Eurotunnel-Züge
Berlin wettert gegen „französisches Wunschkonzert“

Der Dreiergipfel zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und seinem russischen Amtskollegen Dmitrij Medwedjew steht unter keinem guten Stern. Grund sind deutsch-französische Verstimmungen über die Ausschreibung für die neuen Eurotunnel-Züge. Dass die Pariser Regierung dabei Partei für ein französisches Unternehmen ergreift, sorgt für Unmut in Berlin.
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DÜSSELDORF. Politiker der schwarz-gelben Koalition haben die französische Kritik an der Bestellung von Siemens-Zügen für den Tunnel unter dem Ärmelkanal scharf zurückgewiesen und die Bundesregierung zum Handel aufgefordert. „Die Haltung Frankreichs ist für mich nicht nachvollziehbar und nicht akzeptabel“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Joachim Pfeiffer (CDU), Handelsblatt Online. „Der Wettbewerb in Europa ist kein französisches Wunschkonzert. Ich erwarte von Frankreich und insbesondere von der französischen Regierung, dass sie sich an die Regel des europäischen Binnenmarktes hält.“

Der Vize-Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bundestag, Patrick Döring, forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. „Die Bundesregierung muss klarmachen, dass wir dringend die bei uns geltende Öffnung des Bahnnetzes für ausländische Bahngesellschaften auch von unserem französischen Nachbarn erwarten“, sagte Döring Handelsblatt Online mit Blick auf einen Termin der Kanzlerin heute im nordfranzösischen Badeort Deauville, bei dem Angela Merkel mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Russlands Präsidenten Dmitrij Medwedjew zusammenkommen kommt. „Wenn es eine Gelegenheit gibt, das Thema anzusprechen, dann könnte Merkel darauf hinweisen, dass wir mit Russland bei der Öffnung der Bahnnetze mindestens so weit sind wie mit Frankreich.“

Die Bundesregierung hat zuvor verstimmt auf die französische Haltung reagiert und erklärt, dass es keinen Grund für eine Intervention seitens der Parsier Regierung gebe. Kritisch äußerte sich Regierungssprecher Steffen Seibert zu der Behautpung, die Siemens-Züge seien für die Fahrt unter dem Ärmelkanal technisch nicht gerüstet. Die Bundesregierung habe „großes Vertrauen in die technischen Möglichkeiten der Kollegen bei Siemens", sagte Seibert. Er verwies dabei auf eine Evakuierungsübung mit einem ICE-Test am Wochenende im Tunnel unter dem Ärmelkanal.

Frankreichs Verkehrsminister Dominique Bussereau hatte die Bestellung der Siemens-Züge durch Eurostar in der vergangenen Woche als „null und nichtig„ bezeichnet. Ein Vertrag mit Siemens könne erst unterschrieben werden, wenn die Sicherheit garantiert werden könne. Eine Prüfung werde ungefähr zwei Jahre dauern.

Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) stellte sich gegen die französische Kritik: "Es sollte keinen Protektionismus-Streit zwischen Berlin und Paris in dieser Frage geben. In der ganzen Welt gilt 'Made in Germany' als Qualitätsmerkmal. Es wäre schön, wenn unsere französischen Freunde das auch so sehen," sagte Brüderle dem Handelsblatt. Er erwarte von der französischen Regierung, das "im fairen Wettbewerb entschieden wird, welches technische Konzept neben den bisherigen Zügen im Eurotunnel zur Anwendung kommt".

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  • Alleinige Fragestellung ist:

    Welchen Sicherheitsvorkehrungen müssen denn die Züge Genüge tragen? Das diese Vorschrift 2 Jahre dauern kann, aber nicht unbedingt sein muss, gilt für alle Züge. Die Spezifikation der Sicherheit und ihre Umsetzung ist das entscheidende Kriterium.

    Die neuen Züge müssen alle gemeinsam Probe fahren und zwar über einen längeren Zeitraum. Ein gemeinsames und konstruktives Fehlermanagement ist unabdingbar.

    im Tunnel ist Platz für alle Züge. Das ist EU.

  • Unerhört, dass Sarkozy Partei für ein französisches Unternehmen ergreift. So etwas würde Frau Merkel nie tun, oder? (Hochtief??)

  • Mal ehrlich - eine andere Reaktion hätte man von der französichen Politik auch nicht erwarten können.
    Man war schon immer protektionistisch eingestellt und hat dies fast ausschließlich auf eine typisch infantile Weise dargestellt.

    Aber wie immer in Frankreich gibt es die gleiche Lösung - man verspricht an entscheidender politischer Stelle persönliche, individuelle Zuwendungen und schon ist wieder alles in butter.

    in Afrika läuft es nur so mit der französchen Wirtschaft.
    Aber deswegen lieben wir die Franzosen ja so - sie karikatieren sich selbst wunderbar.
    Dafür lachen die Franzosen über uns Deutsche, wenn wir auf französischen Hinweis päpstlicher als der Papst sein wollen.

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