Euro-Zone weiter in Gefahr
DIW-Experten zerreißen neues Griechenland-Paket

Das von den Euro-Staaten beschlossene Rettungspaket für Griechenland geht in die richtige Richtung, meint die Politik. DIW-Experten sehen dagegen in den Gipfel-Ergebnissen unkalkulierbare Risiken für die Euro-Zone.
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DüsseldorfDas Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in ungewöhnlich deutlichem Ton die Euro-Beschlüsse zu Griechenland kritisiert. Mit den Beschlüssen, die teilweise in die richtige Richtung wiesen, werde die Schuldenkrise nicht beendet, „vielmehr dürfte das Risiko einer Ansteckung anderer Länder noch zunehmen“, schreiben die DIW-Konjunkturexperten Ansgar Belke und Christian Dreger in einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online. „Denn der viel zu geringe Schuldenschnitt bedeutet unmittelbar, dass in der Zukunft eine zusätzliche noch substanziellere Umschuldung notwendig wird, wenn es nicht noch einen noch gigantischeren Transfer anderer Eurozonenländer an Griechenland geben wird.“ Vermutlich werde es eine noch substanziellere Umschuldung nach 2013 geben, wenn der Krisenfonds EFSF durch den dauerhaften Rettungsfonds ESM ersetzt wird.

Zu begrüßen sei zwar, dass eine den Schuldenschnitt begleitende Rekapitalisierung der griechischen Banken nicht mehr ausgeschlossen ist. „Der Zug kann aber wegen der fehlenden Konkretisierungen immer noch in die falsche Richtung fahren“, warnen die Experten. Denn: „Wären die Anleihekäufe des EFSF nicht mehr auf Griechenland und gegebenenfalls Portugal und Irland beschränkt, würden die fiskalische Kapazität und Toleranz der Geberländer überstrapaziert, was dann durch die von der Politik immer noch unterschätzten Reaktionen der Bevölkerung möglicherweise das Ende der Eurozone bedeuten würde.“

In Politik, Wirtschaft und an den Märkten wurden die neuen Hilfen für Griechenland mit Erleichterung aufgenommen. „Unser Land ist von dem Alptraum einer Pleite erlöst worden“, sagte Griechenlands Premier Giorgos Papandreou am Freitag. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von bedeutenden Ergebnissen, warnte aber, solche Krisen ließen sich nicht mit einem einzigen spektakulären Befreiungsschlag lösen. Auch bei den Banken, die sich freiwillig mit insgesamt rund 50 Milliarden Euro beteiligen werden, war ein Aufatmen spürbar.

Die Rating-Agentur Fitch kündigte an, sie werde Griechenland zunächst auf „teilweise zahlungsunfähig“ zurückstufen. Wenn die Alt-Anleihen des Landes aber wie im Plan vorgesehen, in europäische garantierte neue Anleihen mit längerer Laufzeit umgetauscht werden, werde man das Land wieder hochstufen. Es gebe nach dem Gipfel mehr Hoffnung darauf, dass Griechenland sein Schuldenproblem besser werde handhaben können.

Das neue Hilfepaket der Euro-Länder für Griechenland hat einen Umfang von 109 Milliarden Euro. Es sieht längere Laufzeiten für Kredite und niedrigere Zinsen vor. Erstmals wird den privaten Gläubigern ein lange umstrittener Hilfe-Beitrag auf freiwilliger Basis abverlangt. Flankiert werden soll das mit einer Ausweitung der Handlungsmöglichkeiten des vorläufigen Euro-Rettungsschirmes EFSF. Der soll künftig auch in Grenzen Staatsanleihen am Sekundärmarkt kaufen und Kredite bei sich anbahnenden Krisenfällen an Länder vergeben können.

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  • Warum regen Sie sich so auf. Reduzieren Sie Ihre unbezahlten Überstunden! Lassen Sie das Auto öfter stehen, ein Rad braucht kein Benzin. Warum fahren noch soviele nach GR und lassen sich zweimal bescheissen? Wieviel Steuer wird davon abgeführt in GR? Nur wenn Sie selbst konsequent sind und das deutsche BIP mal drastisch in den Keller geht, können wir ja mal probieren, wieviel andere Staaten für uns locker machen. Sie müssen es drauf ankommen lassen, schwafeln hilft nicht. Ich verstehe die im Osten, die sich nicht vor Stress krank machen. Bis die Konsequenzen aus dieser Politik unten voll durchschlagen, ist Frau Kanzlerin nicht mehr im Amt. Wenn die Jungen abhauen, werden die vielen Rentner den Ballast tragen müssen, weil dann unsere Renten so besteuert werden, dass wir gerade über HartzIV kommen. Dass wir im Gegensatz zu GR malochen, interessiert keinen mehr. Und wundern werde ich mich nicht, wenn wir dann Links wählen, wenn die entgegen der bisherigen Parteien Wohltaten versprechen. Erinnert mich an meine Mutter, wie sie die Zustände vor dem Krieg beschrieb... Geschichte wiederholt sich!

  • Was Sie beschreiben gilt noch als vergleichsweise harmlos zur Realiät.
    Die haben Europa zum Selbstbedienungsladen nicht nur deklariert: die feiern das auch noch.

  • Nochmals an alle, die das nicht verstanden haben: Die Bankster haben gestern nicht etwa ein "Opfer" gebracht, sondern ganz im Gegenteil (wieder mal) ein hervorragendes Geschäft zu Lasten des doofen Steuerzahlers gemacht:

    Wenn man eine Anleihe mit Marktwert von 50% des Nennwertes in den Büchern hat und diese nun gegen eine neue tauschen darf, deren Nominalwert zwar gleich nur noch auf jene 50% lautet, aber dafür zu 100% vom Steuerzahler garantiert wird, ist das kein "Opfer", sondern vielmehr ein gutes Geschäft!

    Und wie man oben lesen kann, müssen die Bankster gar nur 21% abschreiben -wohlgemerkt auf Staatsanleihen, die derzeit nicht etwa 21% unter Nennwert stehen, sondern bis zu 50%! Wow -Neuerliche Milliardengewinne zu Lasten Michels innert 1 Tages!

    Wer's nicht glaubt, soll sich die Griechenland-Anleihen-verseuchte Commerzbank anschauen: Deren Börsenwert hat innerhalb von nun 2 Tagen um über +20% zugelegt...

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