Experten: Grundlegende Reformen werden ausbleiben
Ökonomen zweifeln an großer Koalition

Der lange Machtkampf zwischen Angela Merkel und Gerhard Schröder um die Kanzlerschaft schadet dem Ansehen Deutschlands, kritisieren führende deutsche Wirtschaftsforscher.

DÜSSELDORF. "Dieses taktische Geplänkel ist peinlich für unser Land", sagt Christoph M. Schmidt, Präsident des Rheinisch-Westfälischen-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). "Das Land steht seit der Wahl in Nordrhein-Westfalen still", moniert der Präsident des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA), Thomas Straubhaar. "Das bremst die Konjunktur in Deutschland."

Mit einer schnellen Einigung der beiden rivalisierenden Volksparteien über eine große Koalition rechnen Ökonomen nicht. "Das kann sich noch gut acht Wochen hinziehen", schätzt Klaus Zimmermann, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Letztlich werde am Ende aber eine große Koalition stehen, erwartet die Mehrzahl der Forscher. Nur HWWA-Präsident Straubhaar glaubt nicht daran. Er glaubt, dass Schröder versuchen wird, "gestützt von den vereinten linken Kräften", im Bundestag an der Macht zu bleiben. Der Union "bleibt dagegen nichts anderes übrig, als auf einen baldigen Bruch einer solchen "Minderheitsregierung" zu warten und damit auf Neuwahlen", sagt Straubhaar. Sollte es wider seines Erwartens doch zu einer großen Koalition kommen, "dann geben ich ihr höchstens zwei Jahre - dann wird es zum Bruck kommen".

Die von DIW-Chef Zimmermann angeregte "Job-Sharing" der Kanzlerschaft - zwei Jahre Schröder, zwei Jahre Merkel - halten viele Forscher für unsinnig. "Das ist ein absurder Vorschlag", der die Stabilität einer großen Koalition gefährde, meint RWI-Präsident Schmidt. Die meisten Wirtschaftsforscher hätten einer schwarz-gelben Regierung mehr Reformeifer zugetraut - insbesondere am Arbeitsmarkt und im Gesundheitswesen. Allerdings dürfte es einer großen Koalition zumindest in einem Bereichen einfacher fallen, eine schnelle Einigung zu erreichen: Bei der Reform des Föderalismus.

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