Ex SPD-Mitglied und Ex-Grüner
Oswald Metzger setzt auf CDU-Ticket

Der frühere Grünen-Politiker Oswald Metzger kehrt auf die politische Bühne zurück. Der ehemalige Landtags- und Bundestagsabgeordnete hat eine neue politische Heimat gefunden und tritt in die CDU ein. Der 53-Jährige, ebenfalls von der FDP umworben, hat auch bereits wieder ehrgeizige Pläne.

BERLIN. Vielleicht haben beide Ereignisse ja nichts miteinander zu tun, aber bei einem politischen Show-Talent wie Oswald Metzger weiß man es nie so genau: Der grüne Rebell jedenfalls ließ gestern von Biberach aus die nach Neuigkeiten gierende Welt wissen, dass er ab sofort zur CDU übertritt. Prompt meldeten die Presseagenturen wenig später, dass die so prominent verstärkte Christenunion schon recht bald zur mitgliederstärksten Partei Deutschlands aufsteigen wird.

Na bitte! Genau 533 265 Männer und Frauen zählte die CDU Ende Februar. Zwar liegen die Sozialdemokraten mit 536 655 eingetragenen Genossen noch leicht um 3 390 Mitglieder vorne. Doch angesichts des zähen Streits um Kurt Becks Links-Kurs geben immer mehr frustrierte SPD-Anhänger ihr rotes Parteibuch zurück. Hält diese negative Entwicklung an, müsste die CDU bereits Ende April die SPD überflügelt haben.

Nun mangelt es Oswald Metzger, der vor seiner Grünen-Karriere bereits SPD-Mitglied war, sicher nicht an politischem Sendungsbewusstsein. Doch den jüngsten Aufwärtstrend seiner neuen Partei reklamierte der 53jährige Ex-Grüne gestern bei seinem lange angekündigten Auftritt in der schwäbischen Provinz nun doch nicht für sich. Allerdings ließ der langjährige Finanzexperte der Grünen seine schwarzen Parteifreunde gleich wissen, dass er sich zu Höherem berufen fühlt als zum Schatzmeister des heimatlichen Ortsvereins. Mit dem Aufnahmeantrag bewarb sich Metzger nämlich auch gleich um das örtliche Bundestagsmandat. Der bisherige Abgeordnete Franz Romer hört diese Legislaturperiode auf, und der Wahlkreis um Biberach gilt als CDU-Hochburg. Scheitere er mit der Nominierung, so Metzger selbstbewusst, wolle er sich aus der Berufspolitik zurückziehen.

Während CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla das neue Parteimitglied freudig begrüßte, fielen die Abschiedsworte bei den Grünen eher schmallippig aus: „Reisende soll man nicht aufhalten“, meinte Parteichefin Claudia Roth knapp. Ihr Amtskollege Reinhard Bütikofer attestierte Metzger gar „Uneinsichtigkeit“ sowie ein „Übermaß an Selbstverliebtheit“.

Oswald Metzger, dem die Grünen in den letzten Jahren zu links geworden waren, ficht das nicht mehr an. Der wortgewaltige Vollblutpolitiker, der nach Erinnerung von Ex-Parteifreund Rezzo Schlauch „in den Haushaltswochen immer wie gedopt durch den Bundestag lief“, will künftig „die marktwirtschaftlichen Wurzeln in der Union wieder beflügeln“.

Dass Parteiwechsel durchaus erfolgreich sein können, haben schon Oskar Lafontaine oder Günther Verheugen bewiesen. Letzterer ging 1982 von der FDP zur SPD und brachte es zum EU-Kommissar. Otto Schily wurde gar Minister, als er von den Grünen zur SPD wechselte.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
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