahr bei der Euroschirm-Erweiterung Deutschlands Top-Bonität zu gefährden, warnt S&P. Die CDU ist empört und warnt vor falschen Einschätzungen.
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BerlinBei der geplanten Stärkung des Euro-Rettungsschirms könnte nach Einschätzung von Standard & Poor's auch Deutschland ins Visier der Ratingagentur geraten. Die verschiedenen Alternativen zur Reform des Rettungsschirms EFSF könnten sich auf die Kreditwürdigkeit auswirken, sagte S&P-Experte David Beers. Das gelte auch für führende Euro-Zonen-Ländern wie Deutschland oder Frankreich.

Am Donnerstag soll der Bundestag über die umstrittene Aufstockung der Kreditgarantien für die EFSF entscheiden. In diesem Zusammenhang warnte Beers Deutschland, die eigene Wirtschaftskraft nicht zu überschätzen.

Zwar sei es noch ungewiss, wie die Politiker die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) stärken wollen und wie effektiv diese Maßnahmen dann seien. Deshalb sei es noch zu früh, um die Auswirkungen im Detail festzumachen. Doch in der Euro-Zone setze sich die Erkenntnis durch, dass die Hebelwirkung des EFSF nicht ohne Risiko und Kosten weiter ausgebaut werden könne. „Wir erreichen den Punkt, wo der Garantie-Ansatz im Sinne des EFSF an seine Grenzen stößt“, sagte der bei S&P für Länder-Ratings zuständige Beers.

In der Berliner Koalition stieß die Einschätzung von S&P auf harsche Kritik. „Die Ratingagenturen sollten sich zurückhalten, auf der Grundlage von Spekulationen Öl ins Feuer zu gießen“, sagte der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach, Handelsblatt Online. Das Volumen der EFSF bleibe unverändert. „Es gibt also keine neuen Erkenntnisse, die die Ratingagenturen zu einer anderen Einschätzung bewegen könnten.“ Außerdem sei noch nicht entschieden, wie die Schlagkraft der EFSF erhöht werden soll. „Auf dieser Grundlage kann man schlecht eine Aussage über die Entwicklung des Ratings von Deutschland treffen.“

Die Wachstumskraft der deutschen Wirtschaft werde von vielen Ökonomen überschätzt, sagte dagegen Beers. Aber auch sie müssten erkennen, dass das Schicksal der deutschen Wirtschaft unaufhaltsam mit dem der Nachbarn verbunden ist. Die Deutschen könnten sich dem nicht entziehen. „Die Vorstellung, dass sie sich irgendwie entkoppeln können, wird jetzt durch die Wachstumszahlen und bis zu einem gewissen Grad auch durch ihre Finanzleistung diskreditiert.“

Der EFSF soll nach einem Beschluss der Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone aufgestockt und mit neuen Instrumenten zur Stützung überschuldeter Euro-Länder ausgestattet werden. Künftig sollen 440 Milliarden Euro an Kreditgarantien für angeschlagene Euro-Länder zur Verfügung stehen, bisher sind es rund 250 Milliarden Euro. Die Staatsgarantien steigen dafür auf rund 780 Milliarden Euro. Der Anteil Deutschlands daran soll auf 211 Milliarden von bislang 123 Milliarden Euro erhöht werden.

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Rehn bestätigt Planspiele über Stärkung der Hebelwirkung

Kommentare zu " Euro-Krise: Rating-Riese warnt Bundestag vor Ausweitung des Rettungsschirms"

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  • Die Regierung steht über den Dingen? Diese Annahme ist wahrscheinlich der größte Irrtum in dieser ganzen Diskussion. Richtig ist aber, dass sie die Verantwortung dafür trägt, von wem sie sich beraten/helfen/die Gesetze machen läßt.

  • Vorab erst einmal herzlichen Dank an S&P. Mit ihrem Warnschuss hat sie unserem Volk einen Dienst erwiesen!

    Aufgrund Ihres Artikels kann man nun mit Sicherheit sagen, dass die Koalition eine Hebelung des EFSF plant und das Wolfgang Schäuble schamlos lügt, wenn er das Gegenteil behauptet.
    In Ihrem Artikel schreiben Sie:

    "In der Berliner Koalition stieß die Einschätzung von S&P auf harsche Kritik. „Die Ratingagenturen sollten sich zurückhalten, auf der Grundlage von Spekulationen Öl ins Feuer zu gießen“, sagte der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach, Handelsblatt Online. Das Volumen der EFSF bleibe unverändert. „Es gibt also keine neuen Erkenntnisse, die die Ratingagenturen zu einer anderen Einschätzung bewegen könnten.“ Außerdem sei noch nicht entschieden, wie die Schlagkraft der EFSF erhöht werden soll."

    Wäre keine Hebelung der EFSF-Mittel geplant, und damit letztlich doch eine Erhöhung unserer Haftung, würde Flosbach sich über die Meinungsäußerung der Ratingagentur nicht aufregen. Dass "das Volumen des EFSF unverändert" bleibt, ist ja klar. Die geplante Hebelung dagegen bestätigt Flosbach sogar selbst mit seiner eindeutigen Aussage "... sei noch nicht entschieden, wie die Schlagkraft ... erhöht wird".

    Peinliche Wahrheitspanne halt!

  • "Bei der geplanten Stärkung des Euro-Rettungsschirms könnte nach Einschätzung von Standard & Poor's auch Deutschland ins Visier der Ratingagentur geraten. Die verschiedenen Alternativen zur Reform des Rettungsschirms EFSF könnten sich auf die Kreditwürdigkeit auswirken, sagte S&P-Experte David Beers.(Zitat)"

    Diese Vorwarnung von Ratingagenturen zeigt doch deutlich, welche Chance
    von dritter Seite gesehen wird, inwieweit Griechenland überhaupt mit diesen Rettungsschirmen gerettet werden kann. Nun gut - mal sehen wer Recht hat, die Abstimmung durch den Bundestag oder diese "windigen" aber sehr flinken Ratingsagenturen?

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