Ex-Weise fürchten um Reputation des Gremiums: Kopfschütteln über Sachverständigenrat

Ex-Weise fürchten um Reputation des Gremiums
Kopfschütteln über Sachverständigenrat

Der öffentliche Streit zwischen mehreren Mitgliedern des Sachverständigenrates (SVR) droht das Ansehen der Institution nachhaltig zu beschädigen und könnte die Arbeit des Gremiums lähmen. Diese Sorge äußerten am Montag übereinstimmend ehemalige Ratsmitglieder und frühere Mitglieder des wissenschaftlichen Stabs.

ost/pbs DÜSSELDORF. Einige Ökonomen haben am Montag bereits den Sachverständigenrat in seiner heutigen Form grundsätzlich in Frage gestellt. Der Rat selbst ist um Schadensbegrenzung bemüht. Nach Informationen des Handelsblattes haben sich alle fünf Weisen am Montagabend darauf verständigt, öffentlich keine Stellung mehr zu beziehen. So wollen sie die Situation beruhigen. „Wir müssen uns dringend zusammensetzen und die Sache intern ausdiskutieren, um weiteren Schaden für die Institution abzuwenden“, hieß es aus SVR- Kreisen.

„Wenn es den Ratsmitgliedern nicht gelingt, sich intern wieder zusammenzuraufen, muss letztlich einer der Beteiligten zurücktreten“, sagte der langjährige SVR-Generalsekretär Michael Hüther, heute Präsident des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft. Das ehemalige Ratsmitglied Rüdiger Pohl legte dem wegen seiner Alleingänge attackierten Peter Bofinger nahe, aus dem Rat auszutreten: „Wenn man sich in voller inhaltlicher Konfrontation sieht, dann muss man zurücktreten“, sagte Pohl der Nachrichtenagentur Reuters.

Die beiden Wirtschaftsweisen Wolfgang Wiegard und Wolfgang Franz hatten in den vergangenen Tagen ihren Ratskollegen Peter Bofinger, der seit März 2004 auf Empfehlung der Gewerkschaften im Rat sitzt, öffentlich scharf angegriffen. Bofinger sei nicht teamfähig und äußere sich zu Themen, von denen „er erwiesenermaßen nichts versteht“. Wiegard kündigte an, sich schrittweise aus dem Rat zurückzuziehen: „Ich werde schon im Februar nicht mehr für den Vorsitz kandidieren und 2006 wahrscheinlich aus dem Sachverständigenrat ausscheiden“, sagte er dem „Rheinischen Merkur“. Einen Nachfolger wird der Rat auf seiner nächsten Sitzung am 20. Januar wählen – nach Handelsblatt-Informationen wird höchstwahrscheinlich Bert Rürup die Führung übernehmen.

Ehemalige Ratsmitglieder reagierten mit Kopfschütteln auf diesen Disput: „Es hat im Rat immer Auseinandersetzungen gegeben, die an die Nerven und an die Nieren gehen“, sagte der ehemalige Wirtschaftsweise Horst Siebert. „Der Rat muss aber darauf achten, dass er keinen Schaden nimmt.“ Und Ex-Ratsmitglied Rolf Peffekoven warnt: „Die öffentliche Diskussion ist eine Beschädigung des Rates.“

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