Ex-Finanzminister
Steinbrück fordert Schuldenerlass für Griechenland

Gastvortrag an der Uni Duisburg: Der heimliche SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück warnt vor einem Zerfall des europäischen Währungssystems. "Das würde die Mark aufwerten bis zum Mond."
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DuisburgEigentlich wollte sich Peer Steinbrück in seinem Vortrag an der Uni Duisburg mit den Konsequenzen der Finanzkrise befassen, doch dann redete er vor allem über Griechenland und kritisierte das Krisenmanagement der Regierung. Deutschland habe in den vergangenen Monaten in Europa stark an Ansehen verloren. "Wir haben zu viele Pirouetten gedreht und unsere Partner und die Märkte verwirrt", sagte der Ex-Finanzminister. Mit Blick auf Griechenland sagte er: "Ohne Umschuldung geht es nicht. Die Alternative ist das Modell des Schreckens ohne Ende."

Der Hörsaal ist brechend voll. An den Gängen und in der Tür stehen Studenten. Doch sie sind im Hörsaal in der Minderheit: Die meisten Steinbrück-Fans haben graue Haare. Sie lauschen ihm, wie er mit dem Mikrofon in der Hand seine Vorstellungen zur Griechenland-Krise skizziert. Er fordert eine Entschuldungskonferenz, an der auch die Rating-Agenturen beteiligt werden sollten. Diese solle eine Umschuldung beschließen. Außerdem müssten sich die Eu-Länder auf ein einheitliches Insolvenzverfahren für Banken einigen. Dies sei umso wichtiger, da im Zuge einer Umschuldung Griechenlands weitere Banken in Schwierigkeiten geraten könnten. Die Krisenländer der EU könnten sich aber nicht allein durch Einsparungen sanieren. Die Wettbewerbsfähigkeit von Griechenland, Irland und Portugal müsse durch ein Investitionsprogramm verbessert werden.

Steinbrück kritisierte, dass Politiker die Europäische Zentralbank (EZB) dazu gedrängt hätten, ausfallgefährdete Staatsanleihen der Krisenländer zu kaufen. Die EZB solle ihre Bilanz säubern und von ihr übernommene Staatsanleihen auf die beiden Euro-Rettungsschirme übertragen. Er schätze das Volumen dieser von der EZB aufgekauften Papiere auf 70 bis 75 Milliarden Euro. Zum Vorschlag einer staatlichen Rating-Agentur sagte Steinbrück: "Einer staatlichen Rating-Agentur trauen die Leute nicht bis zum nächsten Briefkasten."

Europäische Partnerländer im Stich zu lassen, komme nicht in Frage, betonte Steinbrück. „Wenn das europäische Währungssystem zerfällt, würde die Mark aufgewertet bis zum Mond und die Drachme abgewertet bis zum Erdmittelpunkt.“ Dies würde die deutschen Exporte extrem verteuern und in Griechenland politische Instabilität schaffen. „Das ist eine gefährliche Debatte“, sagte Steinbrück. „Deutschland kann es nur so gut gehen wie seinen europäischen Nachbarn.“

Nur in einer Frage gab sich Steinbrück wortkarg. "Ich habe sie akustisch nicht verstanden", sagte er auf die Frage eines Journalisten, der wissen will, wer 2013 SPD-Kanzlerkandidat wird.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

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  • Steinbrück war 2011 beim Bilderberger treffen dabei. Dadurch sollte jedem klar sein, dass er auf jeden Fall Kanzlerkandidat IST.

  • Zitat:"Wer vertritt noch die Interessen der deutschen Bürger?"

    Wieso "noch"? Hat die schon mal eine Partei vertreten?

    CDU/CSU: vertritt Arbeitgeber/große Firmen/Konzerne/Beamte/Interessen der Siegermächte

    SPD: vertritt die Arbeiterklasse/Geringverdiener

    FDP: Reiche und bestimmte Selbständige (Ärzte, Anwälte)

    Grüne: vertritt Ökos, Dagegen-Menschen und Yuppies

    Linke: vertritt Arbeitslose und Kommunisten

    Die Mittelschicht (normale Bürger) in Deutschland wird ausgebeutet. Denn hier gibt es noch was zu holen, ohne das diese Menschen eine Lobby haben.

    Gewinner sind die PIGS-Länder, weil sie eine starke Währung und hohe Löhne haben, obwohl sie unproduktiv sind. Und mittlerweile wird das durch den illegalen Rettungsschirm direkt durch deutsches Steuergeld durch EUdSSR-Brüssel zwangsfinanziert. Die CDU unternimmt nichts, weil es nicht die Banken und Konzerne trifft. Bei den Wählern von SPB und Linke gibt es eh nichts mehr zu holen, deshalb halten sie die Füße still und Grüne wollen ja sowieso in der Steinzeit leben. Nur die FDP kämpft eswas, weil deren Wähler auch zahlen.

    Deswegen würden bei einem Volksentscheid auch 80% gegen den "Euro" stimmen und deswegen wurde in Deutschland auch nicht abgestimmt. Denn das deutsche Volk hat den Versprechen nicht geglaubt. Die Aussagen der Politiker von CDU/CSU,SPD, FPD und Grüne:"Man konnte doch nicht wissen das es so kommt...das war unabsehbar.." usw.
    stimmen soweit nicht, dass das deutsche Volk es gewußt hat, das es so weit kommt und deshalb hat man es nicht abstimmen lassen!

  • Ein unterdurchschnittlicher, vom Wähler aus dem Amt beförderter Möchtegern-Politiker, sollte tunlichst seine weiteren Alimentationen des Steuerzahlers genießen und sich mit Schwatzhaftigkeit zurückhalten. Es könnte zu sehr auffallen, daß die Gegenleistung für seine hohen Bezüge in einem argen Mißverhältnis zu seinen "Leistungen" steht.
    Mir fällt dazu nur ein, daß das die Typen sind, die früher weinerlich im Sandkasten immer den Arsch voll gekriegt haben.
    Sowas als Kanzler; dann können wir alle einpacken.

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