Ex-Regierungssprecher warnt
Heye sieht Lebensgefahr für WM-Gäste

Die Diskussion um mögliche fremdenfeindliche Übergriffe während der Fußball-WM reißt nicht ab. Nun schaltete sich Ex- Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye mit einer drastischen Warnung ein. Seiner Ansicht nach gibt es sehr wohl "No-Go-Areas" für ausländische Fans. Mancherorts bestehe sogar Lebensgefahr.

gr/co BERLIN. Die Aussage hat Brisanz: Heye, Vorstandvorsitzender eines Vereins gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, erklärte im Deutschlandradio Kultur: „Es gibt kleine und mittlere Städte in Brandenburg und anderswo, wo ich keinem, der eine andere Hautfarbe hat, raten würde, hinzugehen. Er würde sie möglicherweise lebend nicht mehr verlassen“. Um welche Orte es sich genau handelt, sagte Heye nicht.

Heye rief die Politiker dazu auf, fremdenfeindlich motivierte Überfälle nicht zu bagatellisieren. Es dürfe nicht passieren, dass den Opfern eine Mitschuld an den Übergriffen zugesprochen werde. Heye ist Vorstandsvorsitzender des Vereins „Gesicht zeigen! Aktion weltoffenes Deutschland“. Von 1998 bis 2002 war er Leiter des Bundespresseamtes unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).

Nach einem brutalen Angriff auf einen 37-jährigen Ingenieur mit dunkler Hautfarbe am Ostersonntag in Potsdam hatte es eine Diskussion um die Hintergründe und Motivation zu der Tat gegeben. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen eines fremdenfeindlichen Übergriffs. Für Aufsehen sorgte vor wenigen Tagen auch ein Angriff auf einen Tunesier im thüringischen Eisenach. Die mutmaßliche Misshandlung eines Italieners in Berlin war dagegen wohl vorgetäuscht: Nach Angaben der Staatsanwaltschat legen Videobilder den Schluss nahe, dass der Mann betrunken ins Gleisbett der S-Bahn fiel und nicht von Kahlköpfigen misshandelt wurde, wie er behauptet hatte.

 Ausführlich: „Neonazi-Angriff“ auf Italiener war wohl vorgetäuscht

Die Warnung Heyes stieß in Brandenburg auf Empörung: Heye habe sich in seiner "Wut auf wirre Rechtsextremisten in seiner Wortwahl vergriffen", sagte SPD-Fraktionschef Günter Baaske. CDU-Generalsekretär Sven Petke erklärte: "Herr Heye scheint von allen guten Geistern verlassen. Er zeichnet ein Bild von Brandenburg und seinen Bürgern, das mit der Realität nichts zu tun hat. In Brandenburg braucht niemand um sein Leben zu fürchten." Petke forderte Heye auf, sich zu entschuldigen.

Schäuble sieht größte Gefahr durch Hooligans

Die Amadeu-Antonio-Stiftung, die nach einem in Brandenburg ermordeten Angolaner benannt ist und Projekte gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus unterstützt, hält Heyes Warnung dagegen keineswegs für überzogen. Stiftungsvorsitzende Anetta Kahane sagte Handelsblatt.com: „Ich würde dem zustimmen. Nicht nur in Brandenburg, sondern im Prinzip in allen neuen Bundesländern gibt es eine rechtsextreme Bedrohungslage. Solche Gefahren bestehen auch im Westen - aber nur im Osten findet man eine Stimmungslage und Gleichgültigkeit, die Rechtsextremen zugute kommt.“ Kahane verwies darauf, dass es seit der Wende in Deutschland bis zu 17 Todesopfer rechtsextremer Gewalt pro Jahr gegeben habe. Sie schränkte jedoch ein, es gebe keine ständige, generelle, dauernde Lebensgefahr für Menschen mit anderer Hautfarbe.

Amadeu Antonio Kiowa war 1990 in Eberswalde von einer Gruppe von etwa 50 Rechtsextremen überfallen und mit Baseballschlägern und Latten traktiert worden. Der 28-Jährige Amadeu Antonio Kiowa wurde ins Koma geprügelt, aus dem er nicht mehr erwachte. Zwei Wochen später starb er.

Im Gegensatz zu Heye betonte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble wiederholt, Deutschland sei sicheres Terrain. Er räumte jedoch Gefahren durch Hooligans ein. „Das größte Problem haben wir mit deutschen Hooligans“, sagte er. Aber auch polnische Gewalttäter seien im Visier der Polizei. Für die Fanfeste in den Innenstädten seien Zugangskontrollen und Videoüberwachung geplant. „Überwachung schreckt ab."

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