Experten-Rat
DIW für Rente erst mit 70

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat sich zur Sicherung der Rentenkassen dafür ausgesprochen, das Renten-Eintrittsalter auf 70 Jahre anzuheben.

HB BERLIN. "Eigentlich wäre das Eintrittsalter 70 schon in zehn Jahren notwendig, aber dazu ist die Politik zu langsam", sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann. Realistisch sei aber, dass die Deutschen im Jahr 2015 bei 67 in Rente gingen. Der 70. Geburtstag werde erst 2025 das Ende des Arbeitslebens bedeuten.

Zimmermann sagte, damit die Menschen wirklich länger arbeiten, müssten niedrige Tarifgehälter für Ältere eingeführt und mehr Teilzeitarbeit geschaffen werden. Um ein angemessenes Einkommen zu sichern und gleichzeitig die Rentenkassen zu schonen, könnte die Altersteilzeit mit einer vorgezogener Teil-Rente kombiniert werden, wenn der Arbeitnehmer sich verpflichtet, dann auch über das normale Rentenalter hinaus Teilzeit zu arbeiten.

Unterstützung erhielt Zimmermann vom Wirtschaftsweisen Bert Rürup. Dieser sprach sich dafür aus, das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre anzuheben. Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zog Pläne der Union in Zweifel, den Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung langfristig auf dem gegenwärtigen Niveau von 19,5 Prozent zu halten. "Wenn man den Beitrag von 20 Prozent über das Jahr 2020 festschreiben würde, müsste das Mindestnettorentenniveau vor Steuern von 43 auf 39 Prozent abgesenkt werden", prognostizierte Rürup.

Im Juli hatte sich die Finanzlage der Rentenkassen überraschend weiter verschlechtert. So brachen die Pflichtbeiträge im Vorjahresvergleich um 1,5 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro ein. Die Rücklagen, mit denen vorübergehende Einnahmeschwankungen ausgeglichen werden sollen, reichen jetzt nur noch für anderthalb Tage.

Diese Informationen des Handelsblatts wurden vom Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR) bestätigt. "Unsere Hoffnungen auf eine Besserung im Juli haben getrogen", sagte Hartmann Kleiner, der Vorstandsvorsitzende der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA). "In den ersten zehn Tagen sah es so aus, doch dann bröckelten die Einnahmen", sagte er. Offenbar hätten die Betriebe den Rotstift beim Urlaubsgeld stärker als erwartet angesetzt.

Die Regierung hatte bereits angekündigt, dass wegen der Finanzmisere der Rentenkassen ab September die monatlichen Bundeszuschüsse vorgezogen werden müssen und im November erstmals ein Kredit von 400 Millionen Euro erforderlich wird. Im August drohe noch kein Engpass, versicherte Kleiner: "Das Geld ist in der Kasse."

Insgesamt sind die Beitragseinnahmen der Rentenkassen in den ersten sieben Monaten um 0,8 Prozent gesunken. Die Schwankungsreserve erodierte seit Januar von 4,4 Milliarden Euro auf 855 Millionen Euro.

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