Experten-Warnung
Gesundheitsfonds fällt durch

Der umstrittenste Teil der Gesundheitsreform stand heute auf dem Prüfstand: die Finanzreform. In der öffentlichen Anhörung im Bundestag hagelte es massive Kritik. Wissenschaftler, Krankenkassen und Gewerkschaften warnten gleichermaßen vor zusätzlichen Belastungen für die Versicherten. Aufhorchen ließ auch eine neue Studie der Stiftung Warentest über private Krankenversicherungen.

HB BERLIN. Die geplante Gesundheitsreform sieht umfassende Strukturreformen und eine grundlegenden Umgestaltung der Finanzen vor. Für alle soll die medizinische Versorgung so gesichert werden, auch wenn dies künftig weit teurer werden dürfte.

Bei der Anhörung zur Gesundheitsreform im Bundestag ließen Experten aus Wissenschaft, Spitzenverbände der Krankenkassen und Gewerkschaften kaum ein gutes Haar an dem Fondsmodell. Der Vorsitzende des Gesundheits-Sachverständigenrates, Eberhard Wille, kritisierte die Finanzierungspläne scharf. Da die Finanzierung des Gesundheitswesens über Beiträge erhalten bleibe, blieben auch die „bisherigen Schwachstellen“ bestehen, sagte Wille. Kassen mit vielen Kranken drohten an den Rand der Insolvenz zu geraten.

Von 2009 an sollen die Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in einen Fonds fließen. Die Regierung - nicht mehr die Einzelkasse - legt den Beitragssatz künftig fest. Außerdem soll der Staat schrittweise Steuergelder in Höhe von rund 14 Milliarden Euro oder zehn Prozent des heutigen Bedarfs beisteuern. Die Kassen erhalten für jeden Versicherten einen einheitlichen Betrag. Kommt eine gesetzliche Krankenkasse mit dem Geld aus dem Fonds nicht aus, kann sie einen Zusatz-Beitrag von ihren Mitgliedern erheben. Der Fonds soll den Wettbewerb zwischen den Kassen anheizen und das Geld gerechter verteilen.

Vor allem die möglichen Zusatzbeiträge sorgten in der Debatte für Unruhe. Die „Jagd auf Gesunde und Gutverdienende“ werde zunehmen, sagte AOK-Verbandschef Hans Jürgen Ahrens. Auch Annelie Buntenbach vom DGB warnte vor weiteren „alleinigen Belastungen der Versicherten“.

Der Krankenversicherungsbeitrag wird nach Warnungen der Kassenverbände im kommenden Jahr auf mehr als 15 Prozent und 2009 auf 15,4 Prozent steigen. In dieser Berechnung nicht enthalten seien Zusatz-Belastungen von 700 Millionen Euro jährlich sowie mögliche Kostensteigerungen bei Kliniken, Ärzten und Telematik, sagte Doris Pfeiffer, Vorsitzende des Ersatzkassenverbands.

Warentest: Große Unterschiede bei privaten Kassen

Auch die privaten Kassen sind mit der vom Kabinett bereits auf den Weg gebrachten Gesundheitsreform unzufrieden. Wenig begeistert dürfen sie auch über eine aktuelle Studie der Stiftung Warentst sein. Demnach lohnt sich der Abschluss einer privaten Krankenversicherung nur für wenige Menschen. Auch die geplante Gesundheitsreform werde an dieser Situation nicht viel ändern. Deshalb warnt die Zeitschrift vor einem schnellen Eintritt in eine private Versicherung.

Seite 1:

Gesundheitsfonds fällt durch

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%