Expertengruppe der Bundesregierung
Issing wird Chefreformer für die Finanzmärkte

Der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, soll die geplante Expertengruppe der Bundesregierung zur Reform der internationalen Finanzmärkte leiten. Diese Kommission soll die Regierung bei der Vorbereitung des anstehenden Weltfinanzgipfels beraten und Vorschläge zur Reform der internationalen Finanzarchitektur entwickeln.

mak/egl/HB FRANKFURT. Issing habe bereits zugesagt, sagte ein Regierungsvertreter. Vergangene Woche hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zunächst den früheren Bundesbankpräsidenten Hans Tietmeyer als Chef der Gruppe vorgeschlagen. Tietmeyer wäre für diese Tätigkeit zweifellos qualifiziert gewesen, denn er gehörte zu den Gründungsvätern des Forums für Finanzmarktstabilität. Nach heftigen Protesten beim Koalitionspartner SPD hatte Tietmeyer seine Zusage aber selbst zurückgezogen: Er ist, was Merkel nicht wusste und Tietmeyer ihr nicht sagte, Aufsichtsrat der gescheiterten Hypo Real Estate.

Ob Issing eine glücklichere Wahl ist als Tietmeyer, wurde in Frankfurter Finanzkreisen infrage gestellt. Denn der als EZB-Chefvolkswirt hoch anerkannte Issing wechselte nach seinem Ausscheiden aus der Zentralbank Anfang 2007 als "International Advisor" zu der US-Investmentbank Goldman Sachs - zur Bestürzung seiner Kollegen im EZB-Rat noch vor Ablauf der üblichen Wartefrist von einem Jahr. Issing gehöre damit zu jenen illustren Aufsehern und Notenbankern, die sich von den großen internationalen privaten Banken als sogenannte "Türöffner" hätten einkaufen lassen, heißt es. Sie hätten von dem Boom der großen Investmentbanken profitiert, die dann die Welt in die Finanzkrise gestürzt hätten.

Die SPD will aber nicht erneut protestieren, sagte ihr Finanzexperte Joachim Poß dem Handelsblatt: "Man kann ja nicht bei jedem Vorschlag meckern." Die Kommission allerdings sei "überflüssig". "Das ist allein eine Operation Gesichtswahrung für Frau Merkel", sagte Poß. Sie versuche nur, die Arbeit von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) zu bremsen.

Issing steht mit seinem Seitenwechsel in einer Riege mit dem früheren US-Notenbankchef Alan Greenspan und dem Ex-Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Malcolm Knight, die beide die Deutsche Bank eingekauft hatte. Zu der gleichen Gruppe zählen auch der frühere Vizechef der US-Notenbank Roger W. Ferguson, der als Manager zur Swiss-Re-Gruppe ging, außerdem der frühere New Yorker Fed-Präsident William McDonough, der Architekt von Basel II, der sich von Merrill Lynch anheuern ließ. In den kommenden Anhörungen vor dem US-Kongress sollen die Honorare der Berater der US-Investmenthäuser der letzten Jahre offengelegt werden, verlautete aus US-Think-Tank- und Kongress-Kreisen.

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