Eurokrise
Schäuble wettert gegen Brüssel - und Washington

Der Finanzminister versucht ein Machtwort: Spekulationen über eine Aufstockung des Euro-Rettungsschirms seien „Blödsinn“. Man dürfe einfach nicht auf alles hören, was aus der EU-Zentrale oder aus den USA komme.
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BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lehnt die vieldiskutierte weitere Aufstockung des Euro-Rettungsschirms EFSF kategorisch ab. „Das ist Blödsinn“, sagte Schäuble bei einer Rede in Berlin. Es sei manchmal schwer, deutschen Parlamentariern den Blödsinn zu erklären, der manchmal aus Brüesel komme. Wenn die Euro-Zone das Volumen des Fonds über 440 Milliarden Euro hinaus erhöhe, dann werde das die Kreditwürdigkeit der Kernländer mit hoher Bonität gefährden. Europa müsse die Effizienz des EFSF steigern, ohne sein Volumen zu erhöhe.

Gleichzeitig wies Schäuble, von der Debatte sichtlich genervt ist, die Kritik von US-Präsident Barack Obama am europäischen Krisenmanagement zurück. „Ich bin nicht der Ansicht, dass Europa für alle Probleme der USA verantwortlich ist“, sagte Schäuble auf einer Konferenz der Denkfabriken Bruegel und Peterson Institute of International Economics in Berlin.

Die Geldpolitik könne die gegenwärtigen Probleme nicht lösen. das sei nicht der Weg Europas. Auch weitere kreditfinanzierte Konjunkturprogramme würden nicht zum Ziel führen. Der Vertrauensverlust sei viel größer als die möglichen Gewinne einer solchen Politik, sagte Schäuble. Statt dessen komme es jetzt darauf an, die Finanzen zu konsolidieren und die Wettbewerbskraft zu stärken. Zumal das Arsenal der Regierungen und Notenbanken weitgehend aufgebraucht sei.

Der CDU-Politiker beharrte darauf, dass nur ein nachhaltiger Schuldenabbau und Strukturreformen in den hoch verschuldeten Ländern die akute Krise beenden könne. Schäuble forderte mutige Schritte von Europa. "Das ist die Zeit, mutig voranzuschreiten", sagte der Politiker. Er forderte eine engere Zusammenarbeit in Europa und eine Stärkung der europäischen Institutionen. Das könne allerdings nur Schritt für Schritt geschehen. "Die Erfolge einer solchen Politik mögen ein oder zwei Wahlen entfernt liegen", sagte Schäuble.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

Kommentare zu " Eurokrise: Schäuble wettert gegen Brüssel - und Washington"

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  • Die Europaeer werden am Gaengelband der Amerikaner durch die Arena gefuehrt. Merkle, Schaeuble und Co machen nur gut Miene zum boesen Spiel. Die Entscheidungen in Europa werden schon lange nicht mehr von der Bevoelkerung getroffen, mittlerweile haben aber auch die nationalen Parlamente keinen Einfluss mehr auf dei Entwicklungen im Euro-Raum. Die wahren Entscheidungstraeger sitzen in Amerika, eindrucksvoll unter Beweis gestellt durch die Anwesenheit des amerikanischen Finanzministers beim Treffen der europaeischen Finanzminister. Mutti Merkel bestand ja auf die Miteinbeziehung des IWF bei der Euro-Rettung. Merkel ist konfliktscheu und krankhaft harmoniebeduerftig. Sie haette die Politbuehne besserden grossen Jungs ueberlassen sollen.

  • Toll, da wären wir nieeeeeeeeeeeeeeeee selber drauf gekommen! Entwerfen Sie doch mal eine Dankeskarte, die dann die Völker Europas an der Herrn Schäuble voller Dankbarkeit schicken können, vor allem die deutsche und griechische Version wrid sich gut verkaufen lassen...

  • Vermutlich werden dann die Bürgschaftklauseln in einem ganz andern Licht erscheinen, wenn man sie genau nachliest... Übermorgen ist Schäuble dann im Olymp des EURO-Himmels angekommen, glaubt er wenigstens.

    Bitte die Schafsfelle an der nächste Garderobe abgeben, gleich in der Eingangshalle Ihres Finanzamtes, links!

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