Ex-Ministerpräsident
Peer Steinbrück - Vor dem Sprung

Der Mann liebt klare Worte: "Alle Welt ruft nach Entbürokratisierung. Aber wenn der Hund des Nachbarn in den Garten furzt, soll sofort das Emissionsschutzgesetz verschärft werden", mokierte sich Peer Steinbrück vor drei Wochen bei einer Buchvorstellung in Berlin.

doe DÜSSELDORF. Es war einer der wenigen Auftritte des Ex-Ministerpräsidenten auf der bundespolitischen Bühne seit der Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen am 22. Mai. Für den Bundestag kandidierte der Sozialdemokrat nicht, und im Wahlkampf mied er das Rampenlicht.

Die Medienabstinenz des 58 Jahre alten Hamburger Volkswirts mit britischem Humor scheint nun beendet. In ersten Interviews umkreist Steinbrück das Thema "große Koalition". Gestern Abend diskutierte er in der ARD mit CDU-Ministerkandidat Peter Müller über die Arbeitsmarktpolitik. Weitere TV-Auftritte in den nächsten Tagen dürften folgen.

Sollte Schwarz-Gelb am Sonntag tatsächlich keine Mehrheit erhalten, wäre Steinbrück nämlich der Mann der Stunde. Viele Beobachter sehen den Pragmatiker dann für die SPD in der Rolle des Vize-Kanzlers. Eben deshalb ging Steinbrück länger auf Tauchstation: Er wollte die auf Sieg ausgerichtete Wahlstrategie des Kanzlers nicht stören und die aus seiner Sicht "hysterische" Koalitionsdiskussion nicht befördern.

Angesichts seiner Popularität gehört "Su-Peeeer" (NRW-Wahlwerbung) in der öffentlichen Wahrnehmung zweifelsohne zu den Aktivposten einer personell deutlich ausgezehrten SPD. In der Partei freilich stoßen sich manche an seinem unsentimentalen Modernisierungskurs. Dass er das Risiko, auf der Oppositionsbank des Bundestages zu landen, nicht eingehen wollte, wird ihm ebenfalls angekreidet. So ist noch unklar, ob Steinbrück im November zum stellvertretenden SPD-Chef gewählt wird. Er selbst zögert mit der Kandidatur: "Mein Dialog mit dem Rasierspiegel ist noch nicht abgeschlossen", ulkte er.

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