0 Bewertungen
13.06.2007 
Weg frei für RAG-Börsengang

Ex-BP-Manager soll Kohle-Stiftung leiten

Der monatelange politische Streit um den Chefposten der geplanten Kohle-Stiftung ist beendet. Der Bund hat sich mit den Bergbau-Ländern Nordrhein-Westfalen und Saarland auf einen Namen geeinigt.

Ex-BP-Manager Wilhelm Bonse-Geuking soll die Kohle-Stiftung leiten. Foto: dpaLupe

Ex-BP-Manager Wilhelm Bonse-Geuking soll die Kohle-Stiftung leiten. Foto: dpa

HB BERLIN/DÜSSELDORF. Mit der Einigung auf Wilhelm Bonse-Geuking als künftigen Vorsitzenden der RAG-Stiftung hat der Kohlegipfel in Berlin den Weg frei gemacht für den Börsengang des Essener Mischkonzerns im nächsten Frühjahr. Vertreter des Bundes, der Kohleländer, des RAG-Konzerns und der Gewerkschaft IG BCE verständigten sich am Mittwochabend, dass die geplante Kohle-Stiftung vom ehemaligen Chef der Deutschen BP geführt wird, wie Bundeswirtschaftsminister Michael Glos mitteilte.

Dem Stiftungsvorstand sollen außerdem der jetzige RAG-Arbeitsdirektor Ulrich Weber und Ex-Finanzminister Hans Eichel angehören. Auch über die Stiftungssatzung und die Größe des Kuratoriums habe man sich geeinigt. „Der Börsengang kann jetzt stattfinden“, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Alle Beteiligten sprachen von einer guten Lösung.

Die Stiftung soll nun bis Ende des Monats errichtet werden. Das Bundeskabinett soll dann am 8. August über die neuen kohlepolitischen Weichenstellungen entscheiden. Auf die Stiftung sollen im Herbst von den RAG-Altaktionären die Anteile an dem Mischkonzern übertragen werden. Sie soll später die RAG mit den profitablen Sparten Chemie, Energie und Immobilien an die Börse bringen. Aus dem Börsenerlös soll sie das sozialverträgliche Auslaufen der Steinkohleförderung in Deutschland bis zum Jahr 2018 und die Altlasten des Bergbaus finanzieren.

Über den Stiftungsvorsitz hatten sich über Monate die Kontrahenten von Union und SPD, Bund und dem Kohleland Nordrhein-Westfalen, RAG und Gewerkschaft IG BCE gestritten. Die Personalie hatte in der großen Koalition in Berlin zu heftigen Querelen geführt.

Das Kuratorium soll in der Anfangsphase mit 13 Sitzen größer werden als zunächst geplant. Den Vorsitz soll E.ON-Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann übernehmen. Gesetzte Mitglieder sind darüber hinaus unter anderem Rüttgers (CDU), Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU), Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), Wirtschaftsminister Glos (CSU) sowie IG BCE-Chef Hubertus Schmoldt. Nordrhein-Westfalen wird zunächst ebenso wie der Bund vier Vertreter stellen. Nach 2018 soll das Kuratorium laut Glos noch vergrößert werden.

Nach der Sitzung äußerten sich alle Beteiligte zufrieden, dass endlich der Durchbruch gelungen sei. „Ich glaube, dass das eine gute Entscheidung ist“, würdigte etwa Glos die Ergebnisse des Kohlegipfels. Ähnlich äußerten sich Steinbrück, Rüttgers und die anderen Mitglieder der Runde. Steinbrück würdigte darüber hinaus, dass damit 13 000 Menschen, die Familien der betroffenen RAG-Beschäftigten, Sicherheit für die Zukunft erhielten. Von daher sei das „ein sehr vorzeigbares Ergebnis“. Rüttgers hob hervor, dass mit Bonse-Geuking ein Stiftungschef gewählt wurde, der sich gerade im Ruhrgebiet sehr gut auskenne und die Sorgen der Menschen kenne. Mit den Entscheidungen des Kohlegipfels sei der Weg zudem frei gemacht für den Börsengang der RAG. Die wesentlichen Grundsatzentscheidungen seien getroffen.

Das Bundesfinanzministerium hatte noch am Nachmittag Berichte über eine angebliche Einigung auf den ehemaligen Steag-Vorstandschef Jochen Melchior als Stiftungschef dementiert. Die RAG will mit ihrem Chef Werner Müller das Börsenparkett betreten: Der Aufsichtsrat verlängerte am Mittwoch erwartungsgemäß den Vertrag des Ex-Bundeswirtschaftsministers vorzeitig bis Juni 2011.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Hart umkämpfte Wahlkreise...

    Hart umkämpfte Wahlkreise für die SPD

    Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2009 etliche Direktmandate verlieren. Betroffen davon sind vor allem Wirtschaftspolitiker und Konservative der Bundestagsfraktion. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Lüthke Politikberatung für das Handelsblatt.Bildergalerie 

  • Becksteins mögliche Erben...

    Becksteins mögliche Erben in Bayern

    Nach dem Wahl-Debakel und nur zwölf Monaten Amtszeit gibt sich Ministerpräsident Günther Beckstein geschlagen. Die Parteikollegen trauerten nicht lang. Bereits am Dienstagnachmittag stellten sich drei Amtsanwärter zur Verfügung. Und mit Horst Seehofer hält sich auch ei...Bildergalerie 

  • Das politische Stehaufmän...

    Das politische Stehaufmännchen

    Im vergangenen Jahr war Horst Seehofer noch Erwin Huber bei der Wahl zum Parteivorsitzenden unterlegen, nun scheint der designierte neue Parteichef endlich am Ziel. Er wolle die CSU „in ihrem Mythos, in ihrer Einmaligkeit, in ihrer Erfolgsgeschichte“ der vergangenen fü...Bildergalerie 

  • Gift für die Weltwirtscha...

    Gift für die Weltwirtschaft

    Rund um den Globus nehmen die Schreckensnachrichten zu. Ihr Tenor: Die Turbulenzen der vergangenen Wochen haben die Risiken für die Weltwirtschaft deutlich erhöht, die Wachstumsraten der vergangenen Jahre werden sich so schnell nicht wiederholen lassen. Welche Risiken ...Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Steinbrücks Bananenflanken  Artikel in Merkliste

06.10.2008 von Bernd Ziesemer

Die Bundesregierung handelt in der Finanzkrise eigenbrötlerisch, verschießt ihr Pulver und setzt die EU-Partner unter Druck - so schießt man Eigentore. Vor allem Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) fällt durch sein wenig überlegtes Vorgehen auf. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Die Industrie erhalten  Artikel in Merkliste

06.10.2008 von Klaus Stratmann

Die Finanzkrise zeigt, wie wichtig die klassische Industrie für die deutsche Wirtschaft ist. Entsprechend umsichtig sollte sie beim Emissionshandel berücksichtigt werden. Kommentar