Ex-Bundeswirtschaftsminister Clement: Energiewende „völlig aus den Fugen geraten“

Ex-Bundeswirtschaftsminister Clement
Energiewende „völlig aus den Fugen geraten“

Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement übt scharfe Kritik an der Ausgestaltung der Energiewende. Es gebe nicht nur einen „Wende-Plan“, sondern siebzehn. Die Kosten seien „völlig aus den Fugen geraten“.
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BerlinDer ehemalige Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement übt im Handelsblatt (Freitagausgabe) scharfe Kritik an der Energiewende. Diese sei „mangels politischer, rechtlicher und technischer Synchronisation in Kosten und Preisen völlig aus den Fugen geraten“. Und: „Die politische Blauäugigkeit, die in dieses Desaster führte, ist atemberaubend.“

Konkret schreibt Clement: „Es gibt nicht nur einen staatswirtschaftlichen „Wende-Plan“, es gibt deren siebzehn. Denn es gibt das Erneuerbare Energien-Gesetz des Bundes — und es gibt 16 EEG-Pläne der deutschen Länder.“ Die Abgabe des Stromüberschusses aus erneuerbaren Energien ans Ausland dürfte, so urteilt Clement, „eines der miesesten Geschäfte sein, das je zulasten der deutschen Volkswirtschaft in Gang gesetzt wurde.“ Außerdem kritisiert er die „europarechtlich geradezu verrückten Erwartung, sich beispielsweise gegen nukleare Konkurrenz von außerhalb unserer Grenzen abschotten zu können“.

Clement begrüßt, dass sich sein Nachfolger als Wirtschaftsminister, Sigmar Gabriel, des Themas annimmt. Dessen Eckpunktepapier, das vom Kabinett übernommen wurde, könne aber nur ein Anfang sein: „Auch wenn wir den Gabriel-Vorschlägen folgen, wird im Jahr 2025 noch immer mehr Wind- und Solarstrom subventioniert und produziert werden als jedenfalls mangels Speicherung im hiesigen Markt untergebracht werden kann.“

Nicht gelöst seien entscheidende Fragen, etwa: „Wie sichern wir die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie? — Die Energiepreise in Deutschland zählen heute zu den höchsten in Europa und liegen um 150 Prozent über dem amerikanischen Niveau.“ Eine Abwanderung energieintensiver Betriebe sei die Folge.

Die Lage sei alarmierend: „Das Brüsseler Veto gegen die nach Ansicht der EU-Kommission zu großzügige Befreiung deutscher Industrieunternehmen von der EEG-Umlage bringt Betriebe in äußerste Bedrängnis.“

Clement fordert von Gabriel, noch mehr Tempo aus der Energiewende zu nehmen, mehr Wettbewerb zwischen den erneuerbaren Energien zu ermöglichen und vor allem die Energiewende so schnell wie möglich zu europäisieren. Eine Europäische Energieunion wäre ideal.

Kommentare zu " Ex-Bundeswirtschaftsminister Clement: Energiewende „völlig aus den Fugen geraten“"

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  • Die Energiewende ist absurd paradox und ohnehin schon gescheitert, weil nicht angepasst, nach politischen Vorgaben in ein kompliziertes technisches System eingegriffen wird. Durch gewaltige Subventionen werden Anlagen gefördert und gebaut, welche in 20 oder 30 Jahren, wenn evtl. das Speicherproblem gelöst ist, nicht mehr funktionsfähig sind. Bis dahin dienen sie nur dazu, dem Normalbürger für Unnutz viel Geld abzuknöpfen. Die Industrie weigert sich erfolgreich an diesem Schwachsinn teilzunehmen und unsere mitleidenden Nachbarn entwickeln Strategien, um sich vor unserem Wahn zu schützen. Das wird dann das Problem endgültig verschärfen und es hoffentlich zu einem Ende zu bringen.

  • Mit dem Einstieg der Förderung der Erneuerbarer Energien
    seit 2000 und dem beschlossen Atomausstieg in 2011 Abschaltung aller Kernkraftwerken bis 2022 hat die Führungsrolle von Sonne und Wind hat die "Strom-Lobbyisten der großen Energie-Konzerne kalt erwischt.
    Die allegrößte Blamage ist allerdinge der bis heute fehlende notwendigen zeitgleichen Ausbau der Offshore - Anlagen - Anschlüsse an Land - und ein intelligentes Lastenmanagement führt keineswegs zur Überforderung der bestehenden Netze.Wir produzieren jetzt schon mehr Strom durch Wind in Norddeutschland als wir selbst verbrauchen.
    Wir sind auch hier schon "Strom-Export" Europameister.!
    Es geht auch anders mit ein klein wenig mehr "technischer Intelligenz" die vorhandenen "Stromabregelungen" zu nutzen ohne das die Stromsicherheit gefährdet ist.Kleine "Lösungen" sind manchmal wirksamer, als überdimensionierte "sinnlose Großrojekte" zu finanzieren.Schuld hat wieder mal keiner,
    ist auch nicht schlimm, die Stromumlage und Netzentgelte
    werden einfach durch die staatliche Bundesnetzagentur erhöht.Das nennt man auch in der ökonomischen Fachsprache "Fehlinvestitionen" und Abschreibungsverluste, das ist kein Wohlfahrtsgewinn für die Volkswirtschaft und eine moderne Industriegesellschaft.Die Energiewende ist ein
    von zu vielen "Akteuren" geführtes Milliarden schweres "Interessenprojekt" scheinbar mehrfach unüberbrückbare "Zielkonflikte" bereit hält, das aber die physikalischen Gesetzesmäßigkeiten des "Stroms" nicht im geringsten beeinflußen beindrucken kann.Die Europa - Wahl wird am 25.5.2014 auch die Energiewende neu ins Blickfeld nehmen müssen.

  • Endlich melden sich die ehrenwerten Altvordern zu Wort und versuchen die INDUSTRIEWNENDE gerade noch zu abzuwenden. Unser ehemaliger Bundeskanzler Schröder tritt bereits für die Verlängerung der Laufzeiten für die AKWs ein. Vielleicht rettet er Grafenrheinfeld.

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