Experte sieht aber „langsames Umdenken“
Unternehmen investieren zu selten in Universitäten

„Danger – Men Thinking“ warnt das Plakat am Geländer der Wendeltreppe, die beide Etagen des Instituts miteinander verbindet. Oben haben es sich drei zukünftige Softwaresystemtechniker in der „Kommunikationszone“ mit ihren Laptops gemütlich gemacht. Im Stockwerk tiefer läuft im Durchgangsbereich ein Seminar. Die Studenten des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) für Softwaresystemtechnik proben Großraumbüro-Atmosphäre.

POTSDAM. Die Softwareelite-Schmiede in Potsdam verdankt ihre Existenz der Initiative und Investition eines Privatmanns, die in dieser Größenordnung in Deutschland ihresgleichen sucht: Etwa 51 Mill. Euro hat SAP-Mitbegründer Hasso Plattner 1998 in die Stiftung gesteckt, die Alleingesellschafter des nach ihm benannten HPI ist. Für 20 Jahre ist so dessen Existenz gesichert. Finanziert wird das Institut zwar privat. Doch die Abschlüsse sind staatlich anerkannt. Denn die gemeinnützige Instituts-GmbH ist als „An-Institut“ der Uni Potsdam akkreditiert.

Ziel ist es, einer künftigen Generation von Softwarespezialisten „Ingenieurskultur“ einzuimpfen. „Am HPI zählt, wie ich den Überblick über komplexe Systeme behalte, im Team arbeite und es führe – nicht, wie ich Details am Besten und Schnellsten mache“, erzählt der 22-jährige Silvan Golega. Künftig wird ihm das wohl nützen. Denn potenzielle Arbeitgeber wünschen sich nicht nur IT-Absolventen mit exzellenten Noten, sie sollten auch berufserfahren sein, strategisch denken und im Team arbeiten können. Doch gerademal zwei von 100 Informatikstudenten erfüllten nach einer Studie der Unternehmensberatung Mummert Consulting 2001 dieses Profil.

Zwar ist die Ausbildungsstätte zu jung, als dass sich fertige Absolventen auf dem Arbeitsmarkt hätten bewähren können. Dennoch glaubt der Branchenverband Bitkom an das Modell. Bildungsreferent Stephan Pfisterer lobt neben der Ausstattung und den Dozenten des Instituts auch „die Brücke, die zur Wirtschaft geschlagen wird“. Die Studenten hätten die „Industriedenke stärker verinnerlicht“. Dazu trage auch die sechsmonatige Projektarbeit in Großunternehmen bei, die nach sieben Semestern zum Bachelor führt.

In Deutschland ist es eher selten, dass Privatleute und Unternehmen die Ausbildung des akademischen Nachwuchses fördern – im Gegensatz zum angelsächsischen Raum. Eher gibt es noch Investitionen in die universitäre Forschung. Dabei stellt beispielsweise Plattners Initiative die 130 000 Euro jährlich in den Schatten, die die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig und die Sparkassenversicherung Sachsen dem im April gegründeten Institut für praktische Journalismusforschung zukommen lassen. Im Frühling soll der Verein durch die Leipziger Uni anerkannt werden. Jedoch können Studenten hier nicht wie am HPI ihr ganzes Studium durchziehen, sondern nur einzelne Lehrveranstaltungen besuchen.

Im Regensburg ist eine solche Konstruktion bereits Wirklichkeit: Studenten der Wirtschaftsinformatik können ihre Scheine bei ibi Research erwerben, das 1993 als „An-Institut“ für Bankinformatik und Bankstrategie gegründet wurde. Initiator ist Professor Dieter Barthmann, der als Geldgeber und Mitgesellschafter den Sparkassenverband Bayern, die HypoVereinsbank und MLP ins Boot holte. 250 000 Euro im Jahr stellen sie dem Institut zur Verfügung – allerdings fließt nur ein Drittel der Summe in die Ausbildung der zukünftigen Führungskräfte.

Den wenigen Beispielen zum Trotz glaubt Ullrich F. Brömmling, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, an ein langsames Umdenken: „Angesichts funktionierender Modelle wächst das Bewusstsein, dass jeder selbst aktiv werden kann.“ Die Nachwuchsförderung des Staates sei lückenhaft. Hier müsse die Wirtschaft einspringen. Auch die Generalsekretäre der Hochschulrektorenkonferenz, Christiane Ebel-Gabriel, befürwortet den Trend, die Schnittstelle zwischen Hochschule und Privatwirtschaft zu stärken – vorausgesetzt, „dass durch Akkreditierungsverfahren die universitären Standards gewahrt bleiben.“

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