Evangelische Kirche
EKD beschließt Abkehr von der Judenmission

Sie bestand eigentlich nur noch auf dem Papier, sorgte aber für Diskussionen: Nun hat sich die evangelische Kirche von der Judenmission abgekehrt. Christen seien nicht berufen, Israel den Weg zu Gott zu weisen.

MagdeburgDie Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat eine Abkehr von der Judenmission beschlossen. „Christen sind – ungeachtet ihrer Sendung in die Welt – nicht berufen, Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen“, heißt es in dem einstimmigen Beschluss, den die EKD-Synode am Mittwoch in Magdeburg verabschiedete. „Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels.“ Die Judenmission stand bei der evangelischen Kirche zuletzt eigentlich nur noch auf dem Papier, wurde aber von den konservativen Pietisten weiterhin befürwortet.

„Diese eindeutige Abkehr von der Judenmission bedeutet der jüdischen Gemeinschaft sehr viel“, erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. „Die EKD anerkennt damit auch das Leid, das die über Jahrhunderte praktizierte Zwangskonversion vieler Juden verursacht hat.“ Die lange erwartete Erklärung sei Ausdruck der theologischen, aber auch der freundschaftlichen Verbundenheit von Judentum und evangelischer Kirche, die im Alltag bereits von der Mehrheit der Gläubigen gelebt werde. Er wünsche sich, dass die Erklärung nun auch von jenen Gemeinden umgesetzt werde, die bisher einen anderen Weg eingeschlagen haben, so Schuster.

„Mit der heutigen Kundgebung gehen wir einen weiteren Schritt auf dem Weg der Einkehr und Umkehr in unserem Verhältnis zu den Juden“, sagte die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer. Im vergangenen Jahr bereits hatte die EKD die judenfeindlichen Denkmuster von Reformator Martin Luther und seine Schmähungen von Juden verurteilt. Die katholische Kirche kennt die Judenmission schon seit langem nicht mehr.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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