Ex-Innenminister Kanther droht eine Verurteilung wegen Untreue. Ministerpräsident Koch muss als Zeuge aussagen.
Der schwarze Sheriff und sein „friendly fire“

Manfred Kanther muss sich wegen Untreue zum Schaden der CDU ab Dienstag (17.8.) vor dem Wiesbadener Landgericht verantworten. Mit von der Partie sind der frühere Schatzmeister der Hessen-CDU, Casimir Johannes Ludwig Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg und der CDU-Wirtschaftsprüfer Horst Weyrauch .

WIESBADEN. Wie aus dem Ei gepellt steht der deutsche Innenminister vor dem ausgesuchten Publikum. Sein weißgraues, volles Haar ist streng gescheitelt, der Rücken durchgedrückt wie bei einem preußischen Heeresoffizier. Eindringlich warnt Manfred Kanther auf der Tagung der Internationalen Juristenkommission: „Die organisierte Kriminalität nährt sich selbst. Auf allen möglichen Wegen werden die erheblichen Gewinne gewaschen!“

Seit seiner Amtsübernahme im Jahr 1994 ist er als „schwarzer Sheriff“ ein Aktivposten im Kabinett Helmut Kohls. Der Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle kennt nur ein Prinzip: Law und Order: „Ich bin für alle Vorschläge offen, die in den verbindlichen Grenzen der Verfassung zur verbesserten Sistierung verdächtiger Vermögen führen“, versichert Manfred Kanther damals, 1997, den lauschenden Juristen.

In Wahrheit sind das alles Sprüche. Der studierte Jurist pfeift auf sie: Fast eineinhalb Jahrzehnte führt er schon ein Doppelleben. Verbindliche Grenzen des Gesetzes? Seit 1983 setzt er alles daran, eine „Sistierung“ des heimlichen Parteivermögens der CDU-Hessen von später einmal 22,4 Millionen Mark zu vereiteln: Der Alpenschatz der CDU soll nicht von deutschen Behörden gehoben werden. Deutschlands Innenminister mit den stahlblauen Augen im Babyface: ein Schattenmann.

Wegen Untreue zum Schaden der CDU steht Kohls Verfassungsminister nächste Woche, Dienstag, 17. August, vor dem Wiesbadener Landgericht. 12 von 88 Seiten der Anklage (Aktenzeichen: Js 320.4/00) werden dann vorgelesen. Viereinhalb Jahre nach Bekanntwerden der CDU-Parteispendenaffäre muss er sich zusammen mit dem früheren Schatzmeister der Hessen-CDU, Casimir Johannes Ludwig Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (87, verantworten. Bis Mitte Dezember soll der Prozess dauern.

Kanther, 65, und wieder als Anwalt tätig, drohen bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe.

Auch der Herr über Kohls schwarze Kassen, der Wirtschaftsprüfer und Finanzjongleur der Hessen- wie der Bundes-CDU, Horst Weyrauch (72), ist mit von der Partie. Ihm, dem „kleinen Rädchen im großen Räderwerk der Partei“ (Weyrauch über Weyrauch), werfen die Ankläger Beihilfe vor. Er war der Geldbote, der das Geld aus dem Alpenland herbeischaffte, wenn die CDU in Hessen mal wieder klamm war oder ein teurer Wahlkampf ins Haus stand. Die drei Angeklagten sollen sämtlichen Parteigremien den Geldsegen verschwiegen haben.

Seite 1:

Der schwarze Sheriff und sein „friendly fire“

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%