Ex-Polizist Christian Schaaf zu Einbrüchen
„Der Schutz meines Eigenheims ist nicht Aufgabe der Polizei“

Steigende Einbruchszahlen beunruhigen die Öffentlichkeit. Der Polizei fehle das notwendige Personal für mehr Schutz, heißt es. Doch hauptverantwortlich sei immer noch der Hausbesitzer selbst, sagt ein Experte.

BerlinWohnungseinbrüche sind angesichts deutlich steigender Fallzahlen – ein Plus von zehn Prozent im Jahr 2015 - längst kein Phänomen mehr. Die heutigen Sicherheitsstandards in Häusern und Wohnungen sieht Christian Schaaf auf dem Stand der 1970er-Jahre. Für organisierte Profibanden sei es oft ein Leichtes, in unzureichend gesicherte Gebäude einzubrechen, sagt der Geschäftsführer von Corporate Trust, einer Unternehmensberatung für Sicherheitsdienstleistungen. Fast 20 Jahre lang war Schaaf bei der Polizei beschäftigt, unter anderem als verdeckter Ermittler. Im Interview spricht er über die Einbrecher von heute, die richtige Sicherung und die Rolle der Polizei.

Herr Schaaf, die Einbruchzahlen gingen in den vergangenen Jahren stets nach oben. Woran liegt das?
Zum einen ist es für die Tätergruppen heute einfacher, sich unbemerkt ins Ausland abzusetzen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Fahndung verschwindend gering. Zum anderen ist Deutschland attraktiv für solche Taten: Viele Wertgegenstände werden zuhause gelagert und die Häuser und Wohnungen sind vergleichsweise schlecht geschützt.

Woran machen Sie den mangelhaften Schutz denn fest?
Die wenigsten Immobilien entsprechen den notwendigen Sicherheitsstandards. Da fehlt es schlicht an den richtigen Investitionen an der richtigen Stelle. Nachrüstungen sind auch wichtig, doch in vielen Fällen unzureichend.

Ist sich die Bevölkerung der Gefahrenlage also nicht ausreichend bewusst?
Diese Schlussfolgerung liegt nahe. Fast täglich lesen die Menschen in der Zeitung über weitere Einbrüche. „Das passiert allen anderen, nur nicht mir“, denken dann viele. Die Bereitschaft, etwas für die eigene Sicherheit zu tun, ist stark begrenzt. Viele vertrauen lieber auf das Prinzip Hoffnung.

Das ist falsch, wie die Einbruchzahlen zeigen …
Genau. Von dem Bewusstsein, dass eine Nachrüstung notwendig ist bis zur tatsächlichen Umsetzung ist es ein großes Gefälle. Da spielt auch der Versicherungsschutz eine Rolle. Wertgegenstände sind verschmerzbar und oft gegen Diebstahl versichert. Das anschließende Gefühl ist allerdings von viel größerer Bedeutung. Der Gedanke, dass ein Fremder in meiner Wäsche gewühlt hat, ist nicht so einfach wegzustecken. Wenn das Gefühl der eigenen Sicherheit fehlt, ist es enorm unangenehm.

Wie hat sich das Täterprofil eines Einbrechers zuletzt gewandelt?
Heutzutage wird teilweise massive Gewalt angewandt. Für immer mehr Täter ist es weniger wichtig, ob sich jemand in der Wohnung befindet oder nicht. Es gibt zahlreiche Fälle, bei denen Einbrecher die Bewohner überraschen, etwa in der Nacht. Wenn dann jemand aufwacht, wird Gewalt angewandt. Risiko, Brutalität und Rigorosität haben enorm zugenommen.

Plump gefragt: Wie hab ich mein Eigenheim denn vernünftig zu sichern?
Hier gibt es grundsätzlich keinen Königsweg – maßgeblich sind individuelle Konzepte. Erstens geht es darum, die Schutzzonen zu identifizieren. Was ist das Schutzziel, was will ich sichern? Das gesamte Grundstück oder nur die Außenfassade? Und sollte ich auch den Garten schützen? Im Folgenden muss man sich genau überlegen, auf welche Art und Weise man sich schützt.

Eine einfache Gefahrenmeldeanlage reicht also nicht mehr aus?
Auch das ist abhängig vom Schutzobjekt. Für eine Mietwohnung im fünften Stock ist eine solche Anlage womöglich ausreichend, bei einem Einfamilienhaus mit großem Anwesen vielleicht nicht ganz. Problematisch ist jedoch, dass viele Betroffene nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen.

Inwiefern?
Geht man zum Elektriker oder zum Alarmanlagenbauer um die Ecke, wenn man ein solches Schutzbedürfnis hat? Welcher Ansprechpartner ist wirklich der richtige Partner? Die Kriminalpolizei gibt Hinweise zu verschiedenen Sicherungsmöglichkeiten. Für die praktische Umsetzung wiederum ist der Häuslebauer selbst verantwortlich. Ob ein Produkt allerdings individuell passend ist, steht auf einem anderen Blatt. Es wird zu wenig auf die individuellen Bedürfnisse eingegangen.

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„Man darf dem Staat nicht den schwarzen Peter zuschieben“

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