Europawahl
Drei Sorgen weniger für Angela Merkel

So klar war das Ergebnis, dass CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla schon um viertel nach sechs wohlgelaunt vor die Kameras treten konnte. Einen richtigen Sieg konnte er nicht verkünden, aber auch keine Niederlage. Doch drei Sorgen weniger hat Angela Merkel mit dem Ergebnis der Europawahl, zwei davon bringt Pofalla auf den Punkt.

BERLIN. "Wir haben unsere Wahlziele erreicht. Die CDU ist mit großem Abstand die stärkste politische Kraft in ganz Deutschland", sagt er. Applaus im Konrad-Adenauer-Haus, der CDU-Parteizentrale. Während Pofalla auf der Bühne redet, läuft im Großbildschirm neben ihm noch Fernsehen. Dort spricht SPD-Chef Franz Müntefering - tonlos. "17 Punkte vor der SPD! Mehr Stimmen als Rot und Grün zusammen!" hämmert Pofalla und zieht als Fazit: "Das Ergebnis zeigt, dass die Menschen in der Krise zu Angela Merkel und der Union Vertrauen haben." Auf dem Bildschirm guckt Müntefering ein bisschen traurig. Dann dreht die CDU dem SPD-Chef den Saft ganz ab.

Drei Sorgen weniger hat Angela Merkel mit dem Ergebnis der Europawahl, zwei davon bringt Pofalla auf den Punkt. Zum einen legte die Union im Vergleich zum mageren Abschneiden bei der Bundestagswahl 2005 deutlich zu. Bei 38,4 Prozent erscheint die Zielmarke von "40 Prozent plus X" für die Bundestagswahl in greifbarer Nähe. Zudem reichte das Ergebnis von gemeinsam mit der FDP zu einer knappen Mehrheit für Schwarz-Gelb - nach Hessen im Januar und der Wahl Horst Köhlers zum Bundespräsidenten also erneut ein gelungener Test für das bürgerliche Lager vor der Bundestagswahl im September.

Am wichtigsten aber, und dazu sagt Pofalla nichts: Die CSU konnte in Bayern so viele Stimmen ergattern, dass sie bundesweit locker über die Fünfprozenthürde sprang - bei 7,4 Prozent sehen sie die Hochrechnungen am frühen Abend. Abnutzungsgefechte mit der Schwesterpartei, die über das ohnehin schon schwer erträgliche Maß der vergangenen Monate hinausgehen, könnten der CDU und ihrer Chefin Merkel nun womöglich erspart bleiben. "Die CSU hat sich berappelt, das macht sie ruhiger", hofft nicht nur Unionsfraktionschef Volker Kauder.

Freilich, da sind die Verluste im Vergleich zu 2004 - da gehen die schwarzen Balken um über sechs Prozentpunkte nach unten. Doch am guten Ergebnis gegen die weiland sieche Schröder-SPD will zumindest in der CDU-Zentrale niemand den Wahlausgang messen. Bei Rotkäppchen-Sekt und Kartoffelpuffern feierten die Christdemokraten. Der Spitzenkandidat der Partei, Hans-Gert Pöttering, schaut in ein paar Kameras, auf größeres Interesse stößt er nicht.

In München geht es, wie gewohnt, deftiger zu. Hier stand ja viel auf dem Spiel. Auch wenn Befürchtungen, die CSU könnte bundesweit an der Fünfprozenthürde scheitern immer übertrieben schienen, war die Nervosität in der Partei echt. Umso größer die Erleichterung: 7,4 Prozent, das bedeutet acht Bayern im EU-Parlament. So weit zur Pflicht. Die Kür: Näher, als es ihnen die meisten zugetraut haben, kommen die Christsozialen an die magische 50-Prozent-Marke in Bayern. Hochrechnungen sehen sie bei 49,5 Prozent. Für Parteichef Horst Seehofer war die Europawahl der erste Test. Er lehrt ihn: Sein Konfrontationskurs zu Merkel zahlt sich aus - zumindest dann, wenn beide Schwesterparteien am Ende wieder zusammenkommen. Seehofer genießt seinen Triumph: "Die Christlich Soziale Union ist wieder da."

Am Horizont zeichnet sich an diesem Sonntagabend Schwarz-Gelb ab, Merkels bevorzugte Farbkombination. Freilich, am frühen gestrigen Abend stehen die Ergebnisse wichtiger Kommunalwahlen noch aus. Vor allem in Ländern wie dem Saarland, Thüringen und Sachsen, in denen im August Landtage gewählt werden, geben sie Aufschluss über die Wahlchancen wichtiger CDU-Ministerpräsidenten kurz vor der Bundestagswahl. Und erste Nachrichten aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind für die CDU nicht erfreulich: Stuttgart, Mannheim, Mainz - überall deutliche Verluste. Doch an diesem Abend ist es leichter, dem Gegner auf die Finger zu klopfen. CDU-Mittelstandspolitiker Michael Fuchs erklärt das schlechte Abschneiden der SPD so: All die Rufe nach Staatshilfen für Opel, für Arcandor, all die Extrarunden für Betriebsräte im Außenministerium hätten Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier nichts genutzt: "Die Leute haben diese Freibier-für-alle-Mentalität satt."

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