Euro-Stabilität
Wirtschaftsweiser Bofinger hält nichts von Krisen-Fonds

Planspiele der Bundesregierung für einen neuen Europäischen Investmentfonds helfen nach den Worten des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger nicht gegen die aktuelle Schuldenkrise. Die Bundesregierung distanzierte sich von einem entsprechenden Papier. Es entstamme der Arbeitsebene des Bundesfinanzministeriums und entspreche nicht der Position der Regierung.
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HB BERLIN. Zu der Idee des Investmentfonds sagte Bofinger am Donnerstag: „Das ist akademisch interessant, aber wirtschaftspolitisch nicht wirklich relevant.“ Er ist Mitglied des Sachverständigenrates, der die Regierung berät. Die Lösungsvorschläge zielten auf die Zeit ab Mitte 2013 ab, wenn der aktuelle Krisenmechanismus auslaufe. „Vor lauter mittelfristiger Strategie verliert man den Blick für die aktuelle Krise. Wenn neue Schocks kommen, müssen bei Nacht und Nebel wieder neue Rettungspakete geschnürt werden, die nicht gut vorbereitet sind.“

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte unter Berufung auf das Papier berichtet, ein neuer Fonds solle Euroländern Nothilfen gewähren und sie zugleich dazu zwingen, nach strengen Regeln zu wirtschaften. An den Finanzmärkten wird darüber spekuliert, dass nach Griechenland und Irland noch weitere hoch verschuldete Euro-Staaten auf EU-Hilfen angewiesen sind.

Damit die Schuldenkrise sich nicht immer weiter ausbreitet, schlägt Bofinger die Ausgabe gemeinsamer Staatsanleihen aller Euro-Länder vor. „Euro-Bonds sind die einzige Lösung, um Attacken gegen Spanien oder Italien abzuwehren“, sagte der Würzburger Wirtschaftsprofessor. „Alle ausstehenden Anleihen können bei Fälligkeit in Euro-Bonds getauscht werden.“ Staaten, die ihre Neuverschuldung über Euro-Bonds stemmen wollen, müssten ihr Budget durch die EU-Kommission genehmigen lassen. Dadurch sollen solide Staatsfinanzen gewährleistet werden.

Kritisch sieht Bofinger mögliche Finanzspritzen aus China für angeschlagene Euro-Staaten. „Bei allem Respekt vor China: Demokratische Prinzipien kann ich dort nicht erkennen“, sagte der Wirtschaftsweise. „Es ist bedenklich, wenn ein Land, das keine Demokratie ist, Einfluss auf EU-Mitgliedsländer erhält. Ob in Menschenrechts- oder Umweltfragen: China ist in vielen Belangen kein Vorbild.“

China will den mit einer Schuldenkrise kämpfenden Euro-Ländern beistehen. „Wir sind bereit, die Euro-Länder dabei zu unterstützen, die Krise zu meistern“, sagte eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums. Sie nährte damit Spekulationen, wonach die Volksrepublik dem hoch verschuldeten Portugal eine Finanzspritze gibt. Die Volksrepublik wolle Staatsanleihen im Wert von vier bis fünf Milliarden Euro kaufen, hatte die portugiesische Zeitung „Jornal de Negocios“ am Mittwoch berichtet.

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  • @[3] Karl-Heinz Drux,
    „Auflösung der EURO Union“.
    Das würde die Finanzwelt einfach nicht zulassen, eher würde China Europa aufkaufen, vor allem wenn der Euro schwach ist, als die Auflösung der Eurozone zu zulassen. Die Finanzwelt würde zusammen brechen. Wenn schon die Pleite einer großen bank in den USA allein solche weitreichende Konsequenzen hatte, was würde denn passieren wenn die „Euro Union“ auseinander bricht.
    Mir wundert trotzdem dass es so viele Defätisten unter den Deutschen gibt.
    Wir (bRD) haben am 18. April 1951 (Vertrag von Paris, Montanunion) und am 25.04.57 Römischen Verträge, etwas unternommen und wir werden es zu Ende bringen. Zugegeben die DDR hat damals diese Verträge nicht unterschrieben, aber durch die Wiedervereinigung sind sie auch für das neue Deutschland (bRD) verbindlich.
    Das einzige Problem ist der National-Egoismus der besonders in Deutschland, seit der Wiedervereinigung, von den deutschen Medien angeheizt wurde (vielleicht nur um die Mauer in den Köpfen abzureißen?!). Damit müssen wir aber fertig werden! Mehr nicht. Es ist zu schaffen.

  • "Die dem Terminkontrakt zugrundeliegende zehnjährige bundesanleihe rentierte mit 2,975 Prozent." Vor Kurzem rentierten sie noch mit nur 2,2%, und es wird weiter gehen. Das sind circa 30% mehr. Schlaf, Kindlein, schlaf.
    Schadenfreude ist auch eine Freude, die Eurobonds wurden gerade deswegen von unserer "iron Maiden" abgelehnt, weil Deutschland dadurch den Vorteil der niedrigeren Zinsen verlieren würde.
    Jetzt haben wir es, und China ante Porta dazu.
    Die Pisa-Studie lügt nicht, wir werden heute von der Generation der schlechten Pisa-Note regiert.

  • Herr bofinger sollte sich mal fragen, warum die anderen vier Wirtschaftsweisen den Euro-bond ablehnen. So z.b. beatrice di Mauro und Wolfgang Franz. Darüber hinaus fragt man sich, warum dieser ideologisch ausgerichtete Ökonom im Handelsblatt nahezu täglich eine Plattform für die Verbreitung seiner Ansichten erhält, wahrend die vier anderen Wirtschaftsweisen mit ihrer Ansicht zu diesem Thema kaum vorkommen. Sehr unausgewogen!

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